Musik

Jan Kaatzes ‚Anouk‘-EP zeigt, was der Musikmarkt an Filmkomponisten übersieht

Alice Lange

Filmkomponisten stehen selten im Mittelpunkt. Sie liefern das emotionale Fundament eines Films, ohne dass ihr Name im Kinofoyer erscheint. Jan Kaatze hat für den Film Anouk die gesamte Musik komponiert und nun das Ungewöhnliche getan: Er veröffentlicht diese Arbeit als eigenständige EP auf Spotify, fünf Tracks, die das klangliche Rückgrat eines Spielfilms bilden.

Das ist selten. Soundtracks erscheinen meistens als Begleitprodukt zu einer Filmveröffentlichung, unter einem Plattenlabel, das die Vermarktungschancen kennt. Kaatze hat seinen Soundtrack außerhalb des Studiosystems entwickelt und direkt auf Streaming-Plattformen gebracht, archiviert im MusicBrainz-Archiv, ohne Presseapparat und ohne Label im Rücken.

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Der Markt für Filmmusik hat sich verändert. Streaming senkt die Zugangsschwelle: Wer einen digitalen Vertrieb findet, kann einen vollständigen Soundtrack publizieren, unabhängig davon, wie viele Kinos den zugehörigen Film zeigen. Das nutzen zunehmend unabhängige Komponisten. Die Frage, die Kaatze damit stellt, geht über Logistik hinaus: Verdient Filmmusik eine eigene Hörerfahrung, getrennt vom Film?

Der Schritt verdient Respekt, löst aber das grundlegende Problem nicht. Anouk (Original Motion Picture Soundtrack) startet ohne bestehendes Publikum, denn der Film ist nicht bekannt genug, um einen Hörerstrom mitzubringen, und die Streaming-Plattform allein schafft keine Sichtbarkeit aus dem Nichts. Kaatze hat die Barriere zur Veröffentlichung überwunden; die Barriere zur Entdeckung steht noch.

Die fünfteilige EP Anouk (Original Motion Picture Soundtrack) ist auf Spotify verfügbar; ob der Film selbst eine breitere Veröffentlichung erfährt, entscheidet über die Reichweite dieser Kompositionen.

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