Filmkritiken

Kate, der Netflix-Thriller, in dem Mary Elizabeth Winstead ihren eigenen Film überragt

Cedric Nicolas-Troyan inszeniert ein makelloses Best-of aus John Wick, Crank und Kill Bill — und seine Hauptdarstellerin hätte einen Film mit eigener Stimme verdient.
Camille Lefèvre

Kate ist ein Netflix-Actionthriller von Cedric Nicolas-Troyan, mit Mary Elizabeth Winstead als Auftragskillerin, die zu Beginn ihres letzten Tages vergiftet wird, und Woody Harrelson als dem Mann, der sie ausgebildet hat.

Nicolas-Troyan kommt aus den visuellen Effekten, und die Naht ist sichtbar: Jede Einstellung ist mit echter Souveränität komponiert, ausgeleuchtet und geschnitten, und fast nichts an dieser Souveränität ist seine eigene. Der Film läuft wie ein Best-of des modernen Rachekinos, und das — mehr als die Leichenzahl — ist das, worüber zu reden sich lohnt.

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Die Handlung

Die Prämisse ist eine Uhr. Kate, die disziplinierteste Killerin ihrer Organisation, bekommt bei einem missglückten Auftrag eine Dosis Polonium-204 verabreicht und hat weniger als einen Tag, bevor ihr Körper versagt. Diese Stunden kämpft sie sich durch die Unterwelt Tokios zu dem Mann, der sie vergiftet hat, und schleppt dabei Ani (Miku Martineau) mit sich, die halbwüchsige Tochter eines ihrer Opfer. Der Countdown ist die ganze Architektur: unumkehrbar, von außen auferlegt, gnädig einfach.

Der Film

Sieht man Kate als Kino im Gespräch mit anderem Kino, stapeln sich die Referenzen schneller als die Leichen. Die neonnasse Stadt und der Motor des sterbenden Helden sind Crank; die Gun-Fu-Choreografie ist John Wick; das Paar aus Frau und Mädchen gegen eine männliche Verbrecherwelt ist Gunpowder Milkshake über den Umweg Léon; der Yakuza-Racherahmen und die satte Farbpalette reichen zurück zu Kill Bill. Nicolas-Troyan stellt das alles mit echter Geläufigkeit hin — eine Wohnungsschlägerei in einer Einstellung, eine Verfolgungsjagd wie eine Spielhalle ausgeleuchtet, MIYAVIs Neon-Gitarren-Bedrohung —, aber Geläufigkeit ist keine Handschrift. Keine Einstellung vertritt hier einen Standpunkt, den das Genre nicht längst formuliert hat.

Sein Effekte-Hintergrund zeigt sich im Besten wie im Schlechtesten. Die Action hat Gewicht und Lesbarkeit — man weiß stets, wo die Körper im Raum sind, seltener als es sein sollte —, doch das Tokio um sie herum ist eine hinterleuchtete Postkarte, die Stadt, wie Hollywood sie filmt, lauter Leuchtschrift und keine Straße. Der Film bewundert die japanische Ikonografie, ohne je neugierig auf sie zu werden, und diese Neugierlosigkeit trennt am Ende den Handwerker vom Autor.

Die Darsteller

Mary Elizabeth Winstead ist der Grund zu bleiben. Sie spielt Kate mit einer ausgelaugten Körperlichkeit — zerschlagen, übel, auf geliehene Zeit —, die der Choreografie gibt, was das Drehbuch vorenthält: einen Einsatz, den man körperlich spürt. Miku Martineaus Ani liefert die einzige echte Wärme, und die spröde, widerwillige Bindung zwischen den beiden ist die einzige Note des Films, die nicht anderswo zitiert ist. Woody Harrelson spielt seine joviale Bedrohung im Schlaf; Tadanobu Asano und Jun Kunimura geben der Unterwelt eine Schwere, die das Drehbuch sich nicht verdient.

Mary Elizabeth Winstead in Kate (2021), dem Netflix-Actionthriller
Mary Elizabeth Winstead in Kate (2021). Netflix.

Unser Urteil

Kate ist eine wunderschön gebaute Maschine, die mit fremdem Treibstoff läuft. Der Film liefert genau das, was ein Actionthriller verspricht — saubere, brutale, vorwärtstreibende Set Pieces und eine Hauptdarstellerin, die sich verausgabt — und fast nichts, das er nicht im Ganzen geliehen hätte. Als Handwerk grenzt er an Exzellenz; als Kino, gemessen an dem, was er hinzufügt statt kopiert, liegt er tiefer. Gut für einen Freitagabend, vergessen bis Samstag.

Besetzung & Stab

Regie: Cedric Nicolas-Troyan. Besetzung: Mary Elizabeth Winstead, Miku Martineau, Woody Harrelson, Tadanobu Asano, Jun Kunimura, MIYAVI, Michiel Huisman, Mari Yamamoto. Genre: Actionthriller. Laufzeit: 106 Minuten.

Start und Wo zu sehen

Kate erschien am 10. September 2021 und ist weltweit auf Netflix verfügbar.

Regie

Cedric Nicolas-Troyan

Cedric Nicolas-Troyan

Besetzung

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