Filmkritiken

Sarah Snook glänzt in einem wenig originellen Psychoschocker

Susan Hill
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Die Eröffnungsaufnahme von Run Rabbit Run verweilt auf Sarah Snooks Gesicht. Ihre Augen sind weit aufgerissen, in ihrem Blick liegen Angst und Entschlossenheit, während sie in den Rückspiegel ihres Autos starrt. Dieses Bild gibt sofort den Ton von Daina Reids psychologischem Horrorfilm vor, der tief in die dunkleren Abgründe mütterlicher Instinkte und kindlicher Traumata führen will. Trotz der packenden Prämisse und einer starken Hauptdarstellerin wirkt Run Rabbit Run jedoch oft wie ein Schatten besserer Genrevertreter.

Sarah Snook, bekannt für ihre nuancierte Darstellung der Shiv Roy in Succession, spielt Sarah, eine Fruchtbarkeitsmedizinerin, deren Welt aus den Fugen gerät, als ihr das zunehmend sonderbare Verhalten ihrer kleinen Tochter Mia auffällt, gespielt von Lily LaTorre. Die größte Stärke des Films ist Snooks Darbietung: Sie ist zugleich intensiv und verletzlich. Mit großer Überzeugungskraft trägt sie die emotionale Last der Geschichte und lässt das Publikum an der Entwicklung ihrer Figur Anteil nehmen. Auch LaTorre behauptet sich und spielt auf beunruhigend natürliche Weise. Die Ambivalenz von Mias Charakter verkörpert sie mit unheimlicher Authentizität.

Die Erzählung kann mit der Tiefe der schauspielerischen Leistungen allerdings kaum mithalten. Das Drehbuch stammt von Hannah Kent, doch Run Rabbit Run bedient sich großzügig bei etablierten Horrorklischees, insbesondere bei jener Tradition des Mutterhorrors, für die Filme wie The Babadook und Hereditary stehen. Die Vorbilder sind unverkennbar, doch dem Film gelingt es nicht, eine eigene, unverwechselbare Identität zu entwickeln. Die Handlung, in deren Mittelpunkt Sarahs Konfrontation mit einem Geist aus ihrer Vergangenheit steht, wirkt oft abgeleitet und vorhersehbar. In der ersten Hälfte baut der Film die Spannung wirkungsvoll auf, doch in der zweiten verliert er sich in einer Reihe vertrauter Wendungen und Umwege. Am Ende steht ein Finale, das gehetzt und verworren wirkt.

Eines der größten Probleme des Films ist sein Erzähltempo. Über weite Strecken schreitet die Handlung nur schleppend voran, um gegen Ende plötzlich anzuziehen. Diese Unbeständigkeit macht es schwer, die Spannung aufrechtzuerhalten: Das Publikum wartet häufig darauf, dass etwas geschieht, statt in das sich entfaltende Drama hineingezogen zu werden. Auch der Einsatz von Jump-Scares schwächt die Spannung zusätzlich, denn diese Momente wirken eher wie billige Schockeffekte als wie echte Schreckensmomente.

Visuell gelingt Run Rabbit Run immer wieder Beeindruckendes. Reids Inszenierung beweist ein gutes Auge für Bildkomposition, besonders in den Szenen, die in der ländlichen Landschaft Australiens spielen. Das Zusammenspiel von natürlichem Licht und Schatten schafft eine unheimlich schöne Ästhetik, die den verstörenden Grundton des Films verstärkt. Diese visuellen Stärken kommen jedoch nicht durchgehend zum Tragen; manche Szenen wirken optisch beliebig und tragen kaum dazu bei, die Erzählung zu vertiefen.

Die Auseinandersetzung des Films mit Themen wie Mutterschaft, Trauer und Schuld ist reizvoll, bleibt aber unterentwickelt. Snooks Spiel verleiht diesen Themen emotionales Gewicht, doch die Erzählung streift sie häufig nur, um sich stattdessen übernatürlichen Schreckmomenten zuzuwenden. Durch dieses Ungleichgewicht wirkt die thematische Tiefe oberflächlich, als ginge es dem Film mehr darum, sein Publikum zu erschrecken, als den psychologischen Verwicklungen nachzugehen, die er andeutet.

Die Nebenbesetzung mit Damon Herriman als Pete und Greta Scacchi als Joan liefert solide Leistungen, gerät jedoch weitgehend in den Schatten von Snook. Die Figuren, die sie verkörpern, bleiben eindimensional und dienen vor allem als Mittel, um die Handlung voranzutreiben, statt als vollständig ausgearbeitete Charaktere. An Tiefe mangelt es auch der Darstellung des Übernatürlichen: Die entsprechenden Elemente werden nie ausreichend erklärt oder näher erkundet.

Genretechnisch bewegt sich Run Rabbit Run zwischen psychologischem Horror und Thriller. Obwohl der Film wirklich verstörende Momente hat, fehlen ihm die anhaltende Spannung und psychologische Tiefe, die die besten Werke dieser Genres auszeichnen. Die vertrauten Klischees und vorhersehbaren Entwicklungen lassen ihn eher wie eine weitere Runde auf ausgetretenen Pfaden wirken als wie eine frische Perspektive auf den Mutterhorror.

Letztlich wird Run Rabbit Run von der starken Hauptdarstellerin getragen, während die wenig originelle Erzählung und die visuellen Unstimmigkeiten den Film ausbremsen. Zwar gibt es Momente echter Spannung und reizvolle thematische Ansätze, doch sie reichen nicht aus, um die Schwächen des Films aufzuwiegen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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