Musik

Sabrina Carpenter wechselt mit ‘House Tour’ zum New Jack Swing

Alice Lange

31 Millionen YouTube-Aufrufe belegen, was der Sound bereits signalisiert hatte: Sabrina Carpenter hat sich weiterentwickelt. Das Single „House Tour“ verlässt den theatralischen Glanz ihres bisherigen Pop-Erfolgs und tritt in einen synthetisierten Groove ein, der dem New Jack Swing entstammt — einem präzise programmierten, rhythmisch dominierten Sound, der an eine Interpretin andere Anforderungen stellt als die Pop-Formel, mit der sie zuletzt erfolgreich war.

Diese Entscheidung wirkt bewusst getroffen. New Jack Swing sperrt seinen Groove mit Präzision ein, hält die Produktion trocken und lässt keinen Platz zum Verstecken im Arrangement. Carpenter hält den Titel mit kontrollierter Zurückhaltung, eine Qualität, die sie in dieser Direktheit bislang nicht unter Beweis stellen musste. Den Single in diesem Bereich zu verorten statt im Pop-Territorium, das sie zuletzt dominierte, ist die bemerkenswerteste Entscheidung der Veröffentlichung.

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Die Produktionsstempel von „House Tour“ reichen tief: Synth-Funk, New Jack Swing, Minneapolis Sound, Freestyle. Diese Einflüsse gehen auf das Precision-Funk-Erbe der späten 1980er-Jahre zurück, als Jimmy Jam, Terry Lewis und das Paisley-Park-Label von Prince neu definierten, wie ein Groove unausweichlich klingt. Hi-Hat-Position und kahler Bass sind Lektionen aus dieser Schule. Das ist keine Retro-Übung, sondern ein strukturelles Argument darüber, wohin Pop gehen kann.

Ob „House Tour“ eine anhaltende Richtungsänderung signalisiert oder ein einmaliger Singleausflug bleibt, ist offen. Carpenter hat eine Fanbasis aufgebaut, die ihr eine bestimmte Ästhetik zurückzusingen gewöhnt ist. New Jack Swing ist ein Modus, der Geduld über Sofortwirkung stellt. Last.fm-Daten zeigen über 112.000 individuelle Hörer in den ersten Wochen, was auf ein Publikum jenseits ihrer Kernfangemeinde hindeutet. Doch Hörerzahlen und loyale Fangemeinde sind verschiedene Dinge.

Für das internationale Publikum, das Carpenter über ihren jüngsten Pop-Lauf kennengelernt hat, ist dies das erste Single, das ihnen abverlangt, sie an einem anderen Ort zu treffen. Das Lied bietet nicht den Sofort-Hook, der in drei Sekunden durch einen Streaming-Algorithmus reist. Das ist entweder ein Zeichen von Selbstsicherheit oder ein Fehlkalkül, und die Aufrufzahl deutet bislang auf Ersteres hin.

Das Single erschien als Zwei-Track-Veröffentlichung ohne koordinierte Albumankündigung oder verknüpfte Tourdaten. Kein Zeitplan für neues Material wurde mitgeteilt. Das Single steht vorerst für sich allein — und ist damit eine interessantere Veröffentlichung als ein weiteres „Espresso“ gewesen wäre.

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