Musik

Midnight Sun: Zara Larssons Eurodance-Pivot erzielt 40 Millionen YouTube-Klicks

Alice Lange

Midnight Sun ist für Zara Larsson keine Neuerfindung, sondern eine Positionierung. Die schwedische Musikerin legt zehn Songs vor, die auf Eurodance und Baltimore Club aufbauen, und macht damit einen gezielten Schritt weg von der Radioformel, die ihren kommerziell erfolgreichsten Jahren das Gepräge gab.

Das offizielle Musikvideo zum Titeltrack hat über 40 Millionen YouTube-Klicks gesammelt, eine Zahl, die nicht nur die Stammhörerschaft widerspiegelt, sondern das Engagement der Dance-Szene mit dem zeigt, was als echter Genrewechsel wahrgenommen wird. Auf Last.fm haben mehr als 845.000 Einzelhörer Plays verzeichnet, ein Beleg für eine Reichweite weit über die Nischengrenzen hinaus, die Baltimore Club sonst üblicherweise zieht.

YouTube Video

Eurodance kehrt seit einigen Jahren schrittweise in die skandinavische und europäische Popszene zurück, wobei Künstler vom ganzen Kontinent auf die härteren Synthesizer-Texturen und den Four-on-the-Floor-Puls des Genres zurückgreifen. Was Larssonens Version heraushebt, ist die spezifische Einbettung von Baltimore Club, einem rhythmischen Stil, der durch zerhackte Vocals und aggressive Hi-Hat-Muster geprägt ist, und der Midnight Sun eine schärfere Kante verleiht als dem üblichen Europop-Crossover. Das Album klingt eher wie ein Clubdokument als wie eine streaming-optimierte Playlist-Eintragung.

Larsson trat aus dem wettbewerbsintensiven schwedischen Popbereich heraus und erlangte genug internationale Strahlkraft, um sich in Charts von Deutschland bis Australien und Großbritannien zu platzieren. Ihre vokale Präzision und ihr melodisches Instinkt übertragen sich auf den Dance-Kontext sauberer, als es Kritiker erwartet hätten, die einen Genrebruch befürchteten. Diese Kompatibilität war alles andere als selbstverständlich. Pop-zu-Dance-Übergänge haben in der jüngeren Streaminggeschichte einige der am schlechtesten kalibrierten Platten hervorgebracht.

Das ehrliche Gegenargument lautet, dass Eurodance heute ein kommerziell gesättigter Markt ist. Das Genre-Revival hat Künstler aller Mainstream-Ebenen angezogen, was bedeutet, dass Midnight Sun in einem Markt antritt, in dem die Neuheitsprämie geringer ist als noch vor zwei Jahren. Hinzu kommt die Frage, ob ein primär für den Dancefloor konzipiertes Album die nachhaltige Hörerbeziehung, Wiederkehr, emotionale Bindung, Mundpropaganda, aufbauen kann, die ein Karrierealbum ausmacht. Vierzig Millionen YouTube-Klicks messen Aufmerksamkeit; sie entsprechen keiner kulturellen Dauerhaftigkeit.

Midnight Suns zehn Tracks erschienen am 5. Juni.

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