Filmkritiken

Hereditary – Das Vermächtnis, das Trauerdrama, das zum verstörendsten Horrorfilm seines Jahrzehnts wird

Martha Lucas

Gleich zu Beginn von Hereditary – Das Vermächtnis steht ein Bild, das kaum jemand vergisst und in dem kein einziger Geist vorkommt. Eine trauernde Mutter beugt sich über das Puppenhaus, das sie mit besessener Genauigkeit gebaut hat, und die Kamera lässt uns langsam zweifeln, was wir da eigentlich sehen: Sind diese Miniaturzimmer ein Hobby oder die Falle, in der die Familie längst lebt? Ari Asters erster Spielfilm stellte einen Regisseur vor, der begriffen hatte, dass das Erschreckendste auf der Leinwand nicht das Übernatürliche ist, sondern die Familie, aus der man nicht herauskommt.

Oberflächlich folgt der Film den Grahams — der Miniaturenbauerin Annie, ihrem besonnenen Mann Steve, dem halbwüchsigen Sohn Peter und der verschlossenen kleinen Tochter Charlie — in den Wochen nach dem Tod von Annies verschwiegener, entfremdeter Mutter. Was als häusliche Studie ererbter Trauer beginnt, verdirbt Szene für Szene zu etwas weit Dunklerem, als die Familie merkt, dass die alte Frau weit mehr hinterlassen hat als ungelöste Ressentiments. Aster verbirgt die wahre Gestalt der Bedrohung sehr lange und lässt das Grauen sich in gewöhnlichen, vom Nachmittagslicht durchfluteten Räumen sammeln.

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Was den Film trägt, ist die Kontrolle. Aster und Kameramann Pawel Pogorzelski rahmen das Haus der Grahams so, dass es sich auf Annies Modelle reimt: Nie sind wir ganz sicher, ob wir Menschen sehen oder Puppen, die von unsichtbarer Hand arrangiert werden. Colin Stetsons Musik wirkt weniger wie Musik als wie ein Atmen im Nebenzimmer, und der berüchtigtste Schock des Films — ein plötzliches Grauen an einer Landstraße, gefolgt von einem wortlosen, unerträglichen Morgen danach — ist mit einer Zurückhaltung inszeniert, die ihn verheerender macht, nicht harmloser. Aster vertraut der Stille und der toten Luft des Bildes weit mehr als jedem Schreckmoment.

Im Zentrum steht Toni Collette mit einer der großen Horror-Darstellungen des Jahrhunderts. Ihre Annie ist wund, wütend und krank vor Trauer; der Monolog am Esstisch, in dem sie ihrem Sohn endlich das Unsagbare sagt, macht so viel Angst wie alles Übernatürliche im Film, und ihr Fehlen in den Preisrennen jenes Jahres bleibt eine der seltsameren Auslassungen. Alex Wolff macht Peters Schuld in ihrer Verletzlichkeit fast unerträglich, Gabriel Byrne erdet alles als Ehemann, der noch nach einer rationalen Erklärung greift, und Milly Shapiros Zungenschnalzen wurde zu einem Geräusch, an das sich eine ganze Kultur erinnerte. Ann Dowd, als zu freundliche Fremde aus einer Trauergruppe, dreht leise die Daumenschrauben an.

Der Schlussteil, der die häusliche Tragödie in offen okkultes Terrain zieht, hat das Publikum stets gespalten: Manche finden das Rätsel überklärt, das menschliche Grauen sei erschreckender gewesen als das Ritual, das sich herausstellt. Doch die Konstruktion hält: Alles in den letzten zwanzig Minuten war in den ersten zwanzig angelegt, und eine zweite Sichtung enthüllt eine Maschinerie, die die Grahams nie loslassen würde. Das ist am Ende die grausamste Idee des Films — dass Trauer, seelische Krankheit und Erbe von innen aussehen können wie ein Fluch, ganz genau.

Hereditary
Hereditary – Das Vermächtnis (Ari Aster, 2018)

Für rund zehn Millionen Dollar gedreht, spielte Hereditary – Das Vermächtnis weltweit über achtzig ein und wurde zum Grundstein der A24-Horrorwelle — der Film, der Aster zum Namen machte und geradewegs auf Midsommar deutete. Jahre später steht er noch immer oben auf den Bestenlisten des Horrors des Jahrzehnts und leert noch immer den Saal von allen, die einen tröstlichen Schrecken suchten. Er ist kein Geisterbahnhaus. Er ist ein Spukhaus, und er kennt den Unterschied.

Ein Meilenstein des modernen Horrors: tadellos gebaut, unerträglich gespielt und weit verstörender, als seine Schreckmomente vermuten lassen. Das okkulte Finale spaltet, doch die Familientragödie darunter ist beinahe makellos.

Regie

Ari Aster

Ari Aster

Besetzung

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