Musik

Tony Boy veröffentlicht nach seiner Festnahme erste Single – ohne Refrain

Alice Lange
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Tony Boys neue Single Una bara per due besteht aus fast fünf Minuten Versen, ohne Refrain, an dem man sich festhalten könnte. Es ist der erste Song, den der italienische Rapper aus Padua seit seiner Festnahme in Mailand wegen Drogen- und Waffendelikten veröffentlicht hat. Schon die titelgebende Zeile gibt den Ton vor: „Una bara per due non l’hanno ancora inventata“ – ungefähr: „Einen Sarg für zwei hat noch niemand erfunden.“

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Das ist relevant, weil Tony Boy kein Name aus der Nische ist. Sein jüngstes Album Trauma stieg mit mehr als 15 Millionen Streams in der ersten Woche auf Platz eins der italienischen FIMI-Albumcharts ein. Jeder einzelne Song schaffte es in die Top 50 der Singlecharts, später wurde das Album von FIMI mit Platin ausgezeichnet. Ein Rapper auf diesem Niveau meldet sich nach einem Skandal normalerweise mit einem Hook zurück, der wie gemacht für Playlists ist. Tony Boy kam stattdessen mit einem Bekenntnis zurück, das genau darauf verzichtet.

Das Verfahren, das dahintersteht, ist noch nicht abgeschlossen. Wie Sky TG24 berichtete, fand die Polizei Kokain, Haschisch und Marihuana sowie eine Beretta-Pistole im Kaliber 6,35 Millimeter, deren Seriennummer abgeschliffen worden war, und rund fünfzig Schuss Munition. Bei einer Befragung im Gefängnis San Vittore bestritt er, mit Drogen gehandelt zu haben. „Ich habe nie Drogen verkauft. Die Drogen, die ich hatte, waren für den Eigenbedarf, weil bei mir eine Sucht dokumentiert ist“, sagte er der Richterin und fügte hinzu, die Waffe zur Selbstverteidigung behalten zu haben, nachdem bei ihm eingebrochen worden war. Richterin Chiara Valori bestätigte lediglich den Vorwurf des Waffenbesitzes, wies den Vorwurf des Drogenhandels zurück und schickte ihn unter Hausarrest in das Haus seiner Eltern in der Provinz Padua. Dabei handelt es sich um eine vorsorgliche Maßnahme, nicht um ein Urteil.

Der Song kreist um diesen Gemütszustand, ohne ihn ausdrücklich zu benennen. Über einem sparsamen Beat beginnt er als Liebeserklärung und wird dann zu einer Liste von Widersprüchen: Abhängigkeit, Ruhm, die Angst vor dem Alleinsein. „Odio essere onesto, odio quando mento“ („Ich hasse es, ehrlich zu sein, ich hasse es, wenn ich lüge“), rappt er. Italienische Medien haben einige Verse als Anspielung auf seine frühere Partnerin, die Influencerin Gaia Bianchi und Mutter seiner Tochter, gelesen. Doch er nennt niemanden und hat nicht gesagt, für wen der Song bestimmt ist.

Die schonungslose Offenheit ist zugleich das Problem. Ein Song ohne Refrain, der wenige Wochen nach einer Festnahme wegen eines Waffendelikts erscheint, will als Zeugnis gehört werden. Die Grenze zwischen Bekenntnis und Kampagne ist allerdings schmal, wenn ein großes Label hinter der Veröffentlichung steht: Atlantic Records Italy, über Warner Music Italy. Für einen Künstler seiner Größenordnung fallen die ersten Zahlen bescheiden aus: rund 146.000 YouTube-Aufrufe in der ersten Woche und weniger als tausend Hörer beim Scrobbling-Dienst Last.fm – nur ein Bruchteil der Streaming-Welle, die Trauma getragen hat. Ob die Hörer den Song als Übernahme von Verantwortung oder als eine Geschichte über Sucht verstehen, die sich selbst verkauft, wird davon abhängen, was Tony Boy als Nächstes tut, nicht von diesem Track.

Una bara per due erschien am 29. September 2026, fünf Wochen nach seiner Festnahme am 22. August. Am 5. Oktober kündigte er sein nächstes Album CURA für den 6. November an: Es wird ausschließlich auf Vinyl erscheinen, ohne Streaming-Version. Seine Chartplatzierung wird sich daher allein an den Verkäufen physischer Tonträger entscheiden. Das Label beschreibt es als bewusste Entscheidung, die Platte dem schnellen Konsum des Streamings zu entziehen. Das Album erscheint zehn Monate nach Trauma, das am 2. Januar herauskam.

Damit wird CURA zur eigentlichen Bewährungsprobe: ein Album, das niemand streamen kann, von einem Rapper, dessen letztes Album durch Streaming groß wurde – während im Hintergrund weiterhin ein Gerichtsverfahren läuft.

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