Filmkritiken

Role Play: Verpasste Chance auf einen mitreißenden Spionage-Spaß in der Vorstadt

Alice Lange
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In dem Moment, in dem Emma, gespielt von Kaley Cuoco, bei einem Rollenspiel im Hotel eine Waffe zieht, während David Oyelowo als Dave ihr gegenübersteht, müsste Role Play (2023) eigentlich richtig Fahrt aufnehmen. Stattdessen kommt der Film ins Stolpern – und lässt die Chance ungenutzt, die Absurdität seiner Prämisse auszuspielen: tagsüber Vorstadtmutter, nachts Auftragskillerin. Unter der Regie von Thomas Vincent und nach einem Drehbuch von Seth Owen verschenkt die Actionkomödie ihr Potenzial mit einer Geschichte, die sich nicht entscheiden kann, ob sie romantische Komödie oder Spionagethriller sein will.

Cuoco macht als Emma eine solide Figur und muss dabei das Familienleben in New Jersey mit Auftragsmorden unter Hochspannung unter einen Hut bringen. Sie verleiht der Rolle einen gewissen Charme, besonders in den frühen Szenen, in denen sie Mutterschaft und ihren geheimen Beruf unter einen Hut bringt. Ihrer Darstellung fehlt jedoch die Tiefe, die nötig wäre, um Emmas inneren Konflikt wirklich fesselnd zu machen. Der Film geht der moralischen Tragweite ihres Doppellebens nie wirklich auf den Grund, sodass Cuoco sich statt auf ein nuanciertes Drama auf breit angelegte komödiantische Einlagen verlassen muss.

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Oyelowo hingegen wirkt als Dave, ihr ahnungsloser Ehemann, fehlbesetzt. Seinem Spiel fehlt das komödiantische Timing, um die angespannte Ehe der beiden glaubhaft zu vermitteln, und seine Reaktionen auf Emmas Doppelleben wirken eher ratlos als mitreißend. Die Chemie zwischen ihnen ist bestenfalls lau – ein entscheidender Schwachpunkt für einen Film, der von ihrer Beziehung lebt. Dave soll das Herz der Geschichte sein, doch Oyelowo lässt ihn passiv wirken. So fällt es schwer, mit ihm oder seiner Beziehung zu Emma mitzufiebern.

Am deutlichsten schwächelt Role Play beim Erzähltempo. Der erste Akt zieht sich, während Emmas geheimes Leben eingeführt wird; im zweiten hastet der Film durch die Folgen davon, dass Dave von ihrem Beruf erfährt. Eine angespannte Begegnung im Hotel mit Bill Nighys Bob, einem anderen Auftragskiller, gehört zu den wenigen Höhepunkten. Nighy verleiht der Rolle eine drahtige Intensität und holt das Beste aus seiner begrenzten Leinwandzeit heraus. Die Szene mit Cuoco knistert vor Spannung und lässt erahnen, was aus Role Play hätte werden können, wenn der Film sich konsequenter auf seine düsteren Seiten eingelassen hätte.

Die Actionszenen sind handwerklich solide gefilmt, aber wenig einfallsreich. Eine Verfolgungsjagd zu Fuß durch Berlin wirkt, als sei sie direkt einer Checkliste für B-Movies entnommen. Das Finale in einem Waldgelände ist unübersichtlich, weil zu viele Figuren in den Bildausschnitt gedrängt werden. Der Film findet tonal nie zu sich und schlägt wild zwischen Slapstick und düsteren Bedrohungen hin und her, ohne sich auf eines von beidem festzulegen. Dieser abrupte Tonwechsel zeigt sich etwa bei Daves Verhör durch die Polizei, das trotz des Ernstes der Lage auf Komik angelegt ist.

Die Nebendarsteller schneiden besser ab als die Hauptdarsteller. Connie Nielsen verleiht Gwen Carver, einer ITIC-Agentin, die Emma jagt, eine entschlossene Präsenz. Sie ist eine überzeugende Gegenspielerin, kommt jedoch nur selten zum Zug, sodass ihre Entwicklung unterbelichtet bleibt. Rudi Dharmalingam als Raj, Emmas Verbindungsmann, bekommt die beste Zeile des Films – „Du bist nicht nur eine Mutter, du bist eine Killerin“ –, doch sein Handlungsstrang endet abrupt. Damit bleibt keine Gelegenheit, die Beziehung der beiden eingehender auszuloten.

Die größte Schwäche des Films ist seine mangelnde Originalität. Er bedient sich reichlich bei Mr. & Mrs. Smith (2005) und Red Sparrow (2018), lässt aber den Witz und die Spannung vermissen, die diese Filme auszeichneten. Role Play findet keine eigene Identität und verlässt sich stattdessen auf vertraute Klischees und unausgereifte Figuren. Die Prämisse hat Potenzial – gerade dank Cuocos Starqualitäten –, doch die Umsetzung bleibt blass.

Inhaltlich streift Role Play den Konflikt zwischen persönlicher Erfüllung und gesellschaftlichen Erwartungen, insbesondere bei Frauen. Emmas geheimes Leben als Auftragskillerin steht sinnbildlich für den Druck, dem berufstätige Mütter ausgesetzt sind und der sie oft zwischen Karriere und familiären Pflichten hin- und hergerissen sein lässt. Der Film verfolgt dieses Thema jedoch nicht konsequent und nutzt es eher als Handlungsmittel denn als ernsthafte Auseinandersetzung mit Identität und Verzicht.

Auch visuell bleibt die Regie von Thomas Vincent wenig bemerkenswert. Die Kameraarbeit erfüllt ihren Zweck, entwickelt aber kaum einen eigenen Stil; statische Einstellungen bestimmen die Actionszenen. Ebenso wenig bleibt die Musik im Gedächtnis: Sie verstärkt weder die emotionalen Momente noch erhöht sie die Spannung. Selbst das Szenenbild wirkt einfallslos. Die austauschbaren Vorstadt- und Stadtkulissen tragen wenig zur Geschichte bei.

Wen Role Play ansprechen soll, ist unklar. Für Fans klassischer romantischer Komödien ist der Film zu düster, für Liebhaber von Actionthrillern zu leichtfüßig. Er versucht, mehrere Genres unter einen Hut zu bringen, kann am Ende aber keines davon wirklich bedienen. Die stilistische Unentschlossenheit zeigt sich etwa im Rollenspiel von Emma und Dave im Hotel: Was als humorvoller Versuch beginnt, ihre Leidenschaft neu zu entfachen, entwickelt sich rasch zu einem verworrenen Handlungselement.

Die Werbekampagne des Films setzte stark auf Cuocos Starqualitäten und versprach eine witzige, actiongeladene Unterhaltung. Doch Role Play liefert weder die angekündigten Lacher noch den versprochenen Nervenkitzel. Der Humor zündet mal, mal nicht, und die Actionszenen bleiben blass – zurück bleibt ein enttäuschendes Gefühl.

Unterm Strich ist Role Play ein solides, aber schnell vergessenes Werk. In Teilen ist der Film gut gespielt und visuell zweckmäßig umgesetzt, doch mangelnde Originalität und tonale Uneinheitlichkeit stehen einem größeren Erfolg im Weg.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

  • Lucia Aliu — Caroline Brackett

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