Musik

Carmie bringt die Bekenntnistradition des Country auf einen Balkon in Aarhus — ‘Side B Stories’

Alice Lange

Der Appetit des europäischen Indies auf Country-beeinflusste Musik wächst stetig, und skandinavische Künstlerinnen haben in Nashvilles Bekenntnistradition eine natürliche Ergänzung zu ihrem eigenen emotional direkten Umgang mit dem Song gefunden. Carmie, eine in Aarhus ansässige Singer-Songwriterin, die seit zwei Jahren eines der interessantesten Kataloge der dänischen Independentszene aufbaut — „Learn To Live“ 2025, danach eine Reihe von Singles — hat sich auf diesen Moment zubewegt: eine Platte, die ihre Country-Einflüsse offen benennt und ihnen vertraut, das Gewicht zu tragen.

Diese Platte ist „Side B Stories,“ und sie verdankt ihren Namen einem realen Ort: dem Balkon einer Freundin in Aarhus, wo Carmie und ihr Kreis zusammenkommen, um die Art von Geschichten auszutauschen, die im Pop selten unversehrt überleben — der Schwarm, der nirgendwohin führte, der Abend, der zu etwas wurde, die Menschen, die einen prägten, bevor die richtige Person schließlich kam. Dieses Ausgangsmaterial verleiht der EP eine ungewöhnliche Textur. Es sind soziale Songs, gebaut aus gemeinsamer Erfahrung statt aus rein persönlichem Geständnis, was zum Country-Idiom perfekt passt: Dolly Parton und Shania Twain wussten schon immer, dass die besten Geschichten allen gehören, die sich in ihnen wiedererkennen.

Carmie under red stage lighting, promotional photo
Photo: Carmie / Potato Head PR

Die genannten Songs decken die emotionale Bandbreite ab, ohne zu übertreiben. „Boy, I’m A Woman“ kommt mit genau der Shania-Twain-Energie, die die Pressemitteilungen versprechen — selbstsicher, ein wenig wissend, die Art von Track, der seinen eigenen Swagger kennt. „Reputation To Maintain“ bildet die Angst des Dating-App-Zeitalters auf eine Form ab, die der Country schon immer mit Präzision behandelt hat: die kontrollierte soziale Performance, die Angst, zu viel in der Öffentlichkeit zu wollen. „Stranger In The Park“ ist cinematischer, eine Teenager-Liebesgeschichte mit genug eingebautem Abstand, um sich sowohl nostalgisch als auch unmittelbar anzufühlen. Die Single „First Flight To France,“ im August erschienen und früh von britischen Medien aufgegriffen, fügt demselben Territorium eine Reise-Dimension hinzu — zwei Menschen, die sich irgendwo größer verbinden, als beide erwartet hatten.

Die Platte wurde mit Rasmus Vigant produziert, mitproduziert von Carmie selbst — eine Partnerschaft, die die Arrangements schlank genug hält, damit das Songwriting seine Arbeit tun kann. Der Einfluss von Lizzy McAlpine, den Carmie anführt, sitzt neben den strukturelleren Ambitionen des Parton-Songbooks, ohne dass eines von beiden in die falsche Richtung zieht. Der Country-Pop-Hybrid, den „Side B Stories“ baut, fühlt sich nicht wie ein Genreexperiment an. Er klingt wie der natürliche Ort, an dem diese Songs immer landen mussten.

„Side B Stories“ erscheint am 18. September und ist auf Spotify verfügbar. Für eine Singer-Songwriterin aus Aarhus, die seit „Learn To Live“ still ihr Publikum aufbaut, ist die Platte das bisher klarste Statement darüber, wo ihre Instinkte wirklich zuhause sind.

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