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Chaotische Chemie: Die bewegende, aber unausgewogene Romanze von A Perfect Story

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Die erste Szene von A Perfect Story hat es in sich: Margot, in einem atemberaubenden Brautkleid, sprintet barfuß durch den sonnendurchfluteten Flur einer griechischen Villa. Ihr Schleier flattert hinter ihr her wie ein Brautbanner. Ein visuell eindrucksvoller Moment, der Chaos und Charme verspricht – beides liefert Chloé Wallaces Netflix-Miniserie, allerdings in sehr ungleichen Dosen.

Die Serie basiert auf Elísabet Benavents Roman Un cuento perfecto aus dem Jahr 2020 und erzählt von Margarita „Margot“ Ortega Ortiz de Zárate (Anna Castillo), der Erbin eines Hotelimperiums. Sie flieht von ihrer eigenen Hochzeit und gerät in den Bann von David (Álvaro Mel), einem charmant chaotischen Allrounder. Was sich daraus entwickelt, ist weniger eine klassische romantische Komödie als eine weit ausschweifende Geschichte über Freundschaft, aus der Liebe wird – vor der malerischen Kulisse Griechenlands und Madrids. Die fünfteilige Miniserie wurde von Marina Pérez geschrieben, von Wallace inszeniert und von Plano a Plano für Netflix produziert.

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Die größte Stärke der Serie ist die Chemie zwischen Castillo und Mel. Gemeinsam begleiten sie Margot durch ihre existenzielle Krise – mit viel Witz und Wärme. Ihre Beziehung, gleichermaßen verspielt und zärtlich, trägt die Serie, besonders in den Szenen, in denen Davids ungeschliffener Charme auf Margots perfekt inszeniertes Chaos trifft. Auch die Nebenrollen sorgen für familiäre Spannungen und Humor: Ingrid García Jonsson spielt Margots Schwester Cande, Lourdes Hernández ihre Schwester Patri. Gelegentlich wirken ihre Figuren allerdings nicht ausreichend ausgearbeitet.

Wallace beweist bei der Inszenierung ein gutes Gespür für Bilder und nutzt die mediterranen Landschaften, um ein Gefühl von Eskapismus zu erzeugen. Auch das Erzähltempo kommt der Serie zugute: Mit 5 Episoden wirkt sie nicht so aufgebläht wie viele Netflix-Romanzen. Die Handlung gerät jedoch ins Stolpern, sobald sie zu viele Nebenstränge unter einen Hut bringen will. Margots Familiendrama und Davids berufliche Schwierigkeiten wirken oft eher angehängt als wirklich in die Geschichte eingebunden.

Der größte Fehlgriff ist der Ton der Serie. Joel Keller von Decider lobte die „leichte romantische Geschichte mit 2 charmanten Hauptfiguren“, während Pere Solà Gimferrer von La Vanguardia kritisierte, dass die Serie dem Genre der romantischen Komödie nicht gerecht werde. Dieser Widerspruch ist deutlich spürbar: A Perfect Story will zugleich eine einfühlsame Auseinandersetzung mit der Liebe und eine unbeschwerte Komödie sein, wirkt dabei aber oft zwischen den beiden Ansätzen gefangen. Der Humor zündet nicht durchgehend, und manche Scherze – etwa Davids völlig übertriebene Missgeschicke – sind eher peinlich als charmant.

Die schauspielerischen Leistungen sind insgesamt überzeugend, wobei Castillo besonders heraussticht, während Margots emotionale Entwicklung ihren Lauf nimmt. Mels Figur rutscht dagegen gelegentlich ins Klischee ab und verlässt sich zu sehr auf das Motiv des „liebenswerten Chaoten“. Die Nebenbesetzung ist zwar kompetent, wird aber von einem Drehbuch an den Rand gedrängt, das Margots und Davids Entwicklung höher gewichtet als ihre Beziehungen zu den anderen Figuren.

Inhaltlich streift A Perfect Story Themen wie Widerstandskraft, persönliche Entwicklung und die Komplexität moderner Beziehungen. Sie werden anhand von Margots Weg erzählt, auf dem sie sich in ihrer neu gewonnenen Freiheit zurechtfinden muss, sowie anhand von Davids Versuch, sein chaotisches Leben mit seinen wachsenden Gefühlen für Margot in Einklang zu bringen. Allerdings werden diese Themen oft von den tonal uneinheitlichen Momenten der Serie überschattet.

Im Vergleich zu anderen romantischen Komödien, denen die Verbindung von Humor und Gefühl überzeugender gelingt, schneidet A Perfect Story weniger gut ab. HBO Max’ Love Life (2020) etwa hält dank einer stärkeren erzählerischen Ausrichtung komische und dramatische Elemente besser in der Balance. Auch die Reihe The Kissing Booth (2018-2023) punktet mit nachvollziehbaren Figuren und einem beständigen Gleichgewicht im Ton.

Dennoch hat A Perfect Story ihre Glanzmomente. Besonders eindringlich ist die Szene, in der Margot und David auf einem Madrider Dach eine ruhige Minute miteinander verbringen und auf die Lichter der Stadt blicken. Selten gelingt es der Serie so gut, ihre romantische Seite zu zeigen, ohne dass sie aufgesetzt oder klischeehaft wirkt. Darüber hinaus verleiht die Auseinandersetzung mit familiären Beziehungen Margots Figur mehr Tiefe und macht aus ihr mehr als nur eine Braut auf der Flucht.

Auch ihr kulturelles Umfeld hebt die Miniserie hervor. Die Mischung aus spanischen und griechischen Schauplätzen verleiht der Geschichte eine eigene Note und schafft eine frische Kulisse für eine romantische Komödie. Die authentischen Darstellungen des Ensembles verstärken diesen kulturellen Reichtum zusätzlich und lassen die Figuren vertraut und nahbar wirken.

Im weiteren Verlauf treten die Probleme mit dem Erzähltempo jedoch immer deutlicher zutage. Die ersten 2 Episoden fesseln, doch in der Mitte fällt es der Serie schwer, den Schwung beizubehalten. Das Finale ist zwar zufriedenstellend, wirkt aber überhastet und lässt mehrere Handlungsstränge offen. Besonders deutlich wird das bei den Nebenhandlungen rund um Margots Familie und Davids Berufsleben: Sie werden eingeführt, aber nie wirklich zu Ende erzählt.

Was ihre Originalität angeht, beschreitet A Perfect Story kein Neuland. Die Serie folgt ausgetretenen Pfaden der romantischen Komödie – von der Braut, die vor der Hochzeit flieht, bis hin zum liebenswerten Chaos als Objekt der Begierde. Durch das kulturelle Umfeld und die Chemie zwischen den Hauptdarstellern gelingt ihr dennoch ein frischer Blick auf vertraute Motive.

Die Serie dürfte Fans unbeschwerter romantischer Komödien ansprechen, die gern Geschichten mit starken Figuren verfolgen. Wer eine traditionellere Romcom mit durchgehendem Humor und einem klaren Handlungsbogen sucht, könnte von A Perfect Story enttäuscht sein. Am besten schaut man die Serie nebenbei – ein Ereignis, das man auf keinen Fall verpassen darf, ist sie nicht.

Unterm Strich ist A Perfect Story eine angenehme Ablenkung, die sich in der überfüllten Landschaft romantischer Komödien jedoch kaum von der Masse abhebt. Die Serie hat durchaus charmante und warmherzige Momente, bleibt wegen ihres uneinheitlichen Tons und der Schwächen beim Erzähltempo letztlich aber hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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