Wirtschaft und Finanzen

Arizona State glaubt, eine Influencer-Karriere ist ein Hochschulstudium wert

Victor Maslow

Die Frage ist nicht, ob die Leute Influencer werden wollen. Mehr als die Hälfte der Gen Z Erwachsenen gibt an, dass sie es wollen – und setzt Content Creation vor Medizin, Finanzen und Jura als Karrierewunsch. Die Frage, auf die die Arizona State University jetzt Studiengebühren setzt, ist, ob ein Journalismusabschluss sie tatsächlich dorthin bringen kann.

ASUs Walter Cronkite School of Journalism startet einen Bachelor of Arts in Content Creation: vier Jahre, 120 Kreditstunden, und eine Abschlussarbeit, die von den Studierenden verlangt, vor dem Abschluss eine messbare Social-Media-Gefolgschaft aufzubauen. Der Lehrplan umfasst Publikumsanalyse, Personal Branding, Präsenz vor der Kamera, Stimmbildung, Podcastproduktion und einen Kurs mit dem Titel „How to Become an Influencer“ – alles untergebracht in einer Journalistenschule, deren Ruf auf der Ausbildung von Reportern für Nachrichtenagenturen beruht, nicht für TikTok.

Die Zahlen machen das Programm schwerer abzutun als sein Konzept. 57 Prozent der Gen Z Erwachsenen sagen, sie wollen Influencer werden. Die globale Creator Economy hat 250 Milliarden Dollar überschritten, wobei die Budgets für Influencer-Marketing im Jahresvergleich um 171 Prozent gestiegen sind, während Unternehmen ihre Ausgaben von Print- und Fernsehwerbung abziehen. Der durchschnittliche berufstätige Influencer verdient etwa 92.000 Dollar pro Jahr – nur wenige hundert Dollar unter dem Median-Gehalt einer examinierten Krankenschwester. Diese Zahl stellt die Aspiration in ein neues Licht: Content Creation ist kein Nebenjob mehr mit Lottogewinn-Potenzial. Für einen signifikanten Teil der Praktizierenden ist es ein Job.

Die skeptische Lesart ist komplizierter. Der Erfolg auf Plattformen wurde historisch von Viralität, Timing und algorithmischem Glück geprägt, nicht von Methodik. Ein TikTok-Empfehlungsalgorithmus liest keine Transkripte. Was ein Abschluss in Content Creation lehren kann – Analyse von Kennzahlen, Markenverhandlung, Produktionsplanung – sind Inputs in den Prozess, keine Garantien für den Output. ASU bietet ein Zertifikat für einen Beruf, dessen Torwächter Algorithmen sind, nicht Personalverantwortliche.

Es gibt eine verteidigungsfähigere Version der Wette, die im Lehrplan eingebettet ist. Das Programm bereitet die Absolventen auf Creator-Karrieren vor, aber der Lehrplan zielt gleichermaßen auf angrenzende Rollen ab: Content-Strategist, Social-Media-Manager, Brand Producer – wo ein strukturiertes Zertifikat konventionelles Gewicht hat. Für Studierende, die bis zum Abschluss eine echte Audience aufbauen, ist der Abschluss eine Bestätigung. Für diejenigen, die das nicht tun, könnte er dennoch ein Ticket in die institutionelle Seite der Creator Economy sein. Der erste Jahrgang beginnt diesen Herbst am Cronkite School’s Los Angeles Content Studio.

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