Musik

Die Rolling Stones veröffentlichen „Who You Callin‘ Crazy“ mit Courtney Pine am Saxofon

Alice Lange
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Die Rolling Stones haben ohne Vorankündigung „Who You Callin‘ Crazy“ veröffentlicht. In der neuen Single übernimmt Courtney Pine das Saxofonsolo – einer der bekanntesten Namen des britischen Jazz. Der Song ist der zweite Vorbote von „Foreign Tongues, Loose Lips“, der erweiterten Ausgabe des jüngsten Albums der Band, und der erste der zusätzlichen Titel, die Fans bislang noch nie gehört hatten. Premiere feierte er in Vernon Kays Sendung auf BBC Radio 2, begleitet von einer Sprachnachricht von Mick Jagger: „Das ist die neue Single der Rolling Stones – ich hoffe, sie gefällt euch.“

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Dass Bands mehr als sechs Jahrzehnte nach Karrierestart ein Album nach dessen Chartlauf weiter mit neuen Songs bestücken, kommt selten vor. Die Stones machen genau das Gegenteil. „Foreign Tongues“ war bereits ihre zweite Platte mit neuen Songs innerhalb von weniger als drei Jahren; die Deluxe-Ausgabe legt fünf weitere Aufnahmen aus denselben Sessions obendrauf. Ein Frontmann in seinen Achtzigern veröffentlicht nun überraschend neue Songs wie ein junger Act – und dieses Tempo ist mindestens ebenso sehr die Geschichte wie der Song selbst.

Musikalisch lockert der Titel die Stimmung eines Albums auf, auf dem mehrere Songs auf die Superreichen zielen. NME hörte darin einen mitreißenden Gute-Laune-Song, Clash sprach von einer lautstarken Rückkehr. Jagger beginnt als Mann unter Verdacht, nervös und „sich windend wie eine Ratte in der Falle“, ehe der Refrain den Vorwurf mit einer ganzen Wand aus Backgroundsängern hinter ihm an den Ankläger zurückgibt.

Die Überraschung in den Credits ist Pine. Seit vier Jahrzehnten gehört er fest zur Londoner Jazzszene und hatte die Session bereits angedeutet. „Vor ein paar Wochen habe ich mit ihm [Jagger] eine weitere Session für die Rolling Stones gemacht“, sagte er laut Far Out und fügte hinzu: „Mick ist ein unglaublicher Künstler. Diese ganze Popwelt ist völlig anders als alles, was ich kenne.“ Auf einer Bandplatte, die von Gitarren geprägt ist, verändert sein Blasinstrument den Klang entscheidend.

Um ihn herum ist die aktuelle Studiobesetzung der Band zu hören. Jagger und Keith Richards haben den Song geschrieben, Andrew Watt hat ihn produziert und spielt Bass, Richards und Ronnie Wood spielen Gitarre, Steve Jordan sitzt am Schlagzeug und Matt Clifford übernimmt Piano, Orgel und Rhodes. Die übrigen neuen Songs der Deluxe-Ausgabe heißen „Where There’s A Will“ mit Steve Winwood an der Orgel, „Human Tide“, „She Still Comes Around“ und „Bad Luck Hideaway“ – das Duett von Jagger und Richards mit Schlagzeug von Charlie Watts, der inzwischen verstorben ist.

Die Veröffentlichung bringt auch eine alte Kritik an Deluxe-Ausgaben wieder auf den Tisch. Songs, die es nicht auf das ursprüngliche Album mit 14 Titeln geschafft haben, dienen nun als Anlass, die Platte nur wenige Monate nach ihrem Erscheinen ein zweites Mal zu kaufen. Schon über „Foreign Tongues“ waren sich die Kritiker nicht einig: The Times vergab fünf Sterne und nannte das Album einen Karrierehöhepunkt, Paste bewertete es mit D+, NME gab dreieinhalb Sterne. Auch Fans, die hoffen, einen dieser Songs live zu hören, haben bislang keine Antwort – in keinem Markt. Laut NME kann sich Richards nicht auf eine große Tournee festlegen, und Wood brachte es unverblümt auf den Punkt: „Ich weiß, Mick brennt darauf, loszulegen, und Keith brennt nicht darauf, loszulegen.“

„Who You Callin‘ Crazy“ erschien am 20. Oktober 2026 bei Polydor und dauert etwas mehr als vier Minuten. „Foreign Tongues“, veröffentlicht am 10. Juli 2026, folgte auf das Grammy-prämierte „Hackney Diamonds“ und erreichte in 14 Ländern Platz eins der Charts.

„Foreign Tongues, Loose Lips“ erscheint am 27. November auf Vinyl, als 2CD und digital. Jagger sagte NME, er hoffe, 2027 wieder live spielen zu können; die Band hat bislang jedoch keinen einzigen Termin angekündigt.

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