Kino

‚Bunker‘ in Venedig: Florian Zeller macht die Angst der Superreichen zur Ehe-Parabel

Camille Lefèvre

Ein Bunker ist in diesem Film kein Actionschauplatz, sondern eine Diagnose. Bunker, uraufgeführt im Wettbewerb der 83. Filmfestspiele von Venedig, stammt vom französischen Dramatiker Florian Zeller und sperrt Javier Bardem und Penélope Cruz in eine Ehe ohne Ausweg. Bardem spielt Miguel, einen Londoner Architekten, dem ein Tech-Milliardär den Auftrag seines Lebens macht: den Bunker zu bauen, in dem dieser das Ende der Welt überstehen will. Cruz ist Sofia, seine Frau seit siebzehn Jahren — und der Auftrag wird zum langsamen Gift für ihre Beziehung.

Zeller interessiert weniger der Thriller-Mechanismus als die Zeitdiagnose. Der Film handelt von einer Elite, die aus der Angst vor dem Kollaps ein Geschäft gemacht hat — ökologische Bedrohung, die Furcht vor dem Zusammenbruch, der Reflex, sich einzumauern —, und er verhandelt sie im kleinsten denkbaren Rahmen: an einem Paar, das sich fremd geworden ist. Als Vorbild nennt Zeller Kubricks Eyes Wide Shut.

Es ist zugleich ein Einschnitt in Zellers Werk. Nach The Father, der Verfilmung seines eigenen Theaterstücks, die ihm den Drehbuch-Oscar und Anthony Hopkins den Darsteller-Oscar einbrachte, und The Son ist Bunker das erste Drehbuch, das er direkt fürs Kino schreibt — und bleibt doch ein Kammerspiel, nur unter die Erde verlegt. Um das Paar gruppiert er Paul Dano, Stephen Graham, Patrick Schwarzenegger, Mark Gatiss und Eileen Atkins.

Die eigentliche Wucht liegt in der Besetzung der Hauptrollen. Bardem und Cruz stehen seit Jamón, jamón (1992) gemeinsam vor der Kamera, sind privat ein Paar und zählen zu den meistgesehenen Gesichtern des spanischen Kinos; sie zwei Eheleute spielen zu lassen, deren Nähe kippt, ist eine Regieentscheidung für sich. Gedreht wurde überwiegend in Madrid, eine Woche in London.

Ob die schwere Metapher trägt, kann eine erste Vorführung nicht entscheiden — die Absicherung des Films sind die Gesichter seiner beiden Stars. Bunker konkurriert um den Goldenen Löwen, den die Jury unter Maggie Gyllenhaal am 12. September vergibt; danach bringt Sony Pictures Classics den Film in die nordamerikanischen Kinos.

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