Kino

Overacting bei Netflix: Tochter inszeniert Fake-Einsätze für ihren Ex-Polizisten-Vater

Martha Lucas
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วรนุช (Woranuch) ist Schauspielerin, doch ihre Karriere ist nie richtig in Fahrt gekommen. Am meisten Einsatz verlangt ausgerechnet eine Rolle von ihr, die ihr Publikum niemals als solche erkennen darf. In „Overacting“, einer thailändischen Actionkomödie für Netflix, verliert ihr Vater วินัย (Winai), ein pensionierter hochrangiger Polizist, gespielt vom Komiker เท่ง เถิดเทิง (Teng Therdtherng), zunehmend den Bezug zur Gegenwart und kehrt in Gedanken zu seiner Zeit bei der Polizei und dem Verbrecher zurück, den er nie gefasst hat. Damit er nicht tatsächlich Jagd auf seinen alten Erzfeind macht, inszenieren วรนุช, gespielt von โบว์ เมลดา ศุศรี (Bow Maylada Susri), und ihre Freunde Einsätze für ihn – choreografierte Polizeieinsätze, bei denen es gar kein Verbrechen gibt. ปฤกษ์ อำรุงจิต (Prueksa Amaruji), der Regisseur der Netflix-Heistkomödie The Lost Lotteries, hat das Drehbuch geschrieben und Regie geführt.

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Netflix beschreibt den Film als warmherzige Familienkomödie, „durchzogen von bewusst überzeichneter, maßlos übertriebener Action“. Die Übertreibung ist hier das Grundprinzip, kein Nebeneffekt. Der thailändische Titel แก๊งโอเวอร์ bedeutet ungefähr „Gang Over“ und rückt eher die Gruppe als den Vater in den Mittelpunkt: eine Truppe von Darstellern, die eine Show aufführt. Der englische Titel benennt die Methode. In dieser Geschichte muss jemand jedes Mal ganz bewusst übertreiben – für einen Zuschauer, der seine Karriere damit verbracht hat, echte Verdächtige zu durchschauen.

Ein Stück mit genau einem Zuschauer

Als dramaturgisches Konstrukt betrachtet, ist die Geschichte ein Theaterstück im Film. Es gibt eine Regisseurin: die Tochter, die sich die Szenarien ausdenken muss. Es gibt eine Truppe: ihre Freunde, die ihre Laufwege und Einsätze einstudieren müssen. Und es gibt einen einzigen Zuschauer: วินัย, der zugleich die Hauptrolle spielt, ohne zu wissen, dass er auf einer Bühne steht. In der klassischen Farce soll die Täuschung meist jemanden hereinlegen, der Macht über die Verschwörer hat. Hier dient sie dem Schutz des Getäuschten – und das verändert, was Scheitern bedeutet. Wenn in einer Farce eine Szene aus dem Ruder läuft, fliegen die Lügner auf. Geht hier eine Szene schief, so legt es die Ausgangsidee nahe, erfährt ein Vater, dass der Fall, an dem er zu arbeiten glaubt, gar nicht existiert.

Damit bekommt der Titel eine zweite Bedeutung. Overacting gilt als Todsünde des Filmschauspiels – etwas, das Regisseure in den Proben auszutreiben versuchen. In dieser Geschichte wird es zur Voraussetzung, denn die Polizeiarbeit, an die sich วินัย erinnert, ist der Inhaltsangabe nach die verklärte Version aus den großen Tagen: der Spitzenpolizist und sein Erzfeind, der ihm immer wieder entkam. Eine realistische Darstellung würde ihn nicht überzeugen. Eine Darbietung wie im Actionfilm vielleicht schon. Die nächste europäische Verwandte ist Good Bye, Lenin!, in dem ein Sohn eine verschwundene DDR in der Wohnung wiederauferstehen lässt, um seine Mutter zu schützen. „Overacting“ tauscht, seiner Prämisse nach, die Wohnung gegen die Straßen der eigenen Familie und die manipulierte Nachrichtensendung gegen einen inszenierten Polizeieinsatz.

เท่ง เถิดเทิง auf der anderen Seite des Vorhangs

Schon die Besetzung bringt einen großen Teil der Aussage auf den Punkt, noch bevor die erste Szene gespielt ist. เท่ง เถิดเทิง, geboren als พงษ์ศักดิ์ พงษ์สุวรรณ (Pongsak Pongsuwan) in der Provinz Sukhothai, machte sich als Komiker in thailändischen Nachtclubs und im Fernsehen einen Namen, besonders an der Seite von น้องฉ่า ฉ่า ฉ่า (Nong Cha Cha Cha) in der Varietéshow Ching Roi Ching Lan. Sein erster Spielfilm war Killer Tattoo, eine Actionkomödie aus dem Jahr 2001, in der er einen amnesischen Auftragskiller spielte, der zum Elvis-Imitator geworden war: ein Mann, der seine Vergangenheit verloren hatte und weiter auftrat. The Holy Man, in dem er einen Straßenrowdy spielte, der buddhistischer Mönch wird, spielte an den thailändischen Kinokassen 141 Millionen Baht ein. In Nong Teng Nakleng-pukaotong verkörperte er einen Likay-Darsteller im Siam des Jahres 1923, der sein Theater durch den Einzug des Kinos zu verlieren droht.

„Overacting“ versetzt ihn auf die andere Seite des Vorhangs. Nach Jahrzehnten als Darsteller spielt er nun denjenigen, für den gespielt wird: den Zuschauer, der glauben muss. What’s on Netflix zufolge ist dies sein erstes Netflix-Projekt. Wie er einen Mann verkörpert, der halb in einem alten Drehbuch lebt, ist die offene Frage, auf die der Trailer nur eine Andeutung geben kann.

Die Truppe

โบว์ เมลดา ศุศรี, die Hauptrollen in den My Boo-Filmen spielte, verkörpert วรนุช, die Tochter, die zur Regisseurin wird. ก้อง ห้วยไร่ (Kong Huayrai), ein Luk-Thung-Sänger, dessen bürgerlicher Name อัครเดช ยอดจำปา (Akkhardet Yodchampa) lautet, wird bei TMDB als Toy geführt. Er kommt aus einer dritten Bühnentradition, der Welt der Countrymusik, und auch für ihn ist „Overacting“ das erste Netflix-Projekt. โจ๊ก กรภพ จันทร์เจริญ (Joke Gornpop Janjaroen) spielt eine Figur namens เสือห่าว (Sua Hao). Zum weiteren Ensemble gehören คริส-กุล ชุมแก้ว (Krist-kul Chumkaew), ธีรวิทย์ บุตรทัย (Theerawiwat Butrtaya), ลัทธพล รุจิโรจน์จินดากุล (Lattapon Rujirojjindakul), ศุภชัย หนุมาศ (Suppachai Hanumas) und ประกาศิต โบสุวรรณ (Prakasit Bosuwan). Netflix hat nicht verraten, wer den schwer fassbaren Erzfeind spielt oder ob dieser überhaupt mehr ist als eine Erinnerung.

ปฤกษ์ อำรุงจิต und die Täuschung im Dienste der Familie

ปฤกษ์ อำรุงจิต, der unter dem Namen ตุ้ย (Tui) geführt wird, ist einer der Regisseure, auf die Netflix setzte, als das Unternehmen begann, thailändische Filme in Auftrag zu geben. The Lost Lotteries, seine Heistkomödie über glücklose Fremde, die sich zusammentun, um Gewinnlose aus den Händen einer Mafia-Bande zurückzuholen, die in einer Feuerwerksfabrik sitzt, war der erste Titel aus der ersten thailändischen Netflix-Programmrunde. Zuvor drehte er Bikeman und dessen Fortsetzung: Komödien über einen Motorradtaxifahrer, der sich für seine Familie als Bankangestellter ausgibt, als er seiner Jugendliebe begegnet.

Der rote Faden ist kaum zu übersehen. In ปฤกษ์s Komödien führen gewöhnliche Menschen immer wieder den ihnen Nächststehenden etwas vor – und müssen die Anstrengung aufbringen, die Fassade aufrechtzuerhalten. „Overacting“ treibt diese Idee auf die Spitze: Nun ist die ganze Familie in die Täuschung eingeweiht, bis auf den einen Menschen, für den sie bestimmt ist. Das Drehbuch schrieb ปฤกษ์ gemeinsam mit จาริณี ธนมิตร (Jarinee Thanomyat) und dem Produzenten เริกชัย พ่วงเพชร (Rerkchai Paungpetch). Produziert wurde der Film von Raruek Production.

Altwerden zu Hause – in Thailand und auf Netflix

Unter den Stunts liegt eine Situation, die viele thailändische Familien kennen. Rund jeder fünfte Thailänder ist inzwischen 60 Jahre alt oder älter, und die Pflege alternder Eltern wird nach wie vor überwiegend innerhalb der Familie organisiert. Netflix spricht von einem Vater, der „in Erinnerungen an seine Zeit als Polizist abgleitet“, nicht von einer Diagnose; auch das Werbematerial zum Film nennt keine Krankheit. Die Prämisse greift etwas Vertrautes auf: einen pensionierten Mann, dessen Selbstverständnis noch immer an seinen Beruf gebunden ist, und erwachsene Kinder, die Tag für Tag improvisieren, wie sie ihn schützen können, ohne ihm dieses Selbstverständnis zu nehmen.

Netflix hat einen Grund, auf diesen Wiedererkennungseffekt zu setzen. Nach Angaben des Unternehmens sahen im vergangenen Jahr mehr als 90 Prozent seiner Mitglieder in Thailand lokale Inhalte; 33 thailändische Titel schafften es in die Global Top 10. „Overacting“ ist einer von vier Filmen im thailändischen Programm für 2026, zu dem außerdem drei Serien und der erste thailändische Dokumentarfilm in Spielfilmlänge des Unternehmens gehören. Dabei setzt der Film auf Komödienstars, die ihre Bekanntheit auf Bühnen und in Wohnzimmern erlangt haben – und nicht beim Streaming.

Jede Inszenierung hat eine Dernière, doch dieses Stück ist so angelegt, dass es seine eigene nicht ankündigen kann. Die Truppe kann den nächsten Einsatz proben und danach den übernächsten. Offen bleibt, wer entscheidet, wann die Vorstellung endet: die Tochter, die Regie führt, der Vater, der an die Inszenierung glaubt, oder der alte Feind, der vielleicht noch immer da draußen ist.

„Overacting“: Starttermin, Besetzung und Streaming

„Overacting“ startet am 5. November 2026 weltweit auf Netflix. Der thailändischsprachige Actionkomödien-Spielfilm ist bei TMDB mit einer Laufzeit von 116 Minuten gelistet; der thailändische Titel lautet แก๊งโอเวอร์. Netflix veröffentlichte im Februar 2026 einen offiziellen Teaser, später folgte der offizielle Trailer von Netflix Thailand.

Bow Maylada Susri as Woranuch in Overacting
Bow Maylada Susri as Woranuch in Overacting. Photo: Supapat Supapunpinyo / Netflix © 2026

Regie führte ปฤกษ์ อำรุงจิต, der das Drehbuch gemeinsam mit จาริณี ธนมิตร und เริกชัย พ่วงเพชร verfasste. In den Hauptrollen sind เท่ง เถิดเทิง als วินัย, โบว์ เมลดา ศุศรี als วรนุช, ก้อง ห้วยไร่ als Toy und โจ๊ก กรภพ จันทร์เจริญ als เสือห่าว zu sehen.

Beruht „Overacting“ auf einer wahren Geschichte? Netflix führt den Film als Originalkomödie; ein Buch, ein Theaterstück oder ein realer Fall wurden nicht als Vorlage genannt. Es handelt sich um einen eigenständigen Film, nicht um eine Serie, und er ist ausschließlich auf Netflix verfügbar.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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