Kunst

Kitti Narod malt im Smartphone-Format — und füllt es mit einer geteilten Welt

Lisbeth Thalberg

Die durchdachteste Entscheidung in A Place We Share ist nicht, was Kitti Narod malt, sondern das Format, das er dafür gewählt hat. Die meisten neuen Leinwände nehmen das 9:16-Verhältnis eines Smartphone-Bildschirms an — den vertikalen Rahmen eines Reels, einer Story, eines Feeds. Im Galerieraum von River City Bangkok auf Augenhöhe installiert, erfordern sie denselben Leseakt, den wir ans Handy gewöhnt sind: Man tritt nah heran, das Bild füllt das Blickfeld, und man scrollt nicht weiter — man bleibt stehen.

Narod, der in Rom lebt und arbeitet, baut seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Praxis rund um Koexistenz auf — seine Figuren teilen Wasser, umarmen sich über Unterschiede hinweg, durchqueren Parks als Gleiche. Seine Palette ist warm, seine Malweise flach; Freude ist in seinen Händen keine naive Geste, sondern ein nachhaltiges Argument. A Place We Share ist seine erste Einzelausstellung in Bangkok seit Fragrant City im Jahr 2021, und das neue Werkkonvolut ist formal präziser und direkter mit dem verbunden, was sich verändert hat.

Kitti Narod painting of figures in striped clothing floating in blue water
Image: Tang Contemporary Art Bangkok / Kitti Narod

Room kartografiert sein eigenes Alltagsleben — ein Partner, Katzen, die Rhythmen einer geteilten Wohnung — auf einer großformatigen Leinwand, die das Banale mit der Aufmerksamkeit behandelt, die sonst der Geschichte vorbehalten ist. Embarrassed versammelt Figuren, die sich gemeinsam bedecken: Was als private Scham beginnt, wird im Aggregat zur kollektiven Antwort auf die Preisgabe des digitalen Lebens. In Bare in Water wird das wiederkehrende Motiv gestreifter Figuren — das einst Einschränkung evozierte — befreit: Die Streifen sind jetzt Kleidung, Mode, ein Zeichen der Identität, keine Fessel.

Ritual ist das historisch präziseste Werk der Schau: Es verzeichnet die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Thailand. Narod liest es nicht als Abschluss — das Bild erkennt den Schritt an, ohne den noch zurückzulegenden Weg aus den Augen zu verlieren. Prithvi Mata überarbeitet ein vertrautes religiöses Bild: Die thailändische Erdgöttin, üblicherweise dargestellt, wie sie Wasser aus ihrem Haar ringt, umarmt hier eine andere Figur, umgeben von Natur. Mythos ist keine eingefrorene Geschichte, sondern eine lebendige Bildquelle, die auf Fürsorge ausgerichtet werden kann.

Die 9:16-Gemälde entstammen, wie Narod angemerkt hat, dem Scrollen — dem Fragment, das im Vorbeigehen absorbiert wird, dem Bild, das kaum registriert wird, bevor das nächste kommt. Indem er diese Proportionen in Acryl und Öl gießt und in Galerieböhe aufhängt, erzeugt er eine Reibung: Das Format des Konsums wird zum Format der Aufmerksamkeit. A Place We Share eröffnet am 12. September mit einem Empfang in Tang Contemporary Art Bangkok, River City, und ist bis zum 18. Oktober zu sehen.

Der Scroll als Dauerhaftes. Das ist Narods eigentliches Thema hier — nicht die Utopie, die er malt, sondern der Akt, lang genug innezuhalten, um sie sich vorzustellen.

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