Kino

Detective Conan jagt in Fallen Angel of the Highway ein fahrerloses Motorrad

Martha Lucas

Ein schwarzes Motorrad, das keinem Fahrer gehorcht, ist der Motor von Detective Conan: Fallen Angel of the Highway, und fast alles im Film ordnet sich dem einen Problem unter, es zu stoppen. Die Maschine jagt über die Hochstraßen von Yokohama, während die Präfekturpolizei von Kanagawa ihr eigenes neues Verfolgungsmotorrad in Dienst stellt, und der Fall, der dem kleinen Detektiv zufällt, ist weniger eine zu erklärende Leiche als eine Frage von Physik und Absicht: Wer oder was lenkt ein Fahrzeug, das sich selbst zu lenken scheint?

Die Prämisse stellt die langjährige Ermittlungsmechanik der Reihe in den Dienst eines Straßenthrillers und setzt einen Gast ans Lenkrad. Chihaya Hagiwara, die die Motorradstaffel der Präfektur leitet und den Spitznamen Windgöttin trägt, kommt einer zweiten Hauptfigur am nächsten, und das Drehbuch hält ihr Können und das außer Kontrolle geratene Motorrad von der ersten Filmrolle an auf Kollisionskurs. Das Rätsel ist echt, doch der Film ordnet sich zuerst über Bewegung und erst danach über Deduktion, eine andere Balance als die Salonrätsel, die die Serie ebenfalls liefert.

YouTube Video

In der Sprecherbesetzung erklärt der Film seine Absichten. Miyuki Sawashiro übernimmt die Rolle der Hagiwara und tritt in eine Tonlage ein, die der Reihe mit dem Tod von Atsuko Tanaka verloren ging; die Entscheidung liest sich als Hommage und Neukalibrierung zugleich, denn Sawashiro spielt Autorität mit einer kühleren, knapperen Kante als die Wärme, die Tanaka ihren Figuren in dieser Welt gab. Um sie herum setzt die Produktion auf bekannte Gesichter aus dem Realfilm: Ryūsei Yokohama und Mei Hata geben hier ihr Synchrondebüt, als Kazuaki Omae und Minato Tateoki, die Art von Verpflichtung, mit der die Serie fast jedes Frühjahr ein breites Publikum zu einem Genretitel zieht.

Hinter der Kamera steht, so darf man sagen, Takahiro Hasui, der zum ersten Mal allein bei einem Conan-Film Regie führt, nachdem er beim U-Boot-Eintrag der Reihe die Kamera verantwortet hatte. Ein Filmemacher, der darauf geschult ist, wie sich Bilder bewegen, statt wie ein Raum aufgebaut wird, passt zu einem Film, dessen Schauwerte auf Tempo, Sichtlinien und der Geometrie eines Autobahnkreuzes beruhen; das Werbematerial legt nahe, dass die Verfolgungsjagden der Daseinsgrund dieses Teils sind. Die Serie wechselt ihre Regisseure durch, und jede Ankunft verschiebt die Waage zwischen Rätsel und Spektakel: Hasuis verschiebt sie deutlich Richtung Straße.

Das schwierigere handwerkliche Problem liegt im Drehbuch. Takahiro Okura, von Beruf Kriminalautor, muss eine Protagonistin für nur einen Film auf ein Ensemble aufpfropfen, das seit drei Jahrzehnten Beziehungen anhäuft, ihr eine Vorgeschichte geben, die das Publikum in unter zwei Stunden aufnimmt, und trotzdem die Stammfiguren bedienen, die die Tickets kaufen. Es ist ein dramaturgischer Balanceakt, den die Reihe jedes Frühjahr vollführt, und er gelingt nur, wenn die privaten Einsätze des Gasts ohne Handbuch lesbar sind. Ob Hagiwara als Figur trägt oder bloß als Vehikel für Actionszenen, ist die Linie, auf der der Film balanciert.

Was der Film nicht verspricht, ist Neuerfindung. Conan-Filme mit Gastfigur neigen dazu, die zentrale Verschwörung der Reihe an den Rand zu schieben, und eine Figur für nur einen Teil überlebt selten ihren Abspann, so sauber sie auch gezeichnet sein mag. Wer kalt einsteigt — genau das Publikum, das der englischsprachige Vertrieb nun einlädt — muss eine gewaltige Menge angesammelter Geschichte auf Treu und Glauben hinnehmen, von der Chemie der Stammfiguren bis zu den Regeln dieser Welt. Ein Rekordstart beweist Appetit, nicht Tiefe, und beides verwechselt sich leicht, wenn die Schlangen so lang sind.

Die genannte Besetzung hält die Kernstimmen der Serie zusammen: Minami Takayama als Conan Edogawa, Wakana Yamazaki als Ran Mori und Rikiya Koyama als Kogoro Mori, dazu Yuko Sanpei, Michiko Neya, Yuya Uchida und Toshiki Masuda im Gastensemble. Yūgo Kanno komponiert die Musik, und MISIA singt das Titellied „Last Dance Anata to“. Die Animation stammt von TMS Entertainment, und der Film ist für alle Altersgruppen freigegeben.

Das kommerzielle Argument ist längst entschieden. Im Heimatmarkt startete der Film auf Platz eins, verwies den Doraemon-Film der Saison auf den zweiten Rang und stellte einen neuen Dreitagesrekord für die Serie auf; die kumulierten Einnahmen haben seither elf Milliarden Yen bei mehr als siebeneinhalb Millionen Zuschauern überschritten, das vierte Jahr in Folge, in dem ein Conan-Film die Zehn-Milliarden-Yen-Marke überspringt. Das ist der Kontext und die Erwartung, die westliche Kinos nun erben.

Trinity CineAsia bringt Detective Conan: Fallen Angel of the Highway am 12. Juni in die Kinos im Vereinigten Königreich und in Irland, untertitelt und in ausgewählten Premiumformaten. In Japan läuft er bereits und ist in mehrere asiatische Länder ausgerollt, mit Vorstellungen in Taiwan ab dem 24. Juni und Hongkong und Macau am 9. Juli; ein südkoreanischer Start wird für den Sommer erwartet. Ein deutscher Kinostart ist bislang nicht bestätigt. Die Laufzeit beträgt 109 Minuten.

Besetzung

Schlagwörter:

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.