Musik

ADÉLA wagt mit PRIMA den Schritt vom Hot-100-Debüt zur Pop-Karriere

Alice Lange

PRIMA ist das Debüt, das seine Karten offen auf den Tisch legt. ADÉLA, eine 22-jährige slowakische Popkünstlerin mit Sitz in Los Angeles, veröffentlicht ihr erstes vollwertiges Album über Capitol Records – elf Tracks, zwei hochkarätige Executive Producer und eine Leadsingle, die bereits den Weg in die Billboard Hot 100 gefunden hat.

YouTube Video

„Ain’t In LA“, die Leadsingle des Albums, ist der erste Song in ADÉLAs Katalog, der die Hot 100 erreichte – mit einem Einstieg auf Platz 85. Für eine Künstlerin, die weniger als zwei Jahre vor diesem Chartplatz ohne Label-Unterstützung startete, hat diese Zahl Gewicht. Sie ist die kommerzielle Basis, von der PRIMA nun ausgehen muss.

ADÉLAs Weg zu diesem Album ist weniger konventionell, als es eine Capitol-Records-Biografie vermuten ließe. Geboren in Bratislava, absolvierte sie eine Ballettausbildung in Moskau, Wien und London, bevor sie diese Disziplin in Los Angeles in Richtung Songwriting und Performance umlenkte. Diese Laufbahn hat Spuren hinterlassen: Die physische Präzision und das europäische Theatervertrauen ihrer Bühnenpersona übersetzen sich direkt in ihre Herangehensweise an Pop. Ihre unabhängige Debütsingle erregte die Aufmerksamkeit von Grimes, die zu einer Kollaborateurin wurde. Diese Verbindung verschaffte ihr eine Glaubwürdigkeit in der Kritikerszene, die die meisten Mainstream-Pop-Castings nicht herstellen können. Ein Vorprogramm für Demi Lovatos Tour erweiterte ihre Live-Präsenz auf ein Publikum, das weder Bandcamp noch TikTok zuvor erreicht hatten. Beyoncé und Lady Gaga nennt sie als ihre strukturellen Referenzen. Pop, für ADÉLA, soll total, theatralisch und physisch bewusst sein.

Über elf Tracks hinweg bewegt sich PRIMA durch Pop-R&B mit kontrollierter Schärfe. Die Executive Producer Dylan Brady und Blake Slatkin, deren kombinierte Credits im kommerziellen Zentrum der zeitgenössischen Pop-Produktion liegen, liefern ein Album ab, das knackig und bassbetont ist. Herausragende Titel wie „Nicole Kidman“, „KGB“ und „I’m The Man“ deuten auf eine Songwriterin hin, die ihre Provokationen konkret benennt, anstatt nach vager Coolness zu greifen. ADÉLA trat dieses Jahr beim Lollapalooza auf, und die auf dem Album offensichtlichen theatralischen Ambitionen hielten auch im Festival-Kontext stand.

Was PRIMA noch nicht beantwortet hat, ist die Frage, ob ADÉLA über den Debüt-Zyklus hinaus einen Platz im Mainstream-Pop-Diskurs behaupten kann. Ein Hot-100-Eintrag auf Platz 85 ist kommerziell bedeutsam; er ist jedoch kein Beleg für die Art von kultureller Resonanz, die Karrieren nachhaltig trägt. Die Provokationsästhetik, die ihr Frühwerk auszeichnete, teilt sie nun mit vielen Zeitgenossen ihres Labels, und PRIMA, poliert und kommerziell ausgerichtet, lässt die langfristige Frage offen, statt sie zu beantworten. Ein bereits aktives Streaming-Publikum gibt ihr eine Basis; das zweite Album ist der Ort, an dem Grundlagen auf die Probe gestellt werden.

PRIMA ist ab sofort bei Capitol Records erhältlich. Die Red Bottoms Tour, die bis ins nächste Jahr läuft und Termine in den USA und Europa umfasst, bringt das Album erstmals im großen Stil zu einem Live-Publikum.

Schlagwörter: , , , ,

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.