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Raymond Chandler: der Klassizist aus Dulwich, der Los Angeles seine Sprache gab

Penelope H. Fritz

Raymond Chandler kam spät zur Literatur, auf einem Umweg, den keiner vorhergesehen hatte. Er war Dulwich-College-Absolvent und Klassizist, hatte Latein und Griechisch gelernt, konnte Französisch und Deutsch, und verbrachte dann ein Jahrzehnt damit, Ölgesellschaften in Südkalifornien zu leiten. Die Weltwirtschaftskrise beendete das 1932. Er war vierundvierzig Jahre alt und schrieb erstmals für Geld.

Den Weg nach Kalifornien war er 1919 seiner Mutter gefolgt, nachdem er in London versucht hatte, als freier Journalist zu arbeiten, und kurz im Dienst der britischen Admiralität gestanden hatte. In Kalifornien fand er Arbeit im Ölgeschäft und baute sich eine respektable Karriere auf — die Art von bürgerlichem Leben, die seine englische Schulbildung nicht vorgesehen hatte und der er, wie man seinen späteren Büchern entnehmen kann, mit stiller Ironie begegnete. Als der Job wegfiel, griff er auf das einzige zurück, was er immer gehabt hatte: Sprache.

Die Pulp-Magazine Black Mask und Dime Detective waren nicht das, was Dulwich für ihn vorgesehen hatte. Aber Chandler erkannte etwas, das die anderen Autoren des Genres überlasen: Die amerikanische Kriminalgeschichte — roh, urban, ohne Illusionen — war nicht nur ein Format. Sie war das richtige Gefäß für das, was er über die Stadt sagen wollte, in der er gelandet war. Fünf Jahre schrieb er Kurzgeschichten, rund fünfundzwanzig Stück, und baute dabei einen Stil auf, der so scharf und so amerikanisch klang, dass niemand dahinter einen englischen Klassizisten vermutet hätte.

Der große Schlaf, erschienen 1939, stellte Philip Marlowe vor. Chandlers Privatdetektiv war das Gegenteil eines Genrehelden: gebildet, ironisch, moralisch präzise und vollkommen unfähig, Geld zu verdienen. Er durchstreifte ein Los Angeles, in dem alles einen Preis hatte — alles außer Marlowe selbst, und genau deshalb blieb er arm. Die Stadt, die Chandler in diesen Romanen beschrieb, ist so scharf beobachtet und so genau kartografiert, dass man leicht vergisst, wer sie geschrieben hat: ein Mann, der in Süd-London aufgewachsen war und Los Angeles nie mit anderen Augen sah als denen eines Fremden.

Die Widersprüchlichkeit seiner Karriere hat er nie vollständig aufgelöst. Hollywood fand ihn 1943, er verachtete die Industrie, und zusammen mit Billy Wilder schrieb er trotzdem eines der großen amerikanischen Drehbücher: Double Indemnity, nach dem Roman von James M. Cain. Wilder sagte später, die Dialoge stammten größtenteils von Chandler. Die Zusammenarbeit war fast unerträglich: Chandler fand Wilder unausstehlich, Wilder fand Chandler betrunken. Zwei Oscar-Nominierungen. Keine Auflösung.

Der lange Abschied, erschienen 1953, ist sein bester Roman — und sein unbehaglischster. Länger als die Vorgänger, melancholischer, weniger an der Auflösung des Falles interessiert als an dem, was mit einem Menschen geschieht, wenn er seinen einzigen Freund verliert. W. H. Auden bezeichnete das Lesen eines Chandler-Romans als echtes ästhetisches Erlebnis, von der Art, die der ernsthaften Literatur vorbehalten sei. Andere Kritiker waren weniger sicher. Das war das Problem, in dem Chandler bis zum Ende lebte: zu literarisch für den Genremarkt, zu popular für die Literaturkritik. Der lange Abschied gewann 1955 den Edgar Award. Es änderte nichts.

Er starb am 26. März 1959 in La Jolla, Kalifornien, wenige Monate nachdem er zum Präsidenten der Mystery Writers of America gewählt worden war. Fünf seiner sieben Marlowe-Romane wurden mindestens einmal verfilmt. Humphrey Bogart spielte Marlowe in der Verfilmung von Der große Schlaf 1946 — eine der meistreplizierten Figuren der gesamten Kriminalliteratur. Robert Altman machte 1973 mit Elliot Gould eine der eigenwilligsten Adaptionen: The Long Goodbye als Studie über einen Detektiv, der in das falsche Jahrzehnt geraten ist.

Das Los Angeles, das Chandler beschrieb, existiert nicht mehr. Die Stadt ist inzwischen mehrfach abgerissen und neu gebaut worden. Aber die moralische Logik, die er Marlowe mitgab — das Beharren darauf, dass es einen Unterschied gibt zwischen Korruption und Anstand, auch in einer Stadt, die genau diesen Unterschied auslöschen will — bleibt der Maßstab, an dem alle Kriminalromane seither gemessen werden.

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