Filmkritiken

The Midwife: Wie britisches Independentkino die Figur der Hebamme zur Bedrohung macht

Liv Altman

The Midwife gehört zu jener Tradition des britischen Horrorfilms, die auf Atmosphäre setzt, wo andere auf Schock setzen würden. Ryan Cage und Marta Baidek arbeiten als Regisseure mit einem knappen Indie-Budget — und nutzen es, um den häuslichen Raum in eine Falle zu verwandeln, aus der ihr Film nie wirklich entkommen will.

Eine junge Familie sieht sich mit unerklärlichen Ereignissen konfrontiert. Die Störungen häufen sich, ohne dass das Drehbuch eine einfache Erklärung anbietet. Als die Hebamme ins Haus kommt, kippt die gewohnte Bedeutung dieser Figur — Vertrauen, Fürsorge, Lebensanfang — ins Bedrohliche. Die Parallele zu Rosemarys Baby ist bewusst gesetzt und strukturell gerechtfertigt.

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Was Cage und Baidek gelingt, ist eine formale Disziplin, die im Low-Budget-Genre selten ist. Die Kamera bleibt drinnen, Außenräume werden konsequent verweigert, das Bild komprimiert sich mit wachsender Spannung. Das sind Entscheidungen, die das knappe Budget als Gestaltungsmittel nutzen — nicht als Entschuldigung.

Tiffany Ceri gibt der Hauptfigur eine emotionale Genauigkeit, die das Publikum im Film hält; Lara Goodison trägt als Lissie den familiären Konflikt mit einer Natürlichkeit, die für das Genre bemerkenswert ist. Christos Lawton überzeugt als Inspektor Montmerancy mit gemessener Schwere. Es sind Leistungen, die sich dem Film unterordnen — was hier die höchste Form des Handwerks darstellt.

The Midwife beansprucht keinen kanonischen Status. Was er beansprucht, ist die Aufmerksamkeit für eine einzelne, präzise Idee: die Hebamme als Schwellenfigur, Hüterin des Übergangs zwischen Nichtsein und Leben, und die Frage, was passiert, wenn diese Grenze korrumpiert wird. Für achtzig Minuten ist das mehr als genug.

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