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H. P. Lovecraft: Abgelehnt, in Armut gestorben — und dennoch Schöpfer des modernen Horrors

Penelope H. Fritz

Die zentrale These der Werke Lovecrafts ist zugleich die unbequemste, die ein Schriftsteller vertreten kann: Menschen sind nicht die Protagonisten ihres eigenen Universums. Wir sind vor Kurzem angekommen, werden bald verschwinden, und dem Kosmos ist dies gleichgültig — er weiß es nicht einmal. Lovecraft nannte diese Weltanschauung Kosmizismus und formte sie über Jahrzehnte in Erzählungen, Novellen und einer geteilten Mythologie, die spätere Generationen von Autoren zu einem eigenen Genre erweitern sollten.

Die Prosa, in der er das tat, war eine andere Geschichte. Latinisierend, überladen, voller Adjektive, die die Verlage der damaligen Zeit mit einem Standardablehnungsschreiben zurückschickten. Weird Tales veröffentlichte ihn, als fast niemand sonst es wollte. Der Mainstream-Markt fand ihn zu fremd, seine Vision zu kalt, seine Monster zu unnennbar.

Howard Phillips Lovecraft wurde in Providence, Rhode Island, als Kind einer Familie geboren, deren Vermögen bereits still dahinschwand. Sein Vater wurde eingewiesen, als er drei Jahre alt war, und starb fünf Jahre später. Sein Großvater Whipple Van Buren Phillips — ein wohlhabender Geschäftsmann mit einer beachtlichen Bibliothek — wurde zur prägenden erwachsenen Bezugsperson seiner Kindheit: Er führte Lovecraft in die Gothik-Literatur ein und in jene einsame, obsessive Lesart, die einen Schriftsteller formen kann. Als Whipple 1904 starb, verschwand das Familienvermögen mit ihm. Lovecraft erholte sich nie von dem sozialen Abstieg, und seine Gesundheit — die nie robust gewesen war — wurde zunächst zum Vorwand und dann zur realen Begründung, sich von der Welt zurückzuziehen.

Er schloss die Schule nicht ab. Er bildete sich selbst — durch Korrespondenz, durch Amateur-Presseverbände und durch eine Bibliothek, die er wie ein Labor behandelte. Er schrieb nachts, schlief tagsüber und unterhielt per Brief eine der umfangreichsten Korrespondenzen in der amerikanischen Literaturgeschichte. Schätzungen zufolge verfasste er über hunderttausend Briefe im Laufe seines Lebens.

Die Jahre zwischen 1926 und 1935 brachten das Werk hervor, auf dem sein Ruf beruht. Der Ruf des Cthulhu (1928) legte den kosmologischen Rahmen fest, der sich zu einem gemeinsamen Mythos auswachsen sollte, dem sogenannten Cthulhu-Mythos: kosmische Wesen von unfassbarem Ausmaß, gleichgültig gegenüber dem menschlichen Leben, schlafend in den Tiefen des Ozeans oder zwischen den Sternen. Die Farbe aus dem All (1927) — von ihm selbst als seine beste Erzählung bezeichnet — erreicht dieselbe Wirkung mit kaum übernatürlichen Elementen. Das Grauen von Dunwich (1929), Die Berge des Wahnsinns (1936), Der Schatten über Innsmouth (1936): Das sind Romane in allem außer der Länge, jeder erweitert die Mythologie und dramatisiert zugleich den Moment, in dem ein menschlicher Verstand auf das trifft, was er nicht verarbeiten kann.

Seine einzige Ehe — mit Sonia Haft Greene, 1924 — brachte ihn kurzzeitig nach New York, eine Stadt, die ihn überwältigte und entfremdete. Er kehrte 1926 nach Providence zurück und verließ es kaum noch. Die New-Yorker Erfahrung vertiefte seine bereits tiefe Abgeschlossenheit und, wie Biografen festhalten, auch die rassistischen Ansichten, die er seit jungen Jahren gehegt hatte.

Lovecrafts Rassismus ist keine biografische Fußnote. Er durchzieht seine Briefe, Essays und Teile seiner Fiktion in Formulierungen, die explizit genug sind, um Wissenschaftler seit Jahrzehnten darüber diskutieren zu lassen, wie man Werk und Autor gleichzeitig festhalten kann. Der World Fantasy Award verwendete sein Konterfei dreißig Jahre lang als Trophäe. Nachdem Autorinnen wie Nnedi Ofofor — die den Preis gewonnen hatte — öffentlich Druck ausübten, wurde das Design 2015 geändert. Die Debatte, die diesen Wandel hervorbrachte und die danach weitergeht, gehört heute zu dem, was Lovecraft ist: eine kanonische Figur, deren Kanonisierung nie unangefochten war.

Lovecraft starb am 15. März 1937 in Providence an Darmkrebs, in erheblicher Armut. Fast niemand bemerkte es. Fast neunzig Jahre nach seinem Tod erzeugt das Werk weiterhin neue Formen. Jedes Jahr entstehen neue Comicadaptionen, Videospiele und Filmfestivals in seinem Namen. Die Frage, die sein Werk offenlässt, ist nicht, ob das Universum dem menschlichen Leben gegenüber gleichgültig ist — davon war er überzeugt. Die Frage ist, ob Kunst, die aus dieser Gewissheit entsteht, irgendeine Wärme haben kann, und für wen.

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