Kino

Leslie Grossman: Von Mary Cherry zu Coco in American Horror Story: 13

Penelope H. Fritz
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Leslie Grossman
Leslie Grossman
Photo: Fabio Sousa / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Geboren25. Oktober 1971
Los Angeles, California, United States
BerufSchauspielerin
Bekannt fürMiss Undercover 2 – Fabelhaft und bewaffnet, Ich kann's kaum erwarten, Studio 666

Leslie Grossman ist die Schauspielerin, die Hollywood für die Frau besetzt, die niemand ernst nimmt – und Ryan Murphy ist der Produzent, der unter dieser Frau jedes Mal eine Falltür findet. Das beste Beispiel ist Coco St. Pierre Vanderbilt. In Apocalypse, der Weltuntergangsstaffel von American Horror Story, war sie zunächst eine oberflächliche Erbin aus Beverly Hills, die das Ende der Zivilisation in einem Atombunker aussaß; in der letzten Folge entpuppte sie sich als Hexe mit der Gabe der Weissagung und einem Zimmer in Miss Robichaux‘ Akademie. In diesem Herbst kehrt Coco zurück, in der Crossover-Staffel mit dem schlichten Titel 13.

Die Falltür gab es von Anfang an. Zu ihrem ersten großen Vorsprechen kam Grossman mit der Hoffnung auf eine Hauptrolle in Popular, Murphys erster Fernsehserie, und las für Sam McPherson und für Nicole Julian. Sie bekam keine der beiden Rollen. Murphy schrieb ihr stattdessen eine dritte: Mary Cherry, eine Cheerleaderin mit unbegrenzter Kreditkarte und ohne jede innere Bremse, gebaut aus dem, was Grossman im Castingraum gezeigt hatte. „Alles, was ich gemacht habe, das verspreche ich, war nur dazu da, Ryan zum Lachen zu bringen“, sagte sie später Entertainment Tonight. Die Serie hielt sich zwei Staffeln bei The WB, und nach ihren eigenen Worten „hat sie eigentlich niemand geschaut“. Mary Cherry hat sie trotzdem überlebt; Fremde sprechen Grossman bis heute darauf an.

Geboren wurde Grossman am 25. Oktober 1971 in Los Angeles, wo sie auch aufwuchs. Zur Schauspielerei kam sie über einen Umweg. An der Crossroads School for Arts & Sciences in Santa Monica führte sie Regie bei Theaterstücken, statt selbst auf der Bühne zu stehen, und erst im letzten Studienjahr am Sarah Lawrence College begann sie zu spielen. Eine kleine Rolle in Can’t Hardly Wait und eine Episode von Charmed gingen dem Vorsprechen voraus, das ihre Laufbahn bestimmte.

Nach dem Ende von Popular behielt The WB sie im Programm. In Hallo Holly spielte sie Lauren, Kollegin und beste Freundin von Jennie Garths Figur Val, in einer Sitcom rund um Amanda Bynes; zunächst wiederkehrend, gehörte sie ab der zweiten Staffel zur Hauptbesetzung. Das folgende Jahrzehnt war im wörtlichsten Sinn das einer arbeitenden Schauspielerin: eine Gastrolle in Nip/Tuck, ihrer zweiten Murphy-Serie, ein Part in Miss Undercover 2 – Fabelhaft und bewaffnet neben Sandra Bullock, danach eine lange Reihe einzelner Episoden im US-Network-Fernsehen. In The Good Place verkörperte sie Donna Shellstrop, die vernachlässigende Mutter, die vieles an Kristen Bells Figur Eleanor erklärt.

Dann schickte Murphy eine Textnachricht. „Ich will dich in der nächsten Staffel haben“, stand darin, und Grossman hat eingeräumt, dass sie mit „großen Zweifeln, ob ich gut genug bin“ zusagte. Die Staffel hieß Cult, das Jahr war 2017, und sie spielte Meadow Wilton, eine Nachbarin, die in Kai Andersons Sekte hineingezogen wird, dazu in einer Rückblende die Manson-Anhängerin Patricia Krenwinkel. Ein Jahr später gehörte sie zur Stammbesetzung. Seitdem setzt American Horror Story sie als Allzweckwaffe mit einer ganz bestimmten Begabung ein: Margaret Booth, die fromme Besitzerin von Camp Redwood in 1984, hinter deren Freundlichkeit eine Mörderin steckt; die rücksichtslose Literaturagentin Ursula in Double Feature; Barbara Read, Ehefrau eines Polizeiermittlers, der seine Homosexualität verbirgt, in NYC; die PR-Frau Ashleigh in Delicate.

Die naheliegende Lesart dieser Karriere ist Dankbarkeit, und Grossman liefert sie bereitwillig. Murphy sei „ein unglaubliches Geschenk für meine Karriere“ gewesen, sagte sie 2018 dem Magazin Nylon. Die weniger schmeichelhafte Lesart heißt Abhängigkeit. Popular, Nip/Tuck, The New Normal, American Horror Story und Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez kamen alle vom Schreibtisch desselben Produzenten, während der Rest der Branche sie meist für ein oder zwei Folgen buchte. Die ahnungslose Reiche spielt sie besser als fast jede Kollegin, doch der Korridor ist schmal. Die Rollen, die ausbrachen – Margaret Booths Frömmigkeit, die in Mord umschlägt, oder Barbara Reads Trauer –, schrieben Murphys Autorenteams für eine Schauspielerin, der sie bereits vertrauten. Ihre beste Arbeit hing davon ab, dass jemand anderes über die Pointe hinausschauen wollte.

Dieses Vertrauen führte sie 2024 ins True-Crime-Fach. In Monster: Die Geschichte von Lyle und Erik Menendez, der Netflix-Dramatisierung der Morde von Beverly Hills, spielte sie Judalon Smyth, die Geliebte des Therapeuten der Brüder, Jerome Oziel, deren Hinweise die Polizei auf die Aufzeichnungen seiner Sitzungen brachten. Im selben Herbst trat sie in einer Folge von Nobody Wants This als Rabbinerin Shira auf, ehemalige Ferienlagerbetreuerin und Mentorin von Adam Brodys Figur Noah – in einer Serie mit Kristen Bell in der Hauptrolle, deren Mutter sie einst gespielt hatte. Schon 2022 hatte sie sich als Barb Weems in Studio 666, dem Horrorspaß der Foo Fighters über eine verfluchte Aufnahmesession, an der Horrorkomödie versucht.

In diesem Jahr hat sich der Korridor in eine Richtung geöffnet, die niemand geplant hatte. Im Juni startete Starz die fünfte und letzte Staffel von Power Book III: Raising Kanan, mit Grossman als Florence „Flossie“ Siegel, der umtriebigsten Bordellbetreiberin Manhattans. Erfunden hat die Serie Sascha Penn, den Grossman im Juli 2025 auf Martha’s Vineyard heiratete; kennengelernt hatten sich die beiden über eine Dating-App. Penn betont, die Besetzung sei aus seinem Writers‘ Room gekommen: Flossie habe bereits auf dem Papier existiert, als ein Mitglied des Autorenteams seine Frau vorschlug. „Es war nicht einmal meine Idee“, sagte er People. Im August wurde bekannt, dass Grossman Flossie in Power: Origins mitnimmt, das Prequel, das Penn gemeinsam mit Courtney A. Kemp entwickelt hat.

Parallel startete American Horror Story: 13 am 24. September 2026 bei FX; in den USA läuft die Staffel auf Hulu, international auf Disney+. Angesiedelt in einem Manhattaner Wohnhaus namens Apollyon und als Crossover aller bisherigen Staffeln angelegt, bringt sie Coco wieder mit Sarah Paulson, Jessica Lange, Evan Peters und Angela Bassett zusammen. Grossman beschreibt die Serie als ein einziges Universum mit verschiedenen Zeitlinien, die sich „auf eine Weise kreuzen, die Sinn ergibt“.

Grossman, die jüdisch ist, hat eine Tochter, Goldie, aus ihrer früheren Ehe mit Jon Bronson. Als sie und Penn ihre Hochzeit mit einem Silvesterdinner im Chateau Marmont feierten, hatte Murphy den Abend organisiert.

Das Finale der dreizehnteiligen Staffel läuft am 29. Oktober. Danach ist Power: Origins die nächste bestätigte Station, ein Starttermin steht noch aus. Für eine Schauspielerin, deren erste große Rolle um sie herum erfunden wurde, ist Flossie eine Prüfung anderer Art: eine Figur, die existierte, bevor irgendjemand an Leslie Grossman dachte, und die sie nun in eine zweite Serie tragen muss.

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