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Vom Großproduzenten zum Tascam-Folk: Wynd bringt sein Debüt-EP aus Dänemark

Alice Lange

Folk-Musik erlebt gerade einen unerwarteten kulturellen Aufschwung. Während die viral gehenden Clips des Genres auf ein Minimum setzen — eine akustische Gitarre, ein Raum mit gutem Licht, mehr braucht es nicht — stammen einige der bemerkenswertesten Arbeiten des Jahres aus einer überraschenden Richtung: aus dem Inneren der Musikindustrie selbst. Produzenten und Sessionmusiker, die jahrelang Alben für andere aufgenommen haben, verlassen die Konsole und machen ihre eigenen.

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Für Morten Larsen, den dänischen Musiker, der Musik als Wynd veröffentlicht, war der Schwenk bewusst und zutiefst persönlich. Nach sieben Jahren in London und Los Angeles — als Produzent für Künstler wie Skepta, Rema, Headie One und Libianca, Karrieren geprägt von Größe, Dichte und globaler Reichweite — kehrte Larsen nach Odsherred zurück, einer stillen Halbinsel im Nordwesten Seelands, und machte das Gegenteil. Auf einer Japanreise fand er einen Tascam 424-Kassettenrecorder, spürte sofort eine Anziehungskraft und begann, ein kleines Songkatalog in der Einsamkeit aufzubauen: akustische Gitarre, Mundharmonika, Geige, Mandoline und eine Gesangstechnik, die auf Zurückhaltung statt Demonstration setzt. Er nennt Bruce Springsteens Nebraska und Bon Ivers For Emma, Forever Ago als Referenzen — Alben, die gegen den Industriestrom entstanden und mit der Zeit großen Einfluss gewannen.

Still from Wynd Hopeful official music video
Image: Wynd

Das Projekt fand sein Publikum ohne Labelstrukturen. Kurze Clips auf Instagram — roh, ungehätzt, mit minimalem Aufwand gefilmt — sammelten Follower aus ganz Europa und darüber hinaus, viele angezogen von der charakteristischen staubigen Wärme der Kassettenaufnahmen. Jede der 2026 veröffentlichten Singles baute auf dieser organischen Basis auf: „Salma“, eine Studie über die Sehnsucht; „Go Back“, ein stilleres Abschiedsstück; und „The Shores“, der Titeltrack, inspiriert von einem Strand seiner Kindheit in der dänischen Provinz, bei dem das Ziehen der Gezeiten als Metapher für das Verblassen von Erinnerungen dient. Die neue Single „Hopeful“ — jetzt mit offiziellen Video verfügbar — bewegt sich leicht in Richtung Alt-Country, mit wärmeren Klangnuancen. Wynd stand im Programm des SPOT Festival 2026 und ist als Vorband von Axel Flóvent im Kopenhagener Spillestedet Stengade im November angekündigt.

Das Debüt-EP The Shores, vier Tracks auf dem Tascam 424 aufgenommen, erscheint am 24. September auf digitalen Plattformen. Es kommt zu einem Moment, in dem nordische Folkmusik ihr breitestes Publikum seit Jahren findet — teils algorithmisch, teils generationell, und teils vielleicht durch eine erneute Sehnsucht nach Musik, die klingt, als wäre sie irgendwo Echtem entstanden.

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