Filmkritiken

Totally Killer: Zeitreise-Slasher mit scharfem Witz

Martin Cid
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Die Eröffnungsszene von Totally Killer hat es in sich: Kiernan Shipkas Jamie Hughes stolpert mit aufgerissenen Augen und außer Atem in ein neonbeleuchtetes Einkaufszentrum des Jahres 1987. Ihr Hoodie aus der Gegenwart sticht zwischen den pastellfarbenen Extravaganzen ihrer Umgebung deutlich hervor. Dieser Moment gibt den Ton von Nahnatchka Khans elegant inszenierter, selbstironischer Horror-Komödie vor – ein Film, der die Klischees seines Genres bestens kennt und keine Scheu hat, mit ihnen zu spielen. Die Ausgangsidee ist clever: Nachdem Jamies Mutter Pam (Olivia Holt) vom berüchtigten „Sweet Sixteen Killer“ ermordet wird, reist Jamie versehentlich ins Jahr 1987 zurück, um die Morde zu verhindern, bevor sie geschehen. Der Film schöpft seine Atmosphäre ausgiebig aus dem Jahrzehnt: vom synthlastigen Soundtrack über die Mode bis hin zu den Konventionen des Slasherfilms.

Khans Regie ist gleichermaßen verspielt und präzise. Mit sicherer Hand bringt sie die komödiantischen und die horroraffinen Elemente des Films ins Gleichgewicht, ohne dass eines das andere überlagert. Die Zeitreise verleiht der klassischen Slasher-Erzählung eine spannende zusätzliche Ebene und eröffnet Raum für kreative Wendungen. Das Erzähltempo ist insgesamt überzeugend: Jeder Akt baut auf dem vorherigen auf und lässt die Spannung stetig steigen.

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Shipka verbindet in ihrer Darstellung Aufrichtigkeit mit scharfem Witz. So wirken die unbeholfenen Versuche ihrer Figur, sich in einer fremden Zeit zurechtzufinden, ebenso nachvollziehbar wie unterhaltsam. Holt wiederum glänzt als jüngere Pam und verleiht ihr eine Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit, die dem emotionalen Kern des Films Halt gibt. Die Chemie zwischen Shipka und Holt ist spürbar und verleiht der Mutter-Tochter-Beziehung zusätzliche Tiefe.

Seine größte Stärke spielt Totally Killer aus, wenn der Film Humor und Horror miteinander verbindet. Die Komik ist oft selbstironisch und macht sich über die Klischees des Slasherfilms lustig, ohne dabei auf echte Schreckmomente zu verzichten. Besonders gelungen ist eine Sequenz, in der Jamie sich auf einer Party von Tiffany (Liana Liberato) einschleust und die Spannung steigt, als ihr klar wird, dass sie den Angriff des Killers nicht verhindern kann. Die Szene ist mit viel Liebe zum Detail inszeniert: von den flackernden Lichtern bis hin zu den Momenten, in denen die Kamera vor dem Angriff auf der schattenhaften Gestalt des Killers verweilt. Hier treffen Spannung und schwarzer Humor aufeinander – typisch für den Ton des Films.

Im dritten Akt gerät die Dramaturgie des Films allerdings ins Stolpern. Die Enthüllung der Identität des Killers – und die anschließende Wendung, dass es noch einen zweiten gibt – wirkt überhastet und verworren. Aus einer zunächst straffen, spannenden Erzählung wird eine unübersichtliche Geschichte mit zu vielen Enthüllungen und offenen Enden. Die emotionale Auflösung ist zwar befriedigend, entfaltet aber nicht ganz die erhoffte Wirkung, weil es dem Film schwerfällt, alle Handlungsstränge sauber zusammenzuführen.

Optisch ist Totally Killer ein Fest. Das Szenenbild fängt die Ästhetik der 80er perfekt ein – von den kräftigen Farben bis zur Retro-Technik. Auch das Sounddesign verdient eine Erwähnung: Die Musik verstärkt sowohl die komödiantischen als auch die Horrorelemente wirkungsvoll. Einige CGI-Effekte, besonders in den Zeitreiseszenen, wirken allerdings etwas angestaubt und reißen einen aus dem Geschehen.

Die Themen Mutter-Tochter-Beziehung und Wiedergutmachung behandelt der Film mit Feingefühl und Nuancen. Jamies Reise dreht sich nicht allein darum, einen Killer aufzuhalten: Sie muss auch die Vergangenheit ihrer Mutter verstehen und ihr ihre Fehler verzeihen. Dieser emotionale Kern verleiht dem Film mehr Tiefe, als ein rein schematischer Slasherfilm hätte bieten können.

Totally Killer dürfte sowohl Fans von Horror-Komödien als auch von Zeitreisegeschichten ansprechen. Der Film erfindet das Rad nicht neu, bietet dem Slashergenre aber einen frischen Dreh: mit Zeitreise-Wirren und einer ordentlichen Portion Humor. Durch seine Mischung verschiedener Genres hebt er sich im Feld der Horror-Komödien ab und unterscheidet sich von traditionelleren Vertretern wie Happy Death Day oder Freaky.

Im Vergleich mit anderen Filmen des Genres behauptet sich Totally Killer durchaus. An die Höhen von Parasite oder Past Lives reicht der Film nicht heran, doch mit seiner cleveren Ausgangsidee und starken Darstellerleistungen findet er seine eigene Nische. Seine Selbstironie und die Bereitschaft, mit den Genrekonventionen zu spielen, machen ihn zu einem herausragenden Vertreter der Horror-Komödie.

Letztlich ist Totally Killer eine vergnügliche, wenn auch nicht makellose Fahrt. Der Film erfindet das Rad nicht neu, verpasst dem Slashergenre aber einen frischen Dreh – mit Zeitreise-Wirren und einer ordentlichen Portion Humor.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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