Fernsehen

Reporting for Duty: Vielversprechende Besetzung, verschenkt durch unausgereifte Umsetzung

Alice Lange
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Schon die Eröffnungssequenz von Reporting for Duty gibt mit einer ebenso amüsanten wie bezeichnenden Bildmetapher den Ton vor: Leandro Hassum stolpert als Suzano, unser neuer Polizeichef, durch die Türen seiner Wache, als hätte er gerade erst begriffen, dass man ihm die Schlüssel zu einem Auto gegeben hat, das er gar nicht fahren kann. Die Kamera verweilt auf seinem panischen Blick, und für einen Moment sieht es so aus, als könnten wir etwas Besonderes erleben: eine pointierte, von den Figuren getragene Komödie mit unverkennbar brasilianischem Flair. Doch im weiteren Verlauf der Serie gerät dieses Versprechen unter dem Gewicht einer unausgereiften Umsetzung ins Wanken.

Reporting for Duty ist Netflix’ jüngster Ausflug ins Genre der Polizeikomödie, findet aber nur schwer eine eigene Identität. Die Ausgangslage ist schnell umrissen: Der schüchterne, unerfahrene Beamte Suzano wird zum Polizeichef einer neuen Wache gemacht. Seine furchtlose Truppe, angeführt von Luciana Paes als Mantovani und Jefferson Schroeder als Estevão, macht ihm die Arbeit nicht gerade leichter. Die Serie will Arbeitsplatzhumor mit den Absurditäten des Polizeialltags verbinden, wirkt dabei aber oft wie ein blasser Abklatsch ausgefeilterer Genrevertreter.

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Zu den größten Stärken der Serie zählt ihr Ensemble. Leandro Hassum liefert eine zugleich liebenswerte und frustrierend uneinheitliche Leistung ab. Seine körperliche Komik ist ein Höhepunkt, besonders in den Szenen, in denen Suzanos nervöse Energie auf das Chaos um ihn herum trifft. In einer Folge wird er durch eine Reihe von Missgeschicken versehentlich zum Helden des Tages. Das ist ein Höhepunkt der Serie und zeigt, wie Hassum Slapstick mit echtem Witz verbindet. Auch Luciana Paes sticht als Mantovani hervor und verleiht ihrer Rolle eine Mischung aus Härte und Verletzlichkeit. Ihre Beziehung zu Suzano ist eine der wenigen in der Serie, die wirklich ausgearbeitet wirkt.

Die Nebenfiguren kommen dagegen häufig zu kurz. Darsteller wie Taumaturgo Ferreira und Digão Ribeiro als Rabecão haben zwar starke Momente, werden über weite Strecken der Serie aber an den Rand gedrängt. Babu Carreira und Cauê Campos bringen Energie in ihre Rollen, doch ihren Figuren fehlt es über ihre komödiantische Funktion hinaus an Tiefe. Auch Josie Antellos Zuleide bleibt eindimensional und dient vor allem dazu, Informationen zu vermitteln, statt als voll ausgearbeitete Figur in Erscheinung zu treten.

Auch bei der Inszenierung kommt die Serie ins Stolpern. Der Umgang mit dem Stoff ist solide, aber wenig einfallsreich. Das Erzähltempo schwankt, und die ersten Folgen verlassen sich zu sehr auf den Aufbau der Handlung. Die Serie findet nur schwer ihren Rhythmus, während die Übergänge zwischen den Szenen oft abrupt wirken. Zudem fehlt es an einer stimmigen Gesamtgeschichte. Die einzelnen Folgen haben durchaus ihre Momente, doch der übergreifende Handlungsbogen wirkt zusammenhanglos und ziellos.

Inhaltlich greift Reporting for Duty vertraute Motive auf – unerfahrene Führungskräfte, Dynamiken am Arbeitsplatz und die Absurditäten der Bürokratie –, geht aber nur selten wirklich in die Tiefe. Die Serie hätte das Potenzial, die komplexe Kultur der brasilianischen Polizei zu erkunden, begnügt sich jedoch oft mit oberflächlichem Humor. Die wenigen Momente, in denen sie ernstere Themen wie den Druck der Führungsverantwortung oder die moralischen Grauzonen der Polizeiarbeit aufgreift, wirken überhastet und unausgereift.

Vergleiche mit anderen Serien des Genres liegen auf der Hand. Reporting for Duty weist Ähnlichkeiten mit US-Serien wie Brooklyn Nine-Nine auf, erreicht aber weder deren Konstanz noch deren Charme. Während Brooklyn Nine-Nine Humor und berührende Momente gekonnt in Einklang bringt, wirkt Reporting for Duty oft wie eine lose Aneinanderreihung einzelner Gags. Auch ihre komödiantische Stimme findet die Serie nicht: Sie wechselt zwischen Slapstick, Satire und Arbeitsplatzhumor, ohne sich wirklich auf einen dieser Stile festzulegen.

Die Serie dürfte vor allem Fans leichter Komödien ansprechen, die gern gelegentlich über unfähige Autoritäten lachen. Wer sich jedoch eine nuanciertere oder originellere Variante der Polizeikomödie erhofft, könnte von Reporting for Duty enttäuscht sein. Die Serie hat Momente mit echtem Witz und Charme, wird aber durch ihr ungleichmäßiges Erzähltempo, den fehlenden Zusammenhang der Handlung und die ungenutzten Möglichkeiten ihrer Besetzung ausgebremst.

Unterm Strich ist Reporting for Duty ein durchwachsenes Vergnügen. Das Potenzial ist da – in Leandro Hassums Leistung, der Dynamik zwischen Suzano und Mantovani und den gelegentlichen geistreichen Einfällen. Doch die uneinheitliche Umsetzung und die fehlende Tiefe stehen der Serie im Weg.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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