Fernsehen

Them: Covenant: Wie Horror den systemischen Rassismus zum Spiegel macht

Veronica Loop
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Schon die erste Einstellung von Them: Covenant ist ein Albtraum in Sepiatönen und Geräuschen: Lucky Emory, gespielt von Deborah Ayorinde mit stiller Intensität, wiegt mitten in der Nacht ihr Baby in den Armen; die Luft ist zum Zerreißen gespannt. Das ist nicht einfach nur eine Horrorserie, sondern eine verstörende Auseinandersetzung mit systemischem Terror. Die wahren Monster lauern nicht nur als übernatürliche Wesen in den Schatten, sondern stecken auch im heimtückischen Rassismus, der in jeden Backstein des neuen Hauses der Emorys eingeschrieben ist.

Die von Little Marvin entwickelte und von Lena Waithe als Executive Producerin verantwortete Anthologieserie Them wagt sich an die Schrecken heran, die es bedeutet, in den USA Schwarz zu sein. Die erste Staffel, Covenant, erzählt von der Familie Emory, die aus North Carolina in ein rein weißes Viertel im Osten von Compton zieht. Die Serie verwebt psychologischen Horror meisterhaft mit historischem Trauma und nutzt das Übernatürliche als Spiegel der sehr realen Schrecken des Rassismus.

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Die Serie überzeugt durch ihre kompromisslose Auseinandersetzung mit ihren Themen. Besonders die schauspielerischen Leistungen stechen hervor, allen voran die von Ayorinde und Ashley Thomas als Lucky und Henry Emory. Ihr Bild einer belagerten Familie wirkt unverstellt und unmittelbar und ist in einer Liebe verankert, die zugleich zärtlich und verzweifelt erscheint. Ayorindes Leistung ist besonders bemerkenswert: Mit stiller Stärke navigiert sie durch die doppelten Schrecken von Rassismus und Übernatürlichem, ohne je ins Klischee abzudriften. Auch Thomas überzeugt als Henry, dessen verzweifelter Wunsch, für seine Familie zu sorgen, greifbar wird.

Alison Pill ist als Betty Wendell eine unheimliche Gegenspielerin. Ihr Rassismus ist nicht bloß ein persönliches Versagen, sondern Ausdruck einer systemischen Kraft. Pill verleiht der Figur zusätzliche Komplexität und macht aus ihr mehr als eine eindimensionale Fanatikerin. Auch die Nebenbesetzung überzeugt: Shahadi Wright Joseph als Ruby Lee Emory und Melody Hurd als Gracie Emory bringen Tiefe und Nuancen in ihre Rollen.

Die Bilder sind eindrucksvoll; Kameramann Nathan M. Watson komponiert Einstellungen, die wie Gemälde wirken – schön und zugleich verstörend. Besonders wirkungsvoll setzt die Serie Licht und Bildkomposition ein und erzeugt so eine Unruhe, die jede Einstellung durchzieht. Auch das Sounddesign fällt auf: Stille und plötzliche Geräuschausbrüche treiben die Spannung in die Höhe.

Doch Them ist nicht frei von Schwächen. Der Umgang der Serie mit ihrem Stoff kann mitunter ausbeuterisch wirken; drastische Bilder drängen sich manchmal vor die nuancierte Erzählweise. Das Erzähltempo ist unausgewogen, und manche Folgen schleppen sich unter der Last ihres eigenen Anspruchs dahin. Die übernatürlichen Elemente funktionieren zwar, wirken aber gelegentlich eher wie eine Krücke als wie eine Ergänzung zu den dargestellten Schrecken der realen Welt.

Auch die Anthologiestruktur stellt die Serie vor Herausforderungen. Während die erste Staffel, Covenant, Rassismus und Horror überzeugend auslotet, findet die zweite Staffel, The Scare, nur schwer zu ihrem Rhythmus. Sie spielt 1991 und folgt der LAPD-Detective Dawn Reeve, die einen grausamen Mord untersucht. Der Wechsel von Schauplatz und Figuren wirkt abrupt, und die Themen der Serie erscheinen weniger klar konturiert.

Them fordert Aufmerksamkeit – auch dann, wenn die Serie ins Straucheln gerät. Ihre mutige, kompromisslose Auseinandersetzung mit dem Terror in den USA scheut nicht davor zurück, sich den dunkelsten Kapiteln der Geschichte zu stellen. Die Serie dürfte Fans psychologischer Horrorstoffe ansprechen und alle, die sich für die Überschneidungen von Rassismus und Trauma interessieren.

Die drastischen Inhalte und das unausgewogene Erzähltempo sind allerdings nicht jedermanns Sache. Them ist eine fordernde Serie, doch die Herausforderung lohnt sich. Die erste Staffel ist ein eindringliches Zeugnis der Schrecken des Rassismus; die zweite ist zwar weniger geschlossen, bietet aber dennoch Momente von eisiger Brillanz.

Vergleiche mit anderen Horror-Anthologien wie American Horror Story liegen nahe, doch Them findet mit ihrem kompromisslosen Fokus auf Rassismus und systemischen Terror eine eigene Nische. Während American Horror Story häufig auf Camp und Spektakel setzt, gründet Them auf einer schonungslosen Realitätstreue, die den Schrecken umso greifbarer macht.

Wer bereit ist, sich auf die düsteren Themen einzulassen, erlebt mit Them etwas Eigenständiges und Verstörendes. Die Serie wirkt noch lange nach dem Abspann nach und zwingt das Publikum, sich unbequemen Wahrheiten über Amerikas Vergangenheit und Gegenwart zu stellen.

Letztlich ist Them trotz ihrer Schwächen eine gelungene Serie. Ihre mutige Vision und die starken schauspielerischen Leistungen machen sie zu einem herausragenden Beitrag zum Horrorgenre, auch wenn die Umsetzung nicht immer makellos ist.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

  • Melody Hurd — Gracie Emory

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