Kino

‚Ink‘: Danny Boyles Film über Murdoch und die Geburt der Boulevardpresse eröffnet Venedig

Martha Lucas

Der Eröffnungsfilm der Filmfestspiele von Venedig erzählt, wie eine der einflussreichsten Medienmächte der Welt entstand. Ink heißt er, Danny Boyle hat ihn inszeniert, und er rekonstruiert den Moment, in dem Rupert Murdoch — gespielt von Guy Pearce — eine angeschlagene britische Zeitung kaufte, um die Regeln der Presse neu zu schreiben. Der Film, adaptiert nach dem Theaterstück von James Graham, eröffnet die 83. Mostra und läuft im Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Für Boyle ist es die erste Teilnahme am Lido überhaupt.

Erzählt wird die Geburt des modernen Sun. Großbritannien, 1969: eine kriselnde Zeitung, ein junger australischer Verleger, der den mächtigen Daily Mirror binnen eines Jahres überholen will, und der Chefredakteur aus einfachen Verhältnissen, den er dafür engagiert — Larry Lamb, verkörpert von Jack O’Connell. Was hier beginnt, ist mehr als eine Firmengeschichte: Es ist der Augenblick, in dem eine Redaktion beschließt, dass die Auflage das einzige Argument ist, das zählt. Fast alles, was die britische Boulevardpresse danach wurde, steckt bereits in diesem ersten Jahr.

Claire Foy spielt Jules Davies, eine Figur, die Graham als Verdichtung der Frauen dieser Redaktion angelegt hat — ein Gegengewicht, das verhindert, dass der Film den Coup bloß bewundert. Gerade als institutionelle Erzählung ist Ink von Interesse: Er verhandelt, wie Eigentum, Macht und Information zusammenhängen, und tut das nicht als Anklage, sondern als Gründungsgeschichte eines Modells, das später global wurde. Dass Graham den Stoff zuerst 2017 für die Bühne schrieb, prägt den Film — es ist ein Werk der Rede, der Argumente, des direkten Ansprechens.

Boyle, sonst ein Regisseur der Geschwindigkeit und der Bilder, übernimmt damit einen Text, der vom Sprechen lebt — die Spannung zwischen beiden ist die eigentliche Frage des Abends. Er eröffnet einen Wettbewerb aus einundzwanzig Filmen unter der Jurypräsidentin Maggie Gyllenhaal, in einer Ausgabe, die George Clooney und Ellen Burstyn mit Ehren-Löwen auszeichnet.

Ink wird am Eröffnungsabend, dem 2. September, gezeigt und konkurriert um den Goldenen Löwen, der am 12. September vergeben wird. Danach folgt der heutige Weg: Kinostart in den USA am 11. Dezember, dann ab dem 8. Januar bei Netflix in den USA und Lateinamerika — am selben Tag läuft der Film in den britischen Kinos an. Venedig aber sieht ihn zuerst.

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