Musik

Madeline Juno setzt mit Anomalie Pt.2 auf 13 Songs ohne einfache Antworten

Alice Lange

Der Name kam vor der Musik. „Anomalie“ – deutsch für Anomalie – rahmt Madeline Junos Position als Songwriterin: jemand, der eine innere Welt in einer Pop-Landschaft baut, die wenig Geduld für diese Art von Arbeit hat. Ihr neues Album, Anomalie Pt.2, setzt exakt dort an, wo ihr Vorgänger aufhörte, und führt dieselbe Logik weiter in ein Terrain, das dunkler und weniger aufgelöst ist.

Ein Album in zwei Teilen ist eine strukturelle Verpflichtung: dass ein Hörer, der bereit ist, sich durch ein Album mit unaufgelöstem Material zu setzen, diese Bereitschaft in ein zweites überträgt. Juno hat ihr Publikum genau auf diesem Vertrag aufgebaut. Ihre Anhängerschaft ist relativ klein, aber ungewöhnlich engagiert – Hörer, für die ihre Musik weniger Unterhaltung als ein wiederkehrendes inneres Gespräch ist. Anomalie Pt.2 setzt voraus, dass diese Beziehung vom ersten Track an intakt ist.

Das Album ist ihr achtes Studioalbum und das kohärenteste Werk, das sie hervorgebracht hat. Was es über 13 Songs tut, ist konsolidieren, nicht expandieren. Es gibt keine offensichtlichen Singles, die darauf ausgelegt sind, Hörer von außerhalb von Junos etabliertem Orbit anzuziehen. Die Tracks wechseln zwischen deutschen Titeln – „Bei aller Liebe“, „Wärst du mir nie passiert“ – und englischen – „Suffering In Style“, „Homescreen“ – ohne sich auf eine dominante Sprache festzulegen, als wäre auch das eine weitere Variable, die sie sich weigerte aufzulösen.

Die emotionale Tonlage bleibt durchgehend nah am Boden. Junos Songwriting hat lange Zeit interne über externe Einsätze gestellt: das Gefühl, leicht aus dem Gleichgewicht mit dem zu sein, was die Welt erwartet, das Unbehagen dieser Kluft, die Weigerung, sie zu glätten. Anomalie Pt.2 kehrt zu diesen Koordinaten zurück, mit mehr Vertrauen in das Unbehagen. Nirgendwo im Album taucht eine Auflösung auf, und kein Versuch, eine zu finden.

Die Kohärenz ist auch das Risiko. Dreizehn Tracks bei derselben Temperatur – präzise, nach innen gerichtet, unglamourös – können als durchgehaltenes Argument oder als Ausdauertest gelesen werden, und was daraus wird, hängt fast vollständig davon ab, wie viel ein Hörer bereit ist zu investieren, bevor der zweite Track endet. Für ein Publikum außerhalb Deutschlands, das Juno zum ersten Mal begegnet, bietet Anomalie Pt.2 keinen Einstiegspunkt. Das ist eine kreative Entscheidung und kein Fehltritt, aber es bedeutet, dass das Album sein bestehendes Publikum bestätigen wird, statt ein neues aufzubauen.

Anomalie Pt.2 wurde am 31. Juli 2026 bei Embassy of Music veröffentlicht. Juno kündigte eine Anomalie Pt.2 Tour für Anfang 2027 an, die am 23. Februar in Hamburg startet und dann durch Dortmund, Köln, Frankfurt, Stuttgart, München, Leipzig und Berlin führt.

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