Filmkritiken

No One Will Save You: Ein stummer Schrei der Isolation

Martin Cid
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Die erste Einstellung von No One Will Save You verweilt auf Kaitlyn Devers Gesicht. In ihren Augen spiegelt sich mitten in der Nacht das kalte blaue Licht eines Smartphone-Bildschirms. Dieses Bild sagt alles über die Hauptfigur und den Ton des Films: Sie ist isoliert, voller Angst und vollkommen allein. Brian Duffields Science-Fiction-Horror-Mix setzt auf diese stille Intensität. Ob sie sich über die gesamte Laufzeit aufrechterhalten lässt, ist allerdings eine ganz andere Frage.

Duffield, der zuvor Spontaneous inszenierte und das Drehbuch zu Love and Monsters schrieb, versteht es, psychologische Spannung mit unmittelbarem Schrecken zu verbinden. No One Will Save You erzählt von Brynn (Dever), einer jungen Frau, die sich selbst ins Exil geschickt hat und am Rand einer Kleinstadt lebt. Die Einheimischen meiden sie wegen eines tragischen Vorfalls in ihrer Vergangenheit. Als außerirdische Eindringlinge über ihr Zuhause herfallen, muss sie um ihr Überleben kämpfen und sich zugleich den Geistern ihrer eigenen Schuld stellen. Die Prämisse ist schlicht, doch die Umsetzung wird interessant – oder sollte es zumindest werden.

Eines der auffälligsten Merkmale des Films ist der nahezu vollständige Verzicht auf Dialoge. Während der gesamten Laufzeit fallen nur eine Handvoll Worte. Dieser Minimalismus zwingt das Publikum dazu, sich ganz auf Devers Darstellung einzulassen – die größte Stärke des Films. Dever, bekannt aus Booksmart und The Rise of Skywalker, spielt Brynn mit bemerkenswerter körperlicher Ausdruckskraft. Ihre Mimik, ihre Körpersprache und ihre feinen Reaktionen tragen die emotionale Last der Geschichte und lassen Brynns Einsamkeit und Verzweiflung unmittelbar spürbar werden.

Duffields Inszenierung ist präzise und atmosphärisch, besonders in den ersten Szenen. Die Spannung entsteht durch den klugen Einsatz des Sounddesigns: Eine beklemmende Stille wird von plötzlichen, verstörenden Geräuschen durchbrochen – etwa vom Krachen eines außerirdischen Eindringlings oder dem fernen Brummen einer fliegenden Untertasse. Dazu kommt eine karge Bildsprache, die Brynns Isolation unterstreicht: Lange Einstellungen zeigen sie auf dem Fahrrad durch menschenleere Straßen fahren, während weite Perspektiven die Größe des Waldes rund um ihr Zuhause hervorheben.

Doch der Minimalismus wird auch zu einer der größten Schwächen des Films. Der Dialogverzicht verstärkt zunächst die Spannung, lässt letztlich aber zu vieles unausgesprochen. Brynns Vergangenheit – insbesondere der Vorfall in ihrer Kindheit, der die Stadt gegen sie aufbrachte – wird erst in einem hastigen und unbefriedigenden Finale enthüllt, in dem die Außerirdischen eine psychische Sonde einsetzen. Der Moment wirkt abrupt und unausgereift, als interessiere Duffield das Spektakel mehr als die emotionale Wirkung. Auch die Auflösung überzeugt nicht: Die Außerirdischen verschonen Brynn auf rätselhafte Weise, und ihre früheren Peiniger akzeptieren sie plötzlich wieder. Eine befriedigende Erklärung oder emotionale Tiefe bleibt dabei aus.

Auch im zweiten Akt gerät der Film ins Stolpern: Eine Reihe von Einbruchszenen nach demselben Muster wirkt zunehmend repetitiv. Jede Begegnung mit den außerirdischen Eindringlingen ist zunächst spannend, doch der schematische Ablauf – Brynn wehrt einen Außerirdischen ab, nur damit der nächste auftaucht – nutzt sich mit der Zeit ab. Durch den Dialogverzicht bleibt auch der Nebenbesetzung wenig zu tun. Dazu gehören Lauren L. Murray als Brynns Mutter und Dane Rhodes als Polizeichef. Ihre Figuren dienen vor allem dazu, die Handlung voranzutreiben, statt als eigenständige Menschen Gestalt anzunehmen. Das schmälert die emotionale Wirkung des Films.

Dennoch hat No One Will Save You durchaus seine Glanzmomente. Besonders bemerkenswert sind die praktischen Effekte der Außerirdischen, die den Kreaturen ein greifbares, unmittelbar körperliches Erscheinungsbild verleihen. Herausragend ist die Szene, in der Brynn einen Außerirdischen mit dem abgebrochenen Stiel eines Wischmopps aufspießt und einen anderen in Brand setzt, indem sie den Benzintank ihres Autos entzündet. Hier verbinden sich handgemachter Splatter und einfallsreiche Problemlösungen. Solche Momente zeigen, wie gut Duffield auch mit den begrenzten Mitteln einer Low-Budget-Produktion spannende, visuell packende Sequenzen inszenieren kann.

Der Film berührt außerdem Themen wie Trauer, Schuld und Erlösung, allerdings eher andeutungsweise als in der Tiefe. Eine der emotional eindringlichsten Szenen zeigt Brynns Halluzination: Sie findet sich in einer Welt wieder, in der ihre beste Freundin Maude (Evangeline Rose) noch lebt. Devers Darstellung ist hier besonders bewegend, als sie sich bei Maude für den Unfall in ihrer Kindheit entschuldigt, der zu deren Tod führte. Doch das hastige Erzähltempo und der Verzicht auf Dialoge nehmen diesem emotionalen Moment einen Teil seiner Wirkung. Das Publikum muss die Lücken selbst füllen.

Was die Genrezugehörigkeit betrifft, bewegt sich No One Will Save You mit gemischtem Erfolg zwischen Science-Fiction und Horror. Die außerirdische Bedrohung ist zweifellos unheimlich, vor allem, wenn die Aliens ihre Opfer mithilfe von Telekinese überwältigen. Doch der Film greift auf vertraute Muster zurück – etwa auf die einsame Heldin, die sich Welle um Welle von Eindringlingen entgegenstellt – und kann sich deshalb nie ganz vom Schatten seiner Vorbilder lösen. Der 2023 erschienene Film erinnert nicht ohne Grund an Silent Night (2023) und klassische Horrorfilme. Es fehlt ihm jedoch an erzählerischer Tiefe und thematischem Reichtum, um sich von vergleichbaren Werken abzuheben.

Letztlich lebt No One Will Save You von seiner Atmosphäre und den schauspielerischen Leistungen, bleibt bei seinen erzählerischen Ambitionen jedoch hinter den Möglichkeiten zurück. Kaitlyn Dever überzeugt als Brynn, und Brian Duffield führt in den spannungsgeladenen Anfangsszenen souverän Regie. Der Minimalismus, der zunächst die Spannung steigert, lässt am Ende jedoch zu vieles offen. So wirkt das Finale hastig und unausgereift.

Wer atmosphärischen Horror und Science-Fiction-Thriller mag, bekommt mit No One Will Save You genug Genre-Unterhaltung geboten, um dem Film eine Chance zu geben.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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