Filmkritiken

Das Ding aus einer anderen Welt: Carpenters unvermindert beklemmender Angriff auf Vertrauen und Identität

John Carpenter, 1982. Zunächst verrissen, heute ein Meilenstein des Science-Fiction-Horrors.
Martha O'Hara
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Die erste Einstellung von Das Ding aus einer anderen Welt zeigt einen Hund im Schneesturm – ein scheinbar harmloses Bild, das sich binnen Sekunden in blanken Horror verwandelt. Der Hund wird gejagt, geschossen, und plötzlich ist klar: Hier gibt es keine Sicherheit, kein Vertrauen mehr. John Carpenter inszeniert diese Eröffnung mit brutaler Effizienz; die Kamera folgt dem Tier wie ein unsichtbarer Jäger, während der Schnee das Grauen nur verstärkt.

Was Das Ding ist? Ein Albtraum aus Paranoia und Körperhorror, der seine Wurzeln in der 1938er-Novelle Who Goes There? von John W. Campbell Jr. hat. Carpenter übernimmt die Grundidee eines extraterrestrischen Parasiten, der jede Form annehmen kann – und macht daraus einen Film, der bis heute unter die Haut geht. Die Geschichte spielt in einer abgelegenen Forschungsstation in der Antarktis, wo eine Gruppe Wissenschaftler und Arbeiter plötzlich realisiert, dass jeder von ihnen das Ding sein könnte. Kurt Russell gibt als R.J. MacReady den ruppigen Helikopterpiloten, dessen Pragmatismus im Laufe des Films zu verzweifelter Entschlossenheit wird. Wilford Brimley als Blair liefert eine der eindringlichsten Darstellungen: Sein Charakter rutscht von besonnener Wissenschaft in wahnsinnige Besessenheit.

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Carpenters Regie ist karg und effektiv. Er setzt auf lange, enge Einstellungen, die die Klaustrophobie der Isolation betonen. Die Kamera folgt den Charakteren durch schmale Gänge und dunkle Ecken der Station – ein visuelles Echo ihrer zerfallenden Psyche. Besonders eindrücklich sind die Szenen mit den Kreatureneffekten von Rob Bottin: Die Verwandlungen des Dings sind selbst nach modernen Maßstäben außergewöhnlich, eine Mischung aus Latex, Mechanik und purer Fantasie. Der Moment, in dem ein Charakter sich in einen wimmelnden Haufen von Tentakeln auflöst, bleibt im Gedächtnis – nicht wegen seiner Schönheit, sondern wegen der unheimlichen Präzision, mit der Carpenter den Körperhorror inszeniert.

Doch Das Ding hat Schwächen. Die Charaktere bleiben oft blass; ihre Dialoge sind funktional, aber selten tiefgründig. Roger Ebert kritisierte zu Recht die oberflächlichen Zeichnungen – hier gibt es keine komplexen Persönlichkeiten, nur Archetypen in Extremsituationen. Auch die politische Allegorie, die manche Kritiker herauslesen wollen (eine Gruppe, die sich gegenseitig misstraut, ein Spiegel der Kalten-Kriegs-Angst), wirkt manchmal aufgezwungen.

Trotzdem funktioniert Das Ding auf einer grundlegenden Ebene: als reiner Horrorfilm. Die Spannung baut sich langsam auf, jeder Blickwechsel könnte Verrat bedeuten, jede Handlung eine Falle sein. Carpenters Sounddesign verstärkt die Atmosphäre – das Heulen des Windes, das Knacken der Eiswände, das leise Zischen der Kreatur. Der Film lebt von seiner Atmosphäre, nicht von seinen Charakteren.

Die Produktion des Films war ein langwieriger Prozess, der bereits in den 1970er Jahren begann. Verschiedene Regisseure und Autoren hatten unterschiedliche Visionen für die Adaption der Novelle. Schließlich setzte sich John Carpenter durch, dessen Name bis heute eng mit dem Film verbunden ist. Die Dreharbeiten fanden unter extremen Bedingungen statt: Die Sets wurden gekühlt, um die antarktische Atmosphäre zu simulieren, und einige Szenen wurden sogar in Alaska gedreht. Rob Bottins Kreatureneffekte waren revolutionär für ihre Zeit und kosteten einen beträchtlichen Teil des Budgets – 1,5 Millionen Dollar von insgesamt 15 Millionen.

Bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1982 erhielt Das Ding gemischte Kritiken. Viele Lobeshymnen galten den visuellen Effekten, doch die Charakterisierung und der nihilistische Tonfall stießen auf Kritik. Der Film floppte an den Kinokassen, was nicht zuletzt an der Konkurrenz durch Filme wie E.T. the Extra-Terrestrial lag, der ein völlig anderes Bild von Außerirdischen zeichnete. Doch mit der Zeit entwickelte sich Das Ding zu einem Kultfilm, der Generationen von Filmemachern hörbar beeinflusst hat.

Was Das Ding von seinen Zeitgenossen abhebt, ist die konsequente Weigerung, zu trösten. Das Finale – MacReady und Childs (Keith David), zwei erschöpfte Männer im Dunkel, jeder unter Verdacht des anderen – hat keine Auflösung, keine Erlösung, keine Antwort. Wer von beiden ist das Ding? Die Frage bleibt eingefroren. Das ist eine ästhetische Entscheidung, die dem Film seinen bleiernen Nachgeschmack verleiht. Verglichen mit dem kindlichen Staunen, mit dem E.T. im selben Sommer außerirdische Besucher pries, wirkte Das Ding 1982 wie ein Fremdkörper – zu dunkel, zu hart, zu unversöhnlich für ein Massenpublikum mitten in der Rezession.

Im Gefüge von Carpenters Werk gehört Das Ding zu den radikalsten Momenten. Es ist kein Film, der die Zuschauer entlässt; er kauert in der Erinnerung und stellt dieselbe Frage immer wieder: Wem kann man noch trauen? Diese Frage war 1982 zu unbequem für breite Kinosäle. Heute klingt sie unabweisbar vertraut.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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