Filmkritiken

The Fatal Raid: Jade Leung Tsangs Rückkehr ins Hongkonger Actionkino nach dreißig Jahren

Camille Lefèvre

The Fatal Raid beginnt mit einem Blutbad und räumt es nicht auf. Das Eröffnungskommando — eine Polizeiaktion, die katastrophal scheitert — wird von Jacky Lee mit der direkten Effizienz des Hongkonger Actionkinos inszeniert: fallende Körper, ein Sounddesign, das schneller schneidet als das Bild, eine Kamera, die nah genug ist, um die Verluste zu zählen. Die Sequenz stellt vor allem anderen fest, dass Madam Fong dieses Gewicht tragen wird. Der Film auch.

Jade Leung Tsang war die Black Cat — nicht nur die Figur aus Clarence Foks Film von 1991, sondern die Verkörperung eines Arguments, das das Hongkonger Genrekino in jenem Jahrzehnt entwickelte: dass der weibliche Körper im Actionfilm etwas anderes sein konnte als das Objekt des Thrillerblicks. Sie rannte über Dächer, kassierte und verteilte Schläge mit gleicher Präzision, und die Filme bauten ihre kinetische Logik um sie auf. The Fatal Raid holt sie dreißig Jahre später zurück und fragt, ohne die Frage ganz auszusprechen, ob die Grammatik, die sie mitbegründet hat, überlebt hat.

Jacky Lee strukturiert den Film über zwei Zeitebenen — den ursprünglichen Einsatz und seine Folgen, dann das Kommando, das Fong zwei Jahrzehnte später in Macao anführt. Lee nutzt es weniger für Spannung als für Akkumulation: Wir verstehen das Gewicht der Vergangenheit nicht, weil sie dramatisch enthüllt wird, sondern weil wir sehen, wie sie von der Überlebenden in Haltung und Stille getragen wird. Leung spielt Fongs Autorität als verdient, nicht verliehen — genau das Register, das der Film braucht.

Macao ist ein ungewöhnlicher Schauplatz für das Genre. Das Ensemble um Leung ist kompetent: Jeana Ho Pui-Yu und Lin Min-Chen halten ihre Rollen mit der erforderlichen Überzeugungskraft; Patrick Tam bringt seine charakteristische Spannung in die Antagonistenfunktion. Die Actionchoreografie — Schießereien statt Kampfkünste — ist funktional und gelegentlich beeindruckend. Der offene Raum Macaos gibt den Sequenzen einen anderen visuellen Rhythmus als das verdichtete Hongkonger Stadtbild.

Was The Fatal Raid vor dem rein Funktionalen bewahrt, ist die Abstammungsfrage, die er nicht umhin kann zu stellen. Jedes Mal, wenn Jade Leung Tsang den Bildrahmen einnimmt, steht der Film in stillem Dialog mit dreißig Jahren Hongkonger Kino. Die Girls-with-Guns-Tradition, die sie mitprägte, war historisch nicht unbedeutend. Leungs Präsenz hier ist weniger ein nostalgischer Rückruf als ein Kontinuitätsmarker. The Fatal Raid bildet nichts nach. Es erkennt die Schuld an, lebt vom Kredit und bewegt sich durch Macao mit dem Wissen, dass manche Dinge, einmal etabliert, denjenigen zugänglich bleiben, die wissen, wie man sie nutzt.

Regie

Jacky Lee
Photo via The Movie Database (TMDB)

Jacky Lee

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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