Cybersicherheit

LG Smart-TVs zeichnen Sprache im Standby auf und scannen alle Geräte im Heimnetzwerk

Susan Hill

Der Bildschirm ist dunkel. Die Fernbedienung liegt still. Das Mikrofon läuft trotzdem weiter. Forscher von Gamers Nexus haben gemeinsam mit Netzwerksicherheitsspezialisten von Level1Techs dokumentiert, dass LG-Smart-TVs mit webOS über ihre eingebauten Mikrofone klare Audioaufnahmen machen, während sich das Display im Standby-Modus befindet – einem Zustand, den die meisten Besitzer damit gleichsetzen, dass das Gerät faktisch ausgeschaltet ist. In Tests an handelsüblichen LG-OLED-Geräten, einschließlich des aktuellen Modells G5, arbeitete das Mikrofon unabhängig davon weiter, ob der Bildschirm aktiv war oder nicht.

Die Aufnahmen verschwinden nicht, wenn der Fernseher seine Internetverbindung verliert. Als das Forschungsteam ein Testgerät vom Ethernet-Kabel trennte und in der Nähe des Mikrofons Geräusche erzeugte, speicherte der Fernseher die Spracheingabe lokal. Sobald die Netzwerkverbindung wiederhergestellt war, übertrug er die gespeicherten Dateien an externe Server. Dieses Verhalten legt nahe, dass es sich bei der Datenerfassung nicht um einen Livestreaming-Prozess handelt, sondern um ein persistentes Protokollierungssystem, das darauf ausgelegt ist, Audio unabhängig von einer Netzwerkverbindung aufzuzeichnen.

Audio war nur eine Dimension der Untersuchungsergebnisse. Wireshark-Packet-Captures – eine gängige Netzwerkanalysetechnik, die den gesamten ein- und ausgehenden Datenverkehr eines Geräts protokolliert – zeigten, dass die Fernseher kontinuierlich das heimische Netzwerk scannen. Diese Scans sammelten interne IP-Adressen nahegelegener Telefone, Tablets und Smartwatches sowie die Namen und Signalstärken benachbarter WLAN-Netzwerke und die Standortdaten, die diese Signale implizieren. Die Überwachung erstreckt sich über den Fernseher hinaus auf jedes Gerät, das denselben Router nutzt.

Ein Teil der Netzwerkscan-Daten fließt in LG Ad Solutions, die Werbesparte des Unternehmens. LG Ad Solutions gibt an, Zugriff auf 363 Millionen „sekundäre adressierbare Geräte“ in den Vereinigten Staaten zu haben – Hardware, die nicht LG gehört, aber ein Netzwerk mit einem LG-Fernseher teilt. Diese Zahl verdeutlicht das Ausmaß der Operation: Der Fernseher fungiert nicht nur als Bildschirm, sondern als Gateway zur Erstellung von Werbeprofilen für den gesamten Haushalt.

LG hatte bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf die Ergebnisse der Untersuchung reagiert. Der Einrichtungsprozess von webOS verlangt vom Nutzer die Zustimmung zu einer Nutzungsbedingungsvereinbarung, die eine Klausel zur Datenweitergabe enthält, die als rechtliche Grundlage für die Datenerfassung angeführt werden könnte. Ob die Offline-Audiospeicherung und der Upload-Mechanismus im Rahmen der EU-Datenschutzgrundverordnung – die überall dort gilt, wo LG Fernseher in Europa verkauft – rechtmäßig ist, wurde für diese spezifische Konfiguration noch nicht gerichtlich geklärt. Die Forscher dokumentierten zudem Sicherheitslücken in webOS, die eine Remotecodeausführung ermöglichen und derzeit im Rahmen verantwortungsvoller Offenlegung (Responsible Disclosure) behandelt werden – was bedeutet, dass eine separate Angriffsfläche existiert, die von externen Akteuren potenziell ausgenutzt werden könnte.

LG ist nicht der erste Smart-TV-Hersteller, der unter die Lupe der Datenschutzbehörden gerät. Samsung, Vizio und Roku hatten es jeweils mit der US-amerikanischen Federal Trade Commission zu tun, wegen Automated Content Recognition – der Technologie, die Inhalte auf beliebigen HDMI-Eingängen mit Fingerabdrücken versieht, um das Sehverhalten zu protokollieren. Was die LG-Erkenntnisse auszeichnet, ist das Mikrofonverhalten im Standby und der aktive lokale Netzwerkscan, die über das Content-Fingerprinting hinausgehen und eine Umgebungsüberwachung des Wohnraums darstellen. Die Empfehlung des Gamers-Nexus-Teams an seine Zuschauer war direkt: Trennen Sie den Fernseher vom Internet und nutzen Sie stattdessen ein externes Streaming-Gerät.

Die während der Untersuchung identifizierten Sicherheitslücken in webOS befinden sich derzeit in der Phase der verantwortungsvollen Offenlegung (Responsible Disclosure), die in der Regel nach Vorbereitung eines Patches in einem koordinierten öffentlichen Offenlegungstermin mündet. Die webOS-Plattform von LG läuft auf mehr als 200 Millionen Fernsehgeräten weltweit. Es wurde kein Firmware-Update angekündigt, das das Verhalten der Audioerfassung adressiert, und LG Ad Solutions hat nicht bestätigt, ob es seine Praktiken im Umgang mit sekundären Gerätedaten nach der Veröffentlichung der Untersuchung ändern wird.

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