Filmkritiken

The Midwife: Ein erschütterndes Zeugnis des Lebens im Schrecken des Holocaust

Liv Altman
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Die Eröffnungsszene von Maria Stachurskas The Midwife zeigt ein schonungsloses, verstörendes Bild: Die blutverschmierten, zitternden Hände einer Frau halten ein Neugeborenes, mitten im Elend von Auschwitz-Birkenau. Es ist Stanislawa Leszczynska, eine Hebamme, deren Geschichte ebenso erschütternd wie inspirierend ist. Der Dokumentarfilm weicht der Brutalität seines Schauplatzes nicht aus. Durch die Perspektive der Geburt verankert er seine Erzählung in der düsteren Wirklichkeit des Holocaust – ein paradoxer Akt des Lebens inmitten des Todes.

Stachurska führt mit ruhiger Hand und wählt einen ernsten, beinahe ehrfürchtigen Ton. Auf Effekthascherei verzichtet sie und lässt das Grauen für sich sprechen. Besonders wirkungsvoll ist der Ton: Das gedämpfte Schreien der Neugeborenen durchbricht die fernen Echos des Leidens und schafft einen beklemmenden Kontrast. Die Stärke des Films liegt in seinem schonungslosen Blick auf die Schrecken des Holocaust. Anhand von Leszczynskas Geschichte beleuchtet er Themen wie Widerstandskraft, Glauben und die Unbezwingbarkeit des menschlichen Geistes.

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Die Sprecherinnen Danuta Stenka und Hanna Polk tragen die Erzählung mit zurückhaltender Gravitas vor, ohne ins Überdramatische zu verfallen. Ihr Vortrag ist präzise und vermeidet die Fallstricke des Melodrams, die ein so schweres Thema leicht aus der Bahn werfen könnten. Allerdings schwächt die starke Abhängigkeit des Films von der Erzählstimme bisweilen die emotionale Wirkung der Bilder. Für die historische Genauigkeit ist sie zwar notwendig, doch gelegentlich wirkt das Ganze eher wie eine Lehrstunde als wie ein Kinoerlebnis.

Besonders eindringlich setzt sich der Film mit dem Glauben auseinander. Leszczynskas unerschütterlicher Glaube an ihre Aufgabe – selbst angesichts des Todes – bildet ein zentrales Motiv. Der Film legt nahe, dass sie ihre Kraft aus diesem Glauben schöpfte: ein Gedanke, der gleichermaßen kraftvoll und zutiefst bewegend ist. Diese spirituelle Dimension dürfte jedoch nicht alle Zuschauerinnen und Zuschauer ansprechen, insbesondere jene, die bei historischen Erzählungen einen stärker säkularen Zugang bevorzugen.

Die Produktionswerte des Films sind solide, aber wenig bemerkenswert. Die Kameraarbeit erfüllt ihren Zweck und dient der Erzählung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Wie bereits erwähnt, zählt die Tongestaltung zu den stärksten Elementen des Films und erzeugt wirkungsvoll eine Atmosphäre der Anspannung und Verzweiflung. Weil es jedoch an visuellen Einfällen fehlt, bleibt der Film ästhetisch nicht nachhaltig im Gedächtnis.

Ein deutlicher Schwachpunkt ist das Erzähltempo. Das Thema ist zweifellos packend, doch die Handlung wirkt häufig statisch und entwickelt nicht den Schwung, der sie fesselnder machen könnte. Der Verzicht auf Archivmaterial und nachgestellte Szenen nimmt der Geschichte ihre Unmittelbarkeit und lässt sie stellenweise distanziert erscheinen. Besonders in der zweiten Filmhälfte wird das spürbar, wenn die historischen Fakten zunehmend den emotionalen Kern überlagern.

Seine Stärken entfaltet der Film im schonungslosen Blick auf den Holocaust und in der Auseinandersetzung mit Glauben und Menschlichkeit. Er würdigt Stanislawa Leszczynskas außergewöhnlichen Mut und ihre Widerstandskraft, schafft es aber nur bedingt, über seinen Bildungsauftrag hinauszugehen. Durch die starke Abstützung auf die Erzählstimme wirkt er mitunter eher wie ein Vortrag als wie ein Kinoerlebnis.

Vergleiche bieten sich mit anderen Filmen über den Holocaust an, etwa mit Son of Saul (2015) oder The Pianist (2002). Während diese Werke häufig das Überleben und den Kampf um Würde unter unmenschlichen Bedingungen in den Mittelpunkt stellen, setzt The Midwife einen eigenen Akzent: Im Zentrum steht das Schaffen neuen Lebens – die Geburt – inmitten der Zerstörung. Diese ungewöhnliche Perspektive eröffnet einen frischen Blick auf den Holocaust und macht deutlich, wie widerstandsfähig das Leben selbst in den dunkelsten Zeiten sein kann.

Der Fokus auf die Geburt wirft allerdings auch Fragen zum Aufbau des Films auf. Das Thema ist zweifellos fesselnd, doch das Erzähltempo wirkt mitunter unausgewogen. Die erste Hälfte widmet sich Leszczynskas Vorgeschichte und dem historischen Hintergrund ihrer Verhaftung und Inhaftierung. Dieser Teil vermittelt viele Informationen, kann sich aber in die Länge ziehen – besonders für Zuschauerinnen und Zuschauer, die mit der allgemeinen Geschichte des Holocaust bereits vertraut sind.

In der zweiten Hälfte richtet der Film den Blick auf Leszczynskas Erlebnisse in Auschwitz-Birkenau, wo sie unter entsetzlichen Bedingungen als Hebamme arbeitete. Dieser Abschnitt ist fesselnder, weil er genauer auf ihre Arbeit und die Herausforderungen eingeht, denen sie sich stellen musste. Doch die starke Abhängigkeit von der Erzählstimme lässt den Film auch hier eher wie einen historischen Bericht als wie ein Kinoerlebnis wirken.

Die Produktionswerte des Films sind solide, aber wenig bemerkenswert. Die Kameraarbeit erfüllt ihren Zweck und dient der Erzählung, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Wie bereits erwähnt, zählt die Tongestaltung zu den stärksten Elementen des Films und erzeugt wirkungsvoll eine Atmosphäre der Anspannung und Verzweiflung. Weil es jedoch an visuellen Einfällen fehlt, bleibt der Film ästhetisch nicht nachhaltig im Gedächtnis.

Ein Publikum dürfte The Midwife vor allem unter jenen finden, die sich für historische Dokumentarfilme interessieren, insbesondere für Werke über den Holocaust. Der Film eröffnet eine ungewöhnliche Perspektive auf ein oft behandeltes Thema und ist damit eine wertvolle Ergänzung des Genres. Das gemächliche Tempo und die starke Abstützung auf die Erzählstimme könnten jedoch Gelegenheitszuschauer abschrecken, die sich ein dynamischeres Kinoerlebnis wünschen.

Letztlich ist The Midwife ein bewegender, aber unausgewogener Dokumentarfilm. Er würdigt Stanislawa Leszczynskas außergewöhnlichen Mut und ihre Widerstandskraft, schafft es jedoch nur bedingt, über seinen Bildungsauftrag hinauszugehen.

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