Filmkritiken

Love, Sex and 30 Candles: Ein schonungsloser Blick auf Freundschaft unter Frauen

Martin Cid
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Als Nolwazi (Bahumi Madisakwane) ihren besten Freundinnen bei einer Geburtstagsfeier unter Tränen von ihrer Schwangerschaft erzählt, findet Love, Sex and 30 Candles zu seinem emotionalen Kern. Stephina Zwanes Netflix-Drama begleitet vier südafrikanische Frauen in ihren Dreißigern, die sich mit dem Leben, der Liebe und ihrer Freundschaft auseinandersetzen. Momente echter Wärme und eine ausgeprägte kulturelle Eigenheit heben den Film von der üblichen romantischen Komödienkost ab.

Die Stärke des Films liegt in seiner lebensnahen Darstellung weiblicher Freundschaft und der Komplexität moderner Beziehungen. Die Dynamik zwischen den vier Hauptfiguren – Amogelang Chidi als Dikeledi (Kedi), Gabisile Tshabalala als Sade, Candice Modiselle als Linda und Madisakwane als Nolwazi – wirkt authentisch, besonders in den Szenen, in denen die Frauen einander in Krisen beistehen. Zwane lässt diesen Momenten Raum und setzt statt auf Melodramatik auf leise Vertrautheit. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die Szene im Krankenhaus, in der die Freundinnen Linda (Modiselle) nach dem gesundheitlichen Schreck um ihre Mutter zur Seite stehen. Die Kamera verweilt auf ihren besorgten Gesichtern und zeigt, wie sie sich körperlich aneinanderlehnen, um Halt zu finden. So entsteht ein Gefühl der Verbundenheit, das noch lange nach dem Ende der Szene nachwirkt.

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Die feministischen Untertöne des Films sind subtil, aber wirkungsvoll. Sades schwierige Beziehung zu ihrem kontrollsüchtigen Verlobten Winston (Loyiso Macdonald) wird nuanciert erzählt und mündet in eine erschütternde Szene, in der er sie körperlich angreift, nachdem er Gerüchte über ihre Vergangenheit erfahren hat. Die Reaktion ihrer Freundinnen – unterstützend, aber auch von inneren Konflikten geprägt – verleiht ihren Beziehungen zusätzliche Tiefe. Nolwazis Entschlossenheit, trotz des Drucks von Tebogo (Lunga Shabalala) an ihrer Schwangerschaft festzuhalten, rückt ebenso Selbstbestimmung und Unabhängigkeit in den Mittelpunkt. Als sie sich ihm entgegenstellt und auf ihrem Recht besteht, eigene Entscheidungen zu treffen, entsteht ein kraftvoller Moment, der die feministische Botschaft des Films auf den Punkt bringt.

Allerdings gerät Love, Sex and 30 Candles bei Erzähltempo und Struktur ins Stolpern. Der Film verknüpft mehrere Handlungsstränge – KedIs Verlobung, Lindas Versöhnung mit ihrem Vater und Nolwazis berufliche Schwierigkeiten. Jeder für sich ist fesselnd, doch die Übergänge wirken mitunter abrupt. Die Nebenhandlung um Lindas entfremdeten Vater ist zwar emotional bewegend, fügt sich aber erst spät vollständig in die zentrale Erzählung ein. Durch diese unverbundene Struktur wirkt der Film stellenweise unausgewogen, als wolle er zu viele Themen abdecken, ohne jedem Handlungsstrang die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Die schauspielerischen Leistungen sind insgesamt stark; besonders Madisakwane und Chidi überzeugen. Madisakwanes Darstellung von Nolwazi bleibt im Gedächtnis, weil sie sowohl deren Verletzlichkeit als auch ihre Widerstandskraft einfängt. In der Szene, in der sie ihre Schwangerschaft verkündet, beweist sie eindrucksvoll emotionale Zurückhaltung: Angst, Vorfreude und Entschlossenheit verbinden sich zu einem vielschichtigen Gefühl, das die Figur zutiefst menschlich wirken lässt. Auch Chidi überzeugt als Kedi, insbesondere in den Szenen mit Tebogo. Wie sie sich in der komplizierten Beziehung zwischen Liebe, Frustration und schließlich Verrat zurechtfindet, ist nuanciert und glaubwürdig.

Macdonalds Darstellung von Winston kippt dagegen ins eindimensionale Böse und lässt die nötige Tiefe vermissen, um die Figur voll auszuarbeiten. Sein Wandel vom kontrollierenden Verlobten zum gewalttätigen Partner wirkt abrupt, und der Film geht den Beweggründen für sein Verhalten nicht ausreichend nach. Diese fehlende Nuancierung schmälert die Wirkung von Sades Geschichte, die dadurch eher wie eine Warnung als wie eine vielschichtig entwickelte Erzählung erscheint.

Die kulturelle Eigenart des Films ist seine größte Stärke: Er eröffnet einen frischen Blick auf Themen, die in westlichen Medien oft als universell dargestellt werden. Das südafrikanische Setting – von den farbenfrohen Modeszenen bis hin zu den intimen Momenten im Alltag – verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe. Zwane verankert den Film in einem konkreten kulturellen Umfeld, indem sie etwa die traditionelle Verlobungszeremonie und die Bedeutung der Großfamilie einbezieht. Das wirkt zugleich vertraut und ungewohnt. Besonders deutlich wird diese Authentizität in der Szene, in der Nolwazis Chef Ephry (Terence Bridgett) sie dazu ermutigt, mit ihrer Modelinie eigene Wege zu gehen. Er rät ihr, sich mit dem Team auszutauschen, und hilft ihr so, sich kreativ zu öffnen. Darin steckt ein zurückhaltender, aber wirkungsvoller Kommentar zur Bedeutung kultureller Identität und Innovation.

Manchmal geht diese Authentizität jedoch zulasten einer breiteren Zugänglichkeit: Wer mit dem kulturellen Hintergrund nicht vertraut ist, kann bestimmte Wendungen oder sozialen Dynamiken womöglich schwerer folgen. So erschließt sich die Bedeutung von KedIs weitergegebener Kinderkleidung für Nolwazis Schwangerschaft vielleicht nicht allen, die mit südafrikanischen Traditionen rund um Kindererziehung und gemeinschaftliche Unterstützung nicht vertraut sind.

Verglichen mit Filmen wie Sex and the City oder Girlfriends eröffnet Love, Sex and 30 Candles eine frische Perspektive, die zeitgemäß und notwendig wirkt. Zwar fehlen ihm der geschliffene Glanz und die Hochglanzästhetik dieser Filme, doch seine schonungslose Ehrlichkeit und kulturelle Eigenart machen ihn zu einer wertvollen Ergänzung des Genres. Besonders ansprechen dürfte der Film Menschen, die Geschichten über weibliche Freundschaft, kulturelle Identität und die Komplexität moderner Beziehungen schätzen.

Letztlich überzeugt Love, Sex and 30 Candles durch Herz und Ehrlichkeit, scheitert aber teilweise an der Umsetzung. Der Film erzählt auf fesselnde Weise von weiblicher Freundschaft und kultureller Identität, doch Probleme mit dem Erzähltempo und strukturelle Schwächen verhindern, dass er wirklich herausragt.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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