Kino

Autorin Lauren Yee macht in ‘Mother Russia’ aus einer Abhöraktion eine Liebesgeschichte

Oscar Toeman inszeniert Samuel Creasey, Lucy McCormick, Kirsty Rider und Matthew Tennyson in der postsowjetischen Komödie am Hampstead Theatre
Martha Lucas
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Seit einem Jahrzehnt arbeitet die amerikanische Autorin Lauren Yee an einem Stückezyklus über eine einzige Kollision: den Kommunismus in Asien und den Lärm der westlichen Popkultur. Cambodian Rock Band und The Great Leap haben sie entlang dieser Bruchlinie bekannt gemacht. Mother Russia verlegt das Experiment nach Westen, in eine Stadt, die gerade das Einkaufen lernt, und das Hampstead Theatre hat nun die vier Darsteller benannt, die das Stück in seine britische Erstaufführung tragen.

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Matthew Tennyson, zuletzt in Hampstead in The Invention of Love zu sehen, spielt Evgeny. Samuel Creasey, bei den Critics’ Circle Theatre Awards als vielversprechendster Nachwuchs ausgezeichnet und unter anderem in The Merry Wives of Windsor am Globe aufgetreten, ist sein Freund Dmitri. Kirsty Rider (Further Than the Furthest Thing, Young Vic) spielt Katya, und Lucy McCormick (Are You Watching, Royal Court) übernimmt die Titelrolle. Regie führt Oscar Toeman, der nach Double Indemnity auf UK-Tournee, Hundred Feet Tall für das Old Vic und Farewell, Mr Haffmann am Park Theatre sein Debüt in Hampstead gibt.

Mother Russia artwork with headshots of Samuel Creasey, Lucy McCormick, Kirsty Rider and Matthew Tennyson
Image: Hampstead Theatre

Das Stück beginnt 1992 in Sankt Petersburg. Der Kapitalismus kommt mit Filet-o-Fish, lettischen Kondomen und einer verwirrenden Auswahl an Zahnpasta, und zwei junge Männer beschließen, dass das schnelle Geld in Spionage und Schutzgelderpressung liegt. Ihr erstes Überwachungsziel ist Katya, die im Westen gelebt hat und ihre eigene Vorgeschichte mitbringt. Evgeny verliebt sich sofort in sie und steht damit vor einem Problem, das kein Ratgeber löst: Wie gesteht man jemandem seine Gefühle, der nicht weiß, dass man jedes seiner Worte mithört?

Diese Frage ist der Motor der Komödie, und sie ist eine Dramatikerfrage. Das Publikum weiß, was Katya nicht weiß, also lebt jede Szene zwischen den beiden von dramatischer Ironie, und die Romanze muss dieselbe Informationsasymmetrie überstehen, die auch den neuen Markt um sie herum bestimmt. In der Ankündigung nennt Yee das Stück „einen wilden Ritt durch das Russland der frühen 90er, der ein Spiegel der verkehrten Welt ist, in der wir heute leben“.

Die Londoner Inszenierung folgt auf die Off-Broadway-Produktion des Signature Theatre aus diesem Jahr unter der Regie von Teddy Bergman, in der David Turner Mother Russia an der Seite von Steven Boyer, Adam Chanler-Berat und Rebecca Naomi Jones spielte. In London geht die Titelrolle an eine Frau, wodurch das Mutterland des Titels einen anderen Körper bekommt. Greg Ripley-Duggan, Produzent und Geschäftsführer in Hampstead, erzählt, er habe beim ersten Lesen gedacht, dass es perfekt neben Tom Stoppards Jumpers auf der Hauptbühne passen würde, und nennt es „elegant gebaut, hochintelligent, aktuell und sehr, sehr komisch“.

Hampstead Theatre building seen across the Swiss Cottage open space and fountain pool
Photo: Jim Osley via Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Mother Russia läuft vom 11. Dezember 2026 bis 30. Januar 2027 im Hampstead Downstairs, die Pressepremiere ist am Donnerstag, 17. Dezember. Das Bühnenbild stammt von Alys Whitehead, das Licht von Jamie Platt und der Sound von Max Pappenheim. Voraufführungen kosten 10 Pfund, reguläre Karten 28 oder 35 Pfund, für unter 30-Jährige und Studierende gibt es Tickets für 10 Pfund.

Zwei kluge Komödien unter einem Dach in diesem Winter: Stoppards Moralphilosophen auf der Hauptbühne und unten ein junger Spion, der entdeckt, dass das einzig Ehrliche, was er der Frau sagen kann, die er liebt, genau das ist, was er nicht zugeben darf.

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