Kino

‚Michael‘ nimmt Graham King mit seinem eigenen ‚Bohemian Rhapsody‘ die Musikbiopic-Krone ab

Der Michael-Jackson-Film hat weltweit 900 Millionen Dollar überschritten, nur 11 Millionen hinter 'Bohemian Rhapsody', und ist schon Lionsgates größter Kinostart der Geschichte
Martha Lucas

Das Musikbiopic lebt von einem einzigen, beinahe theatralischen Versprechen: dass ein Leben überzeugend genug nachgestellt werden kann, um das Publikum zurück in den Raum zu holen, in dem der Mythos entstand. Lionsgates ‚Michael‘ hat dieses Versprechen nun in einem Ausmaß eingelöst, wie es das Genre selten gesehen hat, und die frühen Jahre von Michael Jackson — von den Jackson 5 bis zur Bad-Tour — in den größten Kinoerfolg der Studiogeschichte und eines der einträglichsten Musikbiopics aller Zeiten verwandelt.

Wie Deadline zuerst berichtete, hat der von Antoine Fuqua inszenierte Film weltweit 900 Millionen Dollar überschritten und liegt nur rund 11 Millionen davon entfernt, ‚Bohemian Rhapsody‘ zu überholen — das Freddie-Mercury-Porträt, das bislang mit 911 Millionen der größte Erfolg von Produzent Graham King war. Überschreitet er diese Linie — beim derzeitigen Tempo eine Frage von Tagen —, hat King seinen eigenen Rekord entthront, und ‚Michael‘ wird zum erfolgreichsten Musikbiopic aller Zeiten.

Geschrieben von John Logan, einem Dramatiker, der auf der Bühne so sicher ist wie auf dem Papier, greift der Film zum ältesten Kniff des Biopic-Handbuchs: Er macht die Darbietung selbst zur Geschichte. Jaafar Jackson imitiert in seinem Leinwanddebüt seinen Onkel weniger, als dass er dessen Bühnenkunst wiederbelebt, während Colman Domingo und Nia Long als Joe und Katherine Jackson das Familiendrama unter dem Spektakel verankern. Das Ergebnis wirkt eher wie ein inszeniertes Konzert als wie eine Zusammenfassung von der Wiege bis zur Bahre — eine strukturelle Entscheidung, die dem Film seine theatralische Daseinsberechtigung gibt.

Für Lionsgate schreibt die Zahl das Selbstbild des Studios um. Ein auf Franchises und Genrekino mittleren Budgets gebautes Unternehmen hält seinen größten weltweiten Hit nun mit einem Prestige-Biopic und bestätigt die Wette, dass starbesetzte Musikfilme noch immer jene weltweite Kinopräsenz erzwingen können, die das Streaming eigentlich ausgehöhlt haben sollte. King, der einst ‚Bohemian Rhapsody‘ zu einer überraschenden Kampagne um den Oscar als bester Film führte, hat faktisch eine zweite Fabrik für dasselbe Produkt errichtet: das Leben der Ikone als garantiertes Ereignis.

Der Film startete Ende April mit einem Einstand von 97,2 Millionen Dollar in den USA, dem besten der Geschichte für ein Musikbiopic, und hat seither weit über 544 Millionen im Ausland eingespielt, angeführt von Großbritannien (68 Millionen), Frankreich (54,3 Millionen) und Deutschland (34,4 Millionen), bei Produktionskosten von über 200 Millionen. In seiner inzwischen siebten Woche kommt er diesen Monat ins Heimkino und gewinnt im Ausland weiter Leinwände hinzu.

Die Ironie ist exakt: Der Mann, der Freddie Mercurys Abschied in ein Phänomen von mehr als 900 Millionen verwandelte, wird an der Spitze seines eigenen Genres gestürzt — von sich selbst.

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