Filmkritiken

Lolo and the Kid: Philippinisches Netflix-Drama – ein Gauner schleust sein Kind bei Reichen ein

Eine ergreifende, fesselnde und zärtliche Erzählung feiert heute auf Netflix Premiere.
Anna Green
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Benedict Miques Lolo and the Kid baut seine Familiengeschichte auf einem Straßenbetrug auf: Ein alter Gauner bietet seinen Jungen wohlhabenden Haushalten an und hilft ihm anschließend, sie auszurauben. Der philippinische Film von 2024 bringt den Veteranen Joel Torre mit Euwenn Mikaell zusammen, dem Kinderhauptdarsteller von Firefly.

Lolo and the Kid ist ein philippinisches Drama aus dem Jahr 2024, das im August desselben Jahres auf Netflix Premiere feierte; Drehbuch, Produktion und Regie stammen von Benedict Mique. Seine beiden Hauptdarsteller stehen an entgegengesetzten Enden einer Laufbahn: Joel Torre, der seit Ende der 1970er-Jahre vor der Kamera steht, spielt den Großvater aus dem Titel, und der 2013 geborene Euwenn Mikaell spielt den Jungen, den alle nur Kid nennen. Wörtlich übersetzt bedeutet der Titel „Opa und der Junge“, und der gesamte Film ist auf diesem Paar aufgebaut.

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Die Prämisse ist ein Betrug, in dem eine Familie steckt. Lolo, der eigentlich Mario heißt, und Kid leben auf der Straße und halten sich über Wasser, indem sie wohlhabende Haushalte ausnehmen. Die Methode ist ebenso einfach wie grausam: Lolo präsentiert den Jungen als obdachloses Kind, das ein Zuhause braucht, eine Familie erklärt sich bereit, ihn aufzunehmen, und Kid wartet die Nacht ab, um sich mit allem davonzustehlen, was er tragen kann. Anschließend verkaufen die beiden die Beute an einen Hehler vom Schwarzmarkt, der als Taba bekannt ist.

Der Film führt durch eine Reihe solcher Haushalte, und jeder steht für eine andere Art von Opfer. Da ist ein Paar aus der Mittelschicht, Allan und Gemma; eine wohlhabende Geschäftsfrau, Sandra, die ihre Eltern durch eine Überdosis verloren hat; ein schwules Paar, John und Norman, das Lolo Geld leiht, damit er für den Jungen sorgen kann; und später Irma und Joel, ein Paar, das den eigenen Sohn an den Krebs verloren hat. Jedes neue Haus ist eine weitere Probe darauf, wie lange ein Betrug laufen kann, bevor jemand eine Bindung aufbaut.

Unter dem Schwindel liegt die Vorgeschichte des Films. Lolo ist nicht der leibliche Großvater des Jungen: Er fand Kid als ausgesetzten Säugling, in einem Moment, in dem er selbst nichts mehr hatte, und entschied sich, ihn großzuziehen. Dieses Detail macht jeden Betrug zu der Frage, die im Zentrum der Geschichte steht: ob ein Kind, das mit Betrügereien aufwächst, auf der Straße bei dem Mann, der sich für es entschieden hat, besser aufgehoben ist oder in einem der komfortablen Häuser, die die beiden immer wieder ausrauben.

Benedict Mique: vom Kriegsrecht-Horror zum Familienbetrug

Benedict Mique verantwortete Drehbuch, Produktion und Regie, und der Film entstand über seine Firma Lonewolf Films, mit Netflix als Verleiher. Es ist ein persönliches Projekt mit einer Laufzeit von 97 Minuten, das direkt ins Streaming ging statt in die Kinos, ausgerichtet zuerst auf das Publikum auf den Philippinen und dann auf den Rest der Plattform.

Sein bekanntester früherer Spielfilm weist in eine ganz andere Richtung. 2018 schrieb, koproduzierte und inszenierte Mique ML, einen psychologischen Horrorfilm, der beim Independent-Filmfestival Cinemalaya Premiere feierte. Darin spielt Eddie Garcia einen pensionierten Oberst der Metrocom-Polizei aus der Marcos-Ära, der, an Alzheimer erkrankt, glaubt, noch immer unter dem Kriegsrecht zu leben, und einen Studenten, der ihn besucht, gefangen nimmt, als wäre er ein Dissident aus den 1970er-Jahren.

Nebeneinandergestellt teilen die beiden Filme mehr als ihren Regisseur. Beide drehen sich um einen alten Mann und einen viel jüngeren, und in beiden geht es darum, was der Ältere für den Jüngeren zu tun glaubt. In ML ist diese Beziehung ein Albtraum über Erinnerung und politische Gewalt. In Lolo and the Kid wird daraus etwas Sanfteres: ein alter Mann, der versucht, einem Jungen mit den einzigen Fähigkeiten, die er besitzt, eine Zukunft zu sichern. Zum Team hinter dem Film gehören Kameramann Mark Joseph Cosico und Cutter Noah Tonga, die Musik stammt von Isha Abubakar; Berichten aus der Produktion zufolge wurde Anfang 2024 gedreht, nur wenige Monate vor dem Start.

Lolo and the Kid
Lolo and the Kid

Joel Torre und der Junge aus Firefly

Joel Torre bringt Jahrzehnte philippinischer Filmgeschichte in die Rolle des Lolo ein. 1961 in Bacolod geboren, stand er bereits im Alter von sieben Jahren auf der Bühne, in einer örtlichen Theatergruppe unter der Leitung des Regisseurs Peque Gallaga, und gab 1978 sein Filmdebüt mit einer kleinen Rolle in einer Produktion von Lino Brocka, die in seiner Heimatstadt gedreht wurde. Berühmt wurde er in den 1980er-Jahren mit historischen Dramen, darunter Oro, Plata, Mata, 1982 von Gallaga inszeniert, und Karnal von 1983; später übernahm er die Hauptrolle im Biopic José Rizal von 1998. Zu seiner Bilanz zählen drei Gawad-Urian-Preise und ein FAMAS-Preis.

Joel Torre gehört zudem zu den philippinischen Schauspielern, die ein internationales Publikum am ehesten gesehen hat, ohne ihren Namen zu kennen. Er spielte 2010 in John Sayles’ Amigo mit, hatte 2012 eine Rolle in Das Bourne Vermächtnis und übernahm 2013 die Hauptrolle in Erik Mattis Krimithriller On the Job, eine Rolle, zu der er in On the Job: The Missing 8 zurückkehrte. Lolo and the Kid brachte ihm 2025 eine Nominierung als bester Hauptdarsteller bei den 8. EDDYS ein, den Preisen der philippinischen Unterhaltungspresse.

Ihm gegenüber steht ein Kinderdarsteller, der mit Rückenwind zu diesem Film kam. Euwenn Mikaell, auch als Euwenn Mikael Aleta geführt, arbeitet fürs Fernsehen, seit er drei Jahre alt ist, vor allem in Dramen und Anthologie-Episoden von GMA Network. Der Durchbruch gelang ihm 2023 mit Firefly, dem Fantasy-Drama von Zig Dulay, in dem er in seinem ersten Kinospielfilm die Titelrolle des Tonton spielte. Firefly wurde beim Metro Manila Film Festival 2023 als bester Film ausgezeichnet, und Lolo and the Kid folgte als seine nächste große Filmrolle.

Den erwachsenen Kid spielt Juan Karlos Labajo, auf den Philippinen besser bekannt als der Sänger JK Labajo und als Frontmann der Band Juan Karlos. Berühmt wurde er mit 13, als er 2014 in der ersten Staffel von The Voice Kids den dritten Platz belegte, und die Single Buwan der Band aus dem Jahr 2018 zählt bis heute zu seinen bekanntesten Songs. Juan Karlos Labajo nahm auch den Titelsong des Films auf, eine Version von Through the Years, dem Song von Kenny Rogers, die Ende August 2024 als Single erschien. Zur Nebenbesetzung gehören Iza Calzado als Sandra, Meryll Soriano und Joem Bascon als Gemma und Allan sowie Shaina Magdayao und Alfred Vargas als Irma und Joel.

Eine philippinische Straßengeschichte für eine globale Plattform

Geschichten über Kinder, die auf den Straßen philippinischer Städte überleben, haben im Kino des Landes eine lange Tradition, vom Sozialrealismus, der mit Lino Brocka verbunden wird, bis zu den Independent-Filmen, die auf Festivals wie Cinemalaya laufen. Lolo and the Kid schlägt einen anderen Weg ein. Der Film behält das Milieu aus Armut und Kleinkriminalität bei, bettet es aber in ein Familiendrama ein, das auf ein breites Publikum zielt, mit einer offen emotionalen Prämisse und einem Popstar in der Besetzung.

Diese Entscheidung zahlte sich auf dem Heimatmarkt aus. Netflix veröffentlichte den Film am 7. August 2024, und bis zum 11. August hatte er den Spitzenplatz in der Liste der zehn meistgesehenen Filme der Plattform auf den Philippinen erreicht. Im spanischsprachigen Katalog von Netflix wird er als „El abuelo y Kid“ geführt, ein Zeichen dafür, wie weit eine bescheidene lokale Produktion reisen kann, sobald sie auf einem globalen Dienst verfügbar ist.

Der Film gehört außerdem zu einer vertrauten internationalen Tradition: der umherziehende Trickbetrüger an der Seite eines Kindes, eine Konstellation, die mindestens auf Peter Bogdanovichs Paper Moon von 1973 zurückgeht. Was Benedict Mique hinzufügt, ist der philippinische Rahmen der Großfamilie, in der das Wort lolo ein Gewicht aus Respekt und Verpflichtung trägt, das eine einfache Übersetzung als Opa nicht ganz erfasst. Die Bindung ist hier gewählt, nicht ererbt, und der Film setzt diese Wahl in jedem Haus unter Druck, das die beiden betreten.

Wie Lolo and the Kid beim einzelnen Zuschauer ankommt, hängt davon ab, was er von einem Familiendrama erwartet. Das Paket benennt seine Absichten klar: eine Trickbetrüger-Prämisse, ein erfahrener Schauspieler neben einem aufstrebenden Kinderstar und ein Titelsong von einem der bekanntesten jungen Sänger des Landes. Sein Thema, die Frage, wer ein Kind großziehen darf und was ein besseres Leben tatsächlich kostet, ist eines, das keine Übersetzung braucht.

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