Fußball

Diego Maradona, der Fußballgott, der sich selbst beim Zerstören zuschaute

Penelope H. Fritz
Diego Maradona
Diego Maradona
Photo: Alexandr Mysyakin / soccer.ru (CC BY-SA 3.0)
Geboren30. Oktober 1960
Lanús
Gestorben25. November 2020 (60)
BerufFußballspieler, Fußballtrainer
AuszeichnungenWM-Goldener Ball u00b7 L’u00c9quipe Meister der Meister u00b7 FIFA-Spieler des Jahrhunderts

Das Viertelfinale gegen England im Sommer 1986 lieferte binnen vier Minuten das unehrlichste und das brillanteste Tor der WM-Geschichte. Maradona köpfte den Ball mit der linken Hand ins Netz, sagte dem Schiedsrichter, es sei die Hand Gottes gewesen, und blieb so überzeugend ruhig, dass das Tor zählte. Dann holte er den Ball in der eigenen Hälfte ab, umspielte fünf englische Verteidiger auf sechzig Metern und vollendete, was als das Tor des Jahrhunderts in die Geschichte eingehen sollte — ein Angriff so präzise und gnadenlos, dass das Stadion im Moment des Einschlags aufgehört hatte zu atmen. Kein Zuschauer verließ das Spiel an diesem Nachmittag bereit, über Moral zu diskutieren. Es war der Moment, in dem Maradona endgültig zum Mythos wurde. Der Rest seines Lebens war die Frage, was vom Mann darunter übrig blieb.

Er wurde 1960 in Villa Fiorito, einem Armenviertel am Südrand von Buenos Aires, als fünftes von acht Kindern in einer Familie aus der Provinz Corrientes geboren. Sein Vater arbeitete in einer Fabrik. Der Ball war früher da als das Fernsehgerät: mit drei Jahren beherrschte er ihn bereits, mit zehn war er das Maskottchen von Los Cebollitas, der Jugendmannschaft von Argentinos Juniors, die mit ihm als Stütze 136 Spiele lang ungeschlagen blieb. Diese Geschichte ist so oft erzählt worden, dass sie die Konturen einer Legende angenommen hat — doch sie begann als schlichtes, nachweisbares Faktum: Der Junge war einfach anders.

Er wurde mit fünfzehn Profi. Mit siebzehn war er in Argentinien so bekannt, dass seine Nicht-Nominierung für die WM 1978 der Nationalmannschaft eine öffentliche Erklärung abverlangte. Er wechselte 1982 vom Boca Juniors für damals Weltrekordablöse zum FC Barcelona, doch die katalanischen Jahre verliefen schwierig: Hepatitis, ein von Andoni Goikoetxea verursachter Knöchelbruch, und der Beginn seines Kokainkonsums — ein Umstand, der die folgenden drei Jahrzehnte seines Lebens ebenso prägen sollte wie jedes Tor.

Der Wechsel zu Napoli 1984 änderte alles. Er war teurer als jeder Spieler zuvor, und die Stadt empfing ihn nicht als Fußballer, sondern als Versprechen. Neapel war vom Norden Italiens historisch verachtet worden, und Maradonas Ankunft war nicht nur eine sportliche Investition, sondern beinahe ein politisches Ereignis. Er gewann mit Napoli die einzigen zwei Meistertitel der Vereinsgeschichte (1986/87 und 1989/90), den Coppa Italia 1987 und den UEFA-Pokal 1989. Das Stadio San Paolo trägt seit Dezember 2020 seinen Namen.

Diego Maradona mit dem WM-Pokal 1986
Maradona mit dem WM-Pokal 1986 — das Bild, das den argentinischen Fußball definiert

Die WM 1986 in Mexiko bleibt das deutlichste Beispiel in der Fußballgeschichte dafür, wie ein einziger Spieler ein Turnier allein entscheiden kann. Argentinien hatte keinen besonders starken Kader — es hatte Maradona, der in sechs Spielen Leistungen bot, die Debatten über Größe gegenstandslos machen. Das Tor des Jahrhunderts gegen England ist in mehreren Abstimmungen als das beste WM-Tor der Geschichte gewählt worden. Der Goldene Ball dieses Turniers ergänzt die Auszeichnung als FIFA-Spieler des 20. Jahrhunderts — gemeinsam mit Pelé vergeben, zur Unzufriedenheit beider Fanlager, aber mit der Genauigkeit einer zutreffenden Beschreibung.

Die Kokainsucht, in Neapel jahrelang ein offenes Geheimnis, wurde 1991 zur offiziellen Meldung, als Maradona positiv getestet wurde und eine fünfzehnmonatige Sperre erhielt, die seine Zeit bei Napoli beendete. Noch im selben Jahr wurde er in Buenos Aires wegen Besitzes und Handels verhaftet. Er spielte bei der WM 1994 in den USA, bis er nach dem zweiten Spiel wegen Ephedrin nach Hause geschickt wurde. Seine internationale Karriere endete ohne die Würde, die seine Leistungen verdient hätten.

Er trainierte die argentinische Nationalmannschaft von 2008 bis 2010, überstand eine katastrophale WM-Qualifikation dank eines 6:1 gegen Peru im letzten Spiel und erreichte bei der WM in Südafrika das Viertelfinale, bevor Argentinien gegen Deutschland klar unterlag.

Diego Maradona im Aztekenstadion, Mexiko 1986
Maradona im Aztekenstadion, Mexiko 1986 — das Turnier, das ihn unerreichbar machte

Er starb am 25. November 2020 an einem Herzstillstand in seinem Haus in Tigre, acht Tage nach der Entlassung aus einer Klinik, in der er wegen eines subduralen Hämatoms operiert worden war. Sieben Mitglieder seines Ärzteteams wurden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Das Verfahren begann im März 2025, wurde im Mai 2025 für nichtig erklärt, und ein neuer Prozess startete im April 2026. Argentinien rief drei Tage Staatstrauer aus. Neapel hielt inne. Die Iglesia Maradoniana zählt heute etwa 200.000 eingetragene Mitglieder in 130 Ländern. Die Familie hat vorgeschlagen, ein öffentliches Mausoleum zu errichten. Der Prozess läuft noch. Die Heiligsprechung ist seit Jahrzehnten vollzogen.

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