Filmkritiken

Miraculous: Der Film – Atemberaubende Bilder retten die vorhersehbare Handlung nicht

Alice Lange
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Die Auftaktsequenz von Miraculous: Ladybug & Cat Noir, The Movie legt ein atemloses Tempo vor: Marinette Dupain-Cheng, eine tollpatschige Pariser Teenagerin, schlägt sich durch das verwinkelte Straßengewirr der Stadt, um der Wut der verwöhnten Chloé Bourgeois zu entkommen. Unter der Regie von Jeremy Zag bringt dieser animierte Musical-Superhelden-Liebesfilm die Ursprünge von Ladybug und Cat Noir in einer farbenprächtigen, actiongeladenen Inszenierung auf die Leinwand und adaptiert damit die beliebte Fernsehserie. Das Budget von 80 Millionen Euro ist der üppigen Animation und dem mitreißenden Soundtrack deutlich anzumerken. Aber rechtfertigt eine packende Geschichte die hohen Kosten?

Seine größten Stärken spielt der Film mit seiner visuellen Pracht und seinen musikalischen Reizen aus. Paris ist wunderschön gestaltet, bis in die verwinkelten Details hinein, die der Stadt Leben einhauchen. Die Actionszenen sind dynamisch und gekonnt choreografiert und schöpfen die Superkräfte der Figuren voll aus. Der von Zag selbst komponierte Soundtrack passt zum energiegeladenen Tempo und zu den emotionalen Momenten des Films und verleiht der Erzählung zusätzliche Tiefe. Schon die Eröffnungssequenz ist ein Fest fürs Auge: Marinette hastet durch Paris, begleitet von einem schwungvollen Stück, das die Dringlichkeit der Situation noch verstärkt.

Schwächen zeigt der Film dagegen bei seinem schlichten Drehbuch und dem Humor. Die Handlung ist zwar unterhaltsam, wirkt aber häufig vorhersehbar und lässt jene Nuancen vermissen, die sie über die Vorlage hinausheben könnten. Der Humor soll leicht und unbeschwert sein, zündet jedoch nicht immer und verlässt sich zu sehr auf Klischees und abgenutzte Gags. Marinettes Tollpatschigkeit etwa wird immer wieder für Lacher ausgespielt, doch der Witz nutzt sich schnell ab. Die Geschichte um die Ursprünge des Franchise ist interessant, dringt aber nicht tief genug in die emotionalen Entwicklungen der Figuren vor. Gabriel Agrestes Beweggrund, zu Hawk Moth zu werden, ist zwar nachvollziehbar, wird aber nicht so ausführlich beleuchtet, wie es die Figur verdient hätte.

Die Sprecherinnen und Sprecher überzeugen: Anouck Hautbois und Benjamin Bollen verleihen Marinette und Adrien mit viel Authentizität und Charme Leben. Die Chemie zwischen ihnen ist spürbar und sorgt für eine romantische Spannung, die einen großen Teil der Handlung trägt. Einige Nebenfiguren wie Chloé Bourgeois und Gabriel Agreste bleiben jedoch eindimensional; ihre Beweggründe und Gefühle sind nur wenig ausgearbeitet. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist Fanny Bloc als Alya Césaire, die ihrer Rolle als Marinettes beste Freundin Wärme und Tiefe verleiht.

Auch in Sachen Originalität tut sich der Film schwer, sich von der Fernsehserie abzuheben. Zwar erweitert er die Mythologie und bietet den Figuren ein neues Umfeld, wirkt aber oft eher wie eine verlängerte Episode als wie ein eigenständiges Kinoerlebnis. Die Verbindung von Fantasy, Action, Romanze und Familienunterhaltung funktioniert als Genremix gut. Die Umsetzung hätte jedoch einfallsreicher sein können, um dem Film wirklich ein eigenes Profil zu geben.

Die Themen Selbstfindung und emotionale Distanz entfalten sich vor allem in den Figuren Marinette und Adrien. Marinettes Entwicklung vom tollpatschigen, sozial unbeholfenen Teenager zur selbstbewussten Superheldin ist mitreißend, doch der Film erzählt ihr emotionales Wachstum zu hastig. Adriens emotionale Zurückgezogenheit nach dem Tod seiner Mutter bildet einen berührenden Nebenstrang, erhält aber zu wenig Leinwandzeit, um wirklich nachzuwirken.

Im Vergleich zu anderen jüngeren Animationsfilmen wie Spider-Man: Into the Spider-Verse zieht Miraculous: Ladybug & Cat Noir, The Movie den Kürzeren. Beide Filme verbinden Superhelden-Action mit Coming-of-Age-Themen, doch Into the Spider-Verse überzeugt mit seinem innovativen Animationsstil und seiner komplexen Erzählweise. Miraculous setzt dagegen zu stark auf vertraute Handlungsmuster und wagt zu wenig Neues.

Der Film richtet sich ganz klar an ein junges Publikum und an die Fans der Fernsehserie. Die farbenfrohe Animation, der schwungvolle Soundtrack und die romantischen Themen dürften Teenager und jüngere Jugendliche ansprechen. Erwachsene, die sich eine vielschichtigere Handlung oder eine innovativere Erzählweise wünschen, könnten dagegen enttäuscht sein. Auch das Einspielergebnis spiegelt diese unterschiedliche Resonanz wider: In Regionen, in denen das Franchise beliebt ist, lief der Film stark, in Frankreich blieb der Besucherandrang hingegen enttäuschend.

Letztlich ist Miraculous: Ladybug & Cat Noir, The Movie ein visuell beeindruckender und emotional mitreißender Film, der unter einem schwachen Drehbuch und unausgereiften Nebenfiguren leidet.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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