Musik

OrelSan bezeichnet sich in Überraschungssingle „XXX“ als „das Gegenteil von CNews“

Noah Brandt
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Der französische Rapper OrelSan hat überraschend die Single „XXX“ veröffentlicht, produziert von seinem langjährigen Weggefährten Skread. Der Refrain lässt wenig Raum für Deutungen: „En gros, j’suis le contraire de CNews“, rappt er – frei übersetzt: „Im Grunde bin ich das Gegenteil von CNews“. Der Song richtet sich gegen die extreme Rechte in Frankreich und den Nachrichtensender, der zum Medienkonzern von Vincent Bolloré gehört.

YouTube Video

Der Zeitpunkt macht die Veröffentlichung zu mehr als einer Provokation. OrelSan gehört zu den wenigen französischen Rappern, die generationenübergreifend Arenen füllen, und nur wenige Wochen trennen ihn von der größten Konzertreihe seiner Karriere. Mitten in dieser Phase einen offen politischen Song herauszubringen, bedeutet, ein Publikum anzusprechen, das nicht geschlossen dieselbe Partei wählt. OrelSan hat sich trotzdem dafür entschieden.

Eine weitere Zeile geht noch weiter: „J’veux pas que les fachos m’écoutent“ – „Ich will nicht, dass Faschisten mir zuhören“. Er macht sich über jene lustig, die bei Familientreffen „manger du porc et chanter du Sardou“ wollen: Schweinefleisch essen und Michel Sardou singen, als wäre das ein Bekenntnis zur französischen Identität. Wie Le Tribunal du Net berichtet, sagt er außerdem, er zahle gern 50 Prozent Steuern – eine Zeile, die in den sozialen Medien ebenfalls zahlreiche Reaktionen hervorrief.

Das Video unter der Regie von Raphaël De Albuquerque und Gabriel Cantal wurde größtenteils nachts in Caen und Umgebung gedreht. In der normannischen Stadt ist OrelSan aufgewachsen; seit seinen ersten Platten hat er sie immer wieder in seine Arbeit einbezogen. Zu sehen sind Rollerblader und ein Skate-Look aus den frühen 2000ern, ein Ritter in voller Rüstung, eine Chaplin-artige Gestalt und eine Figur, die schlicht als Tax Man geführt wird. Auf seinem YouTube-Kanal überschritt das Video bereits in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung die Marke von 600.000 Aufrufen.

Neuland ist das für ihn nicht. „L’odeur de l’essence“ vom Album Civilisation zeichnete bereits das Bild eines zerrissenen, verunsicherten Frankreichs. Anfang dieses Jahres nahm sein „Boss Cypher“ die extreme Rechte wegen Veranstaltungen in Caen ins Visier. Chic Radio Hits beschrieb „XXX“ als Rückkehr zu OrelSans Grundzutaten: gesellschaftlich engagierte Texte, Selbstironie und ein temporeicher Beat.

Hier liegt zugleich die Grenze des Songs. Ein Protestsong eines Künstlers, dessen Publikum seine Ansichten weitgehend teilt, wird nur wenige Menschen umstimmen. Und Faschisten aufzufordern, nicht zuzuhören, ist eher eine Ansage als ein Filter, sobald ein Konzert Arenagröße erreicht. Die Reaktionen im Netz fielen entlang vorhersehbarer Linien aus. Eine Stellungnahme von CNews wurde bislang nicht bekannt. Auch ist die Single an kein angekündigtes Album geknüpft. Vorerst steht sie daher für sich als Statement zur Tourneezeit; La Fuite en avant bleibt OrelSans jüngstes Album.

Das Publikum in Bordeaux hörte „XXX“ zuerst: OrelSan spielte den Song am 27. Oktober in der Arkéa Arena, wie 20 Minutes berichtete. Aufnahmen aus dem Publikum verbreiteten sich, bis am 30. Oktober das offizielle Video erschien. Als Nächstes folgt Paris: Zwischen dem 9. und 28. Dezember stehen 15 Abende in der Accor Arena auf dem Plan – mehr als jeder andere Rapper dort bisher gebucht hat, aber weniger als die 23 Auftritte, die Jacques Higelin 1985 an dem Ort spielte. Die Tournee führt durch französische Arenen; Termine in Nord- oder Lateinamerika sind nicht angekündigt.

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