Filmkritiken

The Champion: Ein starkes Ende rettet den vorhersehbaren Weg nicht

Martha O'Hara
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Der Elfmeter schwebt in der Luft, ein Augenblick zwischen Triumph und Desaster. The Champion baut diese Spannung durchaus geschickt auf: Diego, gespielt von Swit Eme, steht mit entschlossenem Gesicht bereit, nicht nur über das Spiel, sondern auch über seine eigene Zukunft zu entscheiden. Doch dann macht der Film etwas Merkwürdiges: Er blendet weg. Wir sehen weder, wie der Ball im Netz landet, noch, wie er vom Pfosten zurückprallt. Stattdessen bleibt Diegos Gesicht zurück – eine Mischung aus Entschlossenheit und Ungewissheit –, während das Bild schwarz wird. Eine mutige Entscheidung, die noch lange nach dem Abspann im Gedächtnis bleibt. Schade nur, dass der Rest des Films nicht annähernd so nachhallt.

Carlos Theróns Sportdrama erzählt von Diego, einem 20-jährigen Fußball-Wunderkind bei Atlético de Madrid, dessen rohes Talent von seinem impulsiven Verhalten überschattet wird. Der Verein engagiert Álex (Dani Rovira), einen verschlossenen Psychologieprofessor ohne sportlichen Hintergrund, um den jungen Star und seine Eskapaden in den Griff zu bekommen. Daraus entwickelt sich eine Geschichte über Gegensätze, die sich anziehen, und sie stützt sich stark auf altbekannte Muster: den aufbrausenden Sportler und den nerdigen Mentor, deren Wege in einem Konflikt der Persönlichkeiten aufeinanderprallen. Die Ausgangsidee birgt Potenzial, doch The Champion schafft es nicht, sich über sein vertrautes Grundgerüst zu erheben.

Therón führt mit sicherer Hand Regie, aber ohne viel Gespür für besondere Akzente. Der Film lässt sich Zeit, wirkt bisweilen sogar zäh, während er zwischen Diegos Glanzleistungen auf dem Platz und Álex’ Versuchen wechselt, abseits davon einen Zugang zu ihm zu finden. Es gibt durchaus charmante Momente: Rovira glänzt in einer Szene, in der Álex versucht – und scheitert –, sich in einem Nachtclub unter Diegos Mitspieler zu mischen. Seine unbeholfene Art sorgt für dringend benötigte Leichtigkeit. Doch solche geistreichen Einfälle sind rar und liegen weit auseinander; ein Drehbuch, das lieber moralisiert als Zwischentöne zulässt, erstickt sie beinahe.

Die größte Stärke des Films ist seine Besetzung. Rovira verleiht Álex eine zurückhaltende Wärme; sein Spiel lebt von feinen Gesten und trockenem Humor. Eme fängt als Diego die unberechenbare Energie des jungen Spielers überzeugend ein, auch wenn seine Figur oft eindimensional wirkt: eher eine Aneinanderreihung wütender Ausbrüche und verletzlicher Monologe als ein vollständig ausgearbeiteter Mensch. Auch die Nebenbesetzung überzeugt, darunter Pablo Chiapella als Tito und Luis Fernández als Juanma. Ihre soliden Leistungen können jedoch nicht wettmachen, dass ihre Rollen zu wenig ausgearbeitet sind.

Am deutlichsten zeigt sich die Schwäche von The Champion in der Umsetzung. Die Fußballsequenzen sind handwerklich ordentlich gefilmt, ihnen fehlt aber die mitreißende Dynamik jüngerer Sportfilme wie The Killer (2023). Theróns Regie erfüllt ihren Zweck, wirkt jedoch wenig inspiriert; herausragende Einstellungen oder eine kreative Bildgestaltung, die dem Stoff zusätzliche Kraft verleihen könnten, sucht man vergeblich. Die Filmmusik schwankt zwischen aufdringlichem Gefühlskitsch und austauschbarem Aufbruchspathos und findet nie so recht einen Ton, der zu den abrupten Stimmungssprüngen der Geschichte passt.

Mit den Themen Wiedergutmachung und Verantwortung geht der Film mit schwerfälliger Aufrichtigkeit um. Die Entwicklung Diegos vom leichtsinnigen Jugendlichen zum reifen Sportler wird von Anfang an vorgezeichnet, und Álex’ Wandel vom Einzelgänger zum Mentor wirkt überstürzt – als hätte Therón sich nicht entscheiden können, ob er ein Drama oder eine Sitcom erzählen wollte. Die emotionalen Wendepunkte – Diegos Ausbrüche, Álex’ ruhige Belehrungen – sind vorhersehbar und nehmen der Geschichte jede echte Spannung.

Wenn es einen Fehlgriff gibt, der The Champion auf den Punkt bringt, dann ist es das Ende. Die Entscheidung, Diegos Elfmeter unaufgelöst zu lassen, wirkt eher wie ein billiger Ausweg als wie eine mutige künstlerische Entscheidung. Es ist, als wollte Therón das Publikum über den Ausgang grübeln lassen. Stattdessen bleibt vor allem Frust – und die Frage, warum man sich für etwas interessieren sollte, dessen Ausgang man nie zu sehen bekommt.

The Champion will emotionale Tiefe erreichen, begnügt sich aber mit Oberflächlichkeit. Das ist schade, denn unter den Klischees und Fehltritten verbirgt sich eine Geschichte mit echtem Gefühl. Doch ohne eine stärkere Regie, nuanciertere Dialoge oder eine klarere Vorstellung davon, was der Film sein will, bleibt am Ende nur ein weiteres Sportdrama, das man schnell wieder vergisst.

MCM-Wertung: 5,7/10 — Handwerk 2 / Geschichte 1 / Darstellungen 2 / Originalität 1 / Genrepassung 1.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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