Fußball

Chelseas Titelkampf steht und fällt mit Cole Palmer — und Xabi Alonso hat das System dafür schon gebaut

Kenji Nakamura

Wenn Chelsea sich selbst in einen Titelkampf redet, führt die Diskussion immer wieder auf einen Mann zurück. Die bequeme Version der Geschichte lautet schlicht: Cole Palmer ist wieder in Bestform. Die aufschlussreichere Version ist: Chelsea hat aufgehört, darauf zu warten, dass er einen Moment kreiert, und begonnen, eine Mannschaft zu bauen, die darauf ausgelegt ist, ihn ein Muster produzieren zu lassen.

Das ist die wahre Veränderung unter Xabi Alonso, und es ist eine Veränderung der Architektur, nicht der Stimmung. Alonso hat sein Team in eine Formation gebracht, die Palmer das gibt, was sein Talent immer ersehnte: eine freie Rolle zwischen den Linien, befreit von jeder Seitenlinie, mit der Lizenz, in die Halbräume zu ziehen, wo er Teams wehtut. Es ist, mit Absicht, die Rolle, die Florian Wirtz zum Puls von Alonsos Leverkusen machte – ein schwebender Schöpfer, dem die gesamte Struktur dient.

Gegen Fulham kündigte sich die Idee an, bevor die Ränge gefüllt waren. Palmers erste bedeutsame Ballberührung war der Pass, der das Spiel öffnete, Joao Pedro stieß hindurch und traf nach einunddreißig Sekunden – das schnellste Tor an einem Premier-League-Eröffnungsspieltag in der Geschichte des Wettbewerbs. Es sah aus wie ein Blitz individueller Genialität. Tatsächlich arbeitete das System genau wie gezeichnet: Der Schöpfer lässt sich in den Raum fallen, der Neuner timt seinen Lauf von ihm weg, der Zug ist abgeschlossen, bevor Fulham Luft holen konnte.

Das ist wichtig wegen des Ortes, an dem Palmer zuvor war. Die letzte Saison wurde von Verletzungen zerfressen; England ließ ihn aus dem Kader für die Weltmeisterschaft, eine Brüskierung, die er klaglos trug, und nur anmerkte, dass er hungrig sei. Eine schlechtere Geschichte würde seine Reaktion als Ausbruch verletzten Genies darstellen. Was Alonso aus ihm herausgekitzelt hat, ist für den Rest der Liga gefährlicher: kein Funke, sondern eine Versorgungslinie. Wenn einem Spieler von Palmers Niveau eine Rolle gegeben wird, die ihm Woche für Woche den Ball in gefährlichen Zonen garantiert, hört Brillanz auf, Wetter zu sein, und wird zum Klima.

Deshalb liest sich das Ensemble um ihn herum eher wie Absicht denn wie Luxus. Morgan Rogers, ein britischer Rekordtransfer von 117 Millionen Pfund, markierte sein Debüt mit fünf Torchancen – die meisten eines Chelsea-Spielers im ersten Ligaeinsatz, seit solche Aufzeichnungen geführt werden –, weil die Formation ihm immer wieder dieselben Räume fütterte, die sie auch Palmer füttert. Nach dem ersten Eindruck eines Abends sah die vordere Dreierreihe so gut aus wie alles in der Liga. Das ist kein Zufall von Talent; es ist Talent, das in eine Richtung gelenkt wird.

Und doch legt dieselbe taktische Logik, die Palmer vorne befreit, Chelsea hinten leise offen. Eine Mannschaft, die so viele Spieler in den Angriff schickt, verlangt von ihrem Torhüter, die gefasste letzte Linie einer hoch aufgerückten, gestreckten Abwehr zu sein – zu retten, was durchkommt, und unter Druck das Spiel zu eröffnen. Robert Sanchez ist dieser Torhüter nicht. Gegen Fulham wurde er tief an seinem kurzen Pfosten von einem Schuss überwunden, den er halten sollte, dann ließ er einen Standardschuss in die Schussbahn eines Gegenspielers fallen. Dies ist die vierte Saison mit denselben Belegen, nicht das Unglück eines Abends. Jamie Carragher gab das unverblümte Urteil ab: Chelsea wird mit Sanchez im Tor keine Meisterschaft gewinnen.

Das ehrliche Titelurteil ist also weder das aufgeregte „Palmer ist zurück“ noch das abweisende „nicht mit dem Torwart“. Es ist seltsamer und präziser: Chelsea hat das schwierigere Problem gelöst und das einfachere offen gelassen. Ein sprunghaftes Talent in ein wiederholbares System zu verwandeln, ist der seltene, teure Trick – und Alonso scheint es in vierzehn Tagen geschafft zu haben. Einen Torhüter zu finden, der so spielen kann, wie das System es verlangt, ist im Vergleich dazu ein gelöstes Problem – überall außer an der Stamford Bridge.

Also hängt die Saison weniger davon ab, ob Palmer so gut bleibt – das Design legt nahe, dass er es wird –, sondern davon, ob Chelsea dem Transfermarkt vertraut, die eine Position zu reparieren, die der eigene Plan des Trainers am verletzlichsten macht. Klappt das, ist Palmers neue Rolle das Rückgrat eines Titelkampfs. Klappt es nicht, wird Chelsea zum sehenswertesten Zweitplatzierten Englands: eine wunderschön gezeichnete Offensive, die alle paar Wochen von der einen Linie auf dem Taktikbrett eingeholt wird, die Alonso nicht trainieren kann.

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