Filmkritiken

Cat and Dog: Eine verpasste Chance auf chaotische Komik

Martin Cid
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Die Szene auf dem Rollfeld zu Beginn von Reem Khericis „Cat and Dog“ stimmt auf ein turbulentes Abenteuer ein: Monica, eine Katzen-Influencerin, deren Star auf vier Pfoten, Diva, verschwunden ist, und Jack, ein internationaler Dieb, dessen Hund Chichi versehentlich einen gestohlenen Rubin verschluckt hat, müssen sich zusammentun, als ihre Tiere im Chaos des Flughafens verloren gehen. Der Stoff hätte das Zeug zu einer Komödien-Goldgrube, doch Khericis Film schöpft sein Potenzial kaum aus. Stattdessen liefert er ein unstetes Abenteuer, das nie wirklich in Schwung kommt.

Kherici, die selbst Monica spielt, führt mit viel Energie Regie – allerdings wirkt diese oft fahrig und ziellos. Die Grundidee des Films, ein Abenteuer über Artgrenzen hinweg, bei dem Tiere und ihre Besitzer zusammenarbeiten müssen, erinnert an eine Mischung aus „Home Alone“ und „Midnight Run“, ohne jedoch den scharfen Witz oder die emotionale Tiefe dieser Filme zu erreichen. Stattdessen setzt „Cat and Dog“ auf plumpen Humor und eine formelhafte Handlung. So wirkt der Film eher wie ein schwächerer Beitrag zum „Air Bud“-Franchise als wie etwas wirklich Eigenständiges.

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Franck Dubosc verleiht Jack, dem Dieb, eine gewisse Ausstrahlung. Das Drehbuch lässt jedoch kaum Raum für die Nuancen, die er seiner Figur geben könnte, und setzt stattdessen auf vordergründige Gags. Jack wird als charmanter Schurke eingeführt, doch abgesehen von der Geschichte um den gestohlenen Rubin erfahren wir kaum etwas über seine Beweggründe oder seine Vergangenheit. Philippe Lacheau gibt als Brandt, der den beiden dicht auf den Fersen ist, eine solide Vorstellung, bleibt aber auf die Rolle des eindimensionalen Gegenspielers beschränkt. Seine Jagd auf Jack und Monica wirkt eher wie ein nachträglicher Einfall als wie eine treibende Kraft der Handlung.

Am hellsten strahlt „Cat and Dog“ bei den Sprechrollen von Inès Reg als Diva und Artus als Chichi. Das Zusammenspiel der beiden – Divas freche, divenhafte Art trifft auf Chichis bodenständiges, geradezu hundetypisches Wesen – ist ausgesprochen unterhaltsam. Die besten Szenen gehören den Tieren, etwa wenn Diva die Flughafensicherheit überlistet, um wieder zu ihrem Frauchen zu gelangen. Hier zeigt sich Khericis Gespür dafür, Humor und Herz zu verbinden, auch wenn solche Momente viel zu selten sind.

Auch das Erzähltempo bereitet Probleme. „Cat and Dog“ hetzt von einer großen Actionszene zur nächsten, ohne den Figuren oder ihren Beziehungen mehr als oberflächliche Sprüche zu gönnen. Die Romanze zwischen Monica und Jack wirkt überstürzt und nicht verdient, während Brandts Verfolgung der beiden oft ohne echte Spannung bleibt. Die Geschichte um den gestohlenen Rubin, die den zentralen Konflikt des Films bilden sollte, geht im Durcheinander unter. Eine Szene, in der Jack versucht, Chichi den Rubin wieder abzunehmen, nachdem der Hund ihn verschluckt hat, ist zwar auf Lacher angelegt, trägt aber kaum etwas zur Gesamthandlung bei.

Visuell ist „Cat and Dog“ handwerklich solide, aber nur selten unverwechselbar. Bei den Flughafenszenen setzt Kherici gern auf lange Kamerafahrten, die zwar für Dringlichkeit sorgen, den Film aber kaum von anderen komödiantischen Verfolgungsjagden abheben. Die Musik greift häufig auf beschwingte Synthesizer-Klänge zurück, die gelegentlich mit den geerdeteren Momenten kollidieren. Besonders gelungen ist der Einsatz der Musik während der Flucht der Tiere: Die verspielte Melodie bildet einen reizvollen Kontrast zur Spannung der Szene.

Am meisten schwächelt „Cat and Dog“ beim Tonfall. Der Film kann sich nicht entscheiden, ob er ein unbeschwertes Abenteuer oder eine Satire auf die Influencer-Kultur sein möchte. Der Humor wirkt für Ersteres oft zu kindisch und für Letzteres zu zaghaft. Wenn Diva etwa ihre Flucht aus dem Flughafen live überträgt, hätte daraus ein bissiger Kommentar zur Social-Media-Sucht werden können. Stattdessen bleibt die Szene ein beiläufiger Gag. Die gesellschaftskritischen Ansätze des Films wirken bestenfalls halbherzig – als wolle er es allen recht machen, ohne sich festzulegen.

Das Ende, in dem die Tiere zu ihren Besitzern zurückkehren und Brandt mit leeren Händen dasteht, wirkt überhastet und unbefriedigend. Der Schluss erfüllt zwar alle Erwartungen an eine familienfreundliche Komödie, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck. Vor allem der letzte Akt reiht konstruierte Szenen aneinander, die die Handlung zum Abschluss bringen sollen, statt sich wie eine natürliche Konsequenz der Geschichte anzufühlen.

„Cat and Dog“ hat durchaus seine Reize, vor allem dank der Sprechrollen und einiger gelegentlich cleverer Gags. Die Chemie zwischen Diva und Chichi macht unbestreitbar Spaß, und mitunter ist die Energie des Films ansteckend. Diese Lichtblicke kommen jedoch zu selten, um das Gesamterlebnis zu retten.

Die Zielgruppe des Films scheinen Familien mit kleinen Kindern zu sein, denn im Mittelpunkt stehen die Streiche der Tiere und ein unbeschwerter Humor. Doch selbst bei diesem Publikum dürfte es „Cat and Dog“ schwerfallen, sich gegen ausgefeiltere und mitreißendere Alternativen durchzusetzen. Erwachsene Zuschauer wiederum werden den Humor wahrscheinlich zu kindisch und die Handlung zu formelhaft finden.

Im Vergleich zu anderen Abenteuerkomödien bleibt „Cat and Dog“ hinter jüngeren Filmen wie „The Super Mario Bros. Movie“ zurück, dem es gelang, Humor und Gefühl auszubalancieren und sowohl Kinder als auch Erwachsene anzusprechen. Selbst ältere Klassiker wie „Homeward Bound“ bieten mehr emotionale Tiefe und unvergessliche Momente.

Letztlich will „Cat and Dog“ allen alles bieten und verfehlt damit sein Ziel. Die Schwächen überwiegen die Stärken – übrig bleibt ein vergessenswerter Beitrag zum Abenteuerkomödien-Genre.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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