Filmkritiken

Lust Stories 2: Die Netflix-Anthologie, in der eine Großmutter vor der Hochzeit einen Sextest will

Veronica Loop
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Lust Stories 2 versammelt vier Hindi-Kurzfilme über das Begehren, inszeniert von R. Balki, Konkona Sen Sharma, Sujoy Ghosh und Amit Ravindernath Sharma. Am Anfang steht eine Großmutter, die einer arrangierten Verbindung erst ihren Segen geben will, wenn das Paar miteinander geschlafen hat, und das meistprämierte Segment folgt direkt danach.

Lust Stories 2 ist ein Anthologiefilm in Hindi, der am 29. Juni 2023 bei Netflix erschienen ist. Er dauert 132 Minuten und besteht aus vier Kurzfilmen, jeder unter einer anderen Regie: R. Balki, Konkona Sen Sharma, Sujoy Ghosh und Amit Ravindernath Sharma. Der erste gibt den Ton vor, mit einer Prämisse, die später prägte, wie über den Film gesprochen wurde: Eine Großmutter, gespielt von Neena Gupta, weigert sich, die Verlobung ihrer Enkelin zu billigen, bevor das junge Paar Sex hatte und ihr sagen kann, dass die Chemie stimmt.

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Der Film ist die Fortsetzung von Lust Stories aus dem Jahr 2018 und wurde vom selben Duo produziert: Ronnie Screwvala über RSVP Movies und Ashi Dua Sara über Flying Unicorn Entertainment. Zum Ensemble gehören Mrunal Thakur, Angad Bedi, Neena Gupta, Tillotama Shome, Amruta Subhash, Vijay Varma, Tamannaah Bhatia, Kajol und Kumud Mishra. Die vier Segmente teilen nichts außer einem Thema und einer festen Reihenfolge; die Figuren wechseln nie von einer Geschichte in eine andere.

Ein Franchise, getragen von vier Regisseuren

Der erste Lust Stories hatte am 15. Juni 2018 bei Netflix Premiere, mit Segmenten von Anurag Kashyap, Zoya Akhtar, Dibakar Banerjee und Karan Johar. Er war der mittlere Film einer Trilogie von Anthologien dieser vier Regisseure, nach Bombay Talkies im Jahr 2013 und vor Ghost Stories im Jahr 2020. In Indien wurde vor allem darüber diskutiert, wie der Film das Begehren von Frauen ins Zentrum jeder Geschichte rückte, und er erhielt später zwei Nominierungen bei den 47. International Emmy Awards: als bester Fernsehfilm oder beste Miniserie sowie für Radhika Apte als beste Darstellerin.

Für den zweiten Teil behielten die Produzenten Format und Thema bei und tauschten sämtliche Regisseure aus. Die vier Filmschaffenden kommen aus sehr unterschiedlichen Richtungen: ein Werbeveteran, bekannt für Komödien mit ungewöhnlicher Prämisse, eine Schauspielerin, die ins Regiefach gewechselt war, ein Spezialist für Thriller mit überraschender Wendung und der Regisseur einer der erfolgreichsten Familienkomödien des jüngeren Hindi-Kinos. Das Ergebnis ist weniger ein einzelner Film als vier Antworten auf dasselbe Wort.

Made for Each Other: R. Balkis Großmutter

Das Eröffnungssegment, Made for Each Other, stammt von R. Balki. Veda, gespielt von Mrunal Thakur, und Arjun, gespielt von Angad Bedi, wirken auf dem Papier wie das ideale Paar: ähnliche Ambitionen, ähnliche Berufe, ähnliche Familien. Ihre Eltern treffen sich gut gelaunt, um die Ehe zu arrangieren, doch Vedas Großmutter erhebt Einspruch. Bevor sie zustimmt, sollen die beiden miteinander schlafen, damit sie herausfinden, ob ihre Ehe im Bett ebenso funktioniert wie auf dem Papier. Als Veda ihr später gesteht, dass sie noch keinen Orgasmus hatte, rät ihr die Großmutter schlicht, es weiter zu versuchen.

Balki kam aus der Werbung zum Kino und hat seine Karriere auf Komödien aufgebaut, die an einer unerwarteten Idee hängen: eine Romanze mit großem Altersunterschied in Cheeni Kum (2007), ein Junge mit einer seltenen Alterungskrankheit in Paa (2009), eine Kampagne für günstige Damenbinden in Pad Man (2018). Die Besetzung mit Neena Gupta verbindet das Segment mit dem Regisseur, der den Film beschließt. Ihre Rückkehr zu Hauptrollen begann mit Badhaai Ho (2018), Amit Ravindernath Sharmas Komödie über eine späte Schwangerschaft. Mrunal Thakur war zuvor in Super 30 und in der Telugu-Romanze Sita Ramam (2022) zu sehen gewesen.

The Mirror: das Segment, das die Preise gewann

Das zweite Segment, The Mirror, inszenierte Konkona Sen Sharma nach einer Geschichte, die sie gemeinsam mit Pooja Tolani geschrieben hat. Ishita, gespielt von Tillotama Shome, lebt allein in einer großen Wohnung. Eines Nachmittags kommt sie früher nach Hause und ertappt Seema, die Frau, die in ihrem Haushalt arbeitet (gespielt von Amruta Subhash), in Ishitas Bett beim Sex mit Seemas Ehemann Kamal (Shrikant Yadav). Statt die beiden zur Rede zu stellen, versteckt sich Ishita, schaut zu und kommt immer wieder. Seema bemerkt sie in einem Spiegel und sagt nichts. Sen Sharma selbst ist als Stimme von Ishitas Freundin zu hören.

Konkona Sen Sharma machte sich zunächst als Schauspielerin einen Namen, etwa in Mr. and Mrs. Iyer unter der Regie ihrer Mutter Aparna Sen, bevor sie 2017 mit A Death in the Gunj ihren ersten Spielfilm inszenierte. 2021 drehte sie Geeli Pucchi, eine der vier Geschichten einer weiteren Netflix-Anthologie, Ajeeb Daastaans. Tillotama Shome ist international bekannt durch Monsoon Wedding und durch Sir (2018), in dem sie eine Hausangestellte spielte; in The Mirror spielt sie die Arbeitgeberin. Amruta Subhash, eine Theater- und Filmschauspielerin aus der Marathi-Szene, hatte in Gully Boy die Mutter der Figur von Ranveer Singh gespielt und war in Sacred Games zu sehen.

The Mirror ist der Teil von Lust Stories 2, der die deutlichsten Spuren in den Preislisten hinterlassen hat. Bei den Filmfare OTT Awards 2023 gewann der Film in der Kritikerkategorie den Preis als bester Web-Original-Film, und Amruta Subhash wurde als beste Nebendarstellerin in einem Web-Original-Film ausgezeichnet. Sen Sharma war für die beste Regie nominiert, und sie und Pooja Tolani erhielten Nominierungen sowohl für die Story als auch für das Originaldrehbuch. In der indischen Berichterstattung über die Anthologie war es das Segment, das am häufigsten hervorgehoben wurde.

Sex with Ex: Sujoy Ghosh zieht es in die Berge

Das dritte Segment, Sex with Ex, stammt von Sujoy Ghosh und kommt innerhalb der Anthologie einem Thriller am nächsten. Vijay, gespielt von Vijay Varma, lebt in einer angespannten Ehe mit Anu (Mukti Mohan). Während er am Steuer einen Videoanruf führt, verunglückt er auf einer abgelegenen Straße und geht zu Fuß in ein nahe gelegenes Dorf, um Hilfe zu suchen. Dort hört er eine vertraute Stimme: Sie gehört Shanti, gespielt von Tamannaah Bhatia, seiner ersten Frau, die Jahre zuvor ohne jede Erklärung verschwunden war. Sie sagt ihm, er solle gehen, bevor es spät wird. Er bleibt, und in dem Gespräch, das folgt, liegen die Geheimnisse des Segments.

Ghoshs bekanntester Film ist Kahaani (2012), ein Thriller mit Vidya Balan, der auf eine finale Wendung hin gebaut ist; danach folgten Badla (2019) und, wenige Monate nach Lust Stories 2, Jaane Jaan, ein weiterer Netflix-Film, in dem ebenfalls Vijay Varma mitspielt. Varma war der Durchbruch mit Gully Boy gelungen, danach kamen Darlings (2022) und Dahaad (2023). Tamannaah Bhatia gehört zu den bekanntesten Stars des Telugu- und Tamil-Kinos und war weltweit in den beiden Baahubali-Filmen zu sehen.

Tilchatta: Amit Ravindernath Sharma setzt den Schlusspunkt

Das abschließende Segment, Tilchatta, das Hindi-Wort für Kakerlake, inszenierte Amit Ravindernath Sharma. Kajol spielt Devyani, die Frau von Suraj Singh, gespielt von Kumud Mishra, einem ehemaligen Angehörigen eines Königshauses, der in einem verfallenden Herrenhaus lebt und den Frauen nachstellt, die dort arbeiten. Als das Hausmädchen nicht mehr zur Arbeit erscheint, nachdem Suraj sie angegriffen hat, stellt Devyani mit Rekha (Anushka Kaushik) einen Ersatz ein, und diese Wahl ist nicht so harmlos, wie sie aussieht. Zum Haushalt gehört auch Devyanis Sohn Ankur (Zeeshan Nadaf). Wohin Devyanis Plan führt, ist die letzte Wendung der Anthologie, und man entdeckt sie besser selbst, als sie beschrieben zu bekommen.

Amit Ravindernath Sharma drehte Tevar (2015) und Badhaai Ho, der mit dem National Film Award, Indiens staatlichem Filmpreis, als bester populärer Film mit gesunder Unterhaltung ausgezeichnet wurde, sowie später Maidaan (2024), ein Sportdrama über den Trainer der indischen Fußballnationalmannschaft. Für Kajol, einen der größten Namen des Hindi-Kinos der 1990er-Jahre, kam Tilchatta nach Tribhanga (2021), ihrem ersten direkt für Netflix produzierten Film. Kumud Mishra ist ein erfahrener Charakterdarsteller, zu dessen Filmen Rockstar und Article 15 gehören.

Musik, Kamera und das Erbe des ersten Films

Die Musik wird Raja Narayan Deb, Aman Pant, Sagar Desai und Subhajit Mukherjee zugeschrieben. Zum Soundtrack gehören Khelo Khellum, komponiert von Aman Pant mit einem Text von Shellee, sowie eine Neuinterpretation von Jab Koi Baat Bigad Jaaye durch Raja Narayan Deb, jenes Lieds, das Rajesh Roshan komponierte und zu dem Indeevar den Text schrieb. Als Kameraleute werden Tapan Tushar Basu, Anand Bansal und P. C. Sreeram genannt, der bereits bei mehreren früheren Filmen Balkis die Kamera führte, darunter Cheeni Kum und Paa.

Drei Jahre später: ein dritter Teil

Bei zwei Teilen blieb es nicht. Lust Stories 3 hatte am 18. September 2026 bei Netflix Premiere, erneut produziert von Ronnie Screwvala und Ashi Dua Sara, mit vier neuen Namen auf dem Regiestuhl: Vikramaditya Motwane, Kiran Rao, Shakun Batra und Vishal Bhardwaj. Zwei Namen aus dem zweiten Film stehen auf der Besetzungsliste, Konkona Sen Sharma und Vijay Varma, neben Radhika Apte, der Emmy-Nominierten des ersten Teils. Mit 165 Minuten ist er der längste der drei Filme.

Aus heutiger Sicht steht Lust Stories 2 zwischen zwei klarer umrissenen Filmen: dem ersten mit seinen Emmy-Nominierungen und seinem Ruf, offen über weibliches Begehren zu sprechen, und dem dritten, der auf größere Namen hinter der Kamera setzt. Seine eigene Identität ist zweigeteilt. Das Bild, an das sich die meisten erinnern, ist Neena Guptas Großmutter, die vor einer Hochzeit einen Beweis für die Chemie verlangt; das Segment, das die Preise einsammelte, ist Konkona Sen Sharmas leisere Geschichte über zwei Frauen und einen Spiegel. Wie sich die beiden anderen Segmente daneben behaupten, hängt davon ab, was man von einer Anthologie erwartet: Vier Regisseure bekamen dasselbe Wort, und sie waren sich nicht einig, was es bedeutet.

Cast

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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