Cybersicherheit

KIT-Forscher identifizierten 197 Personen per Standard-WLAN-Router — ohne Kameras

Susan Hill

Die Radiowellen, die Ihr Heim-WLAN-Signal transportieren, wissen bereits, wer sich im Raum befindet. Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie haben zwei Jahre gebraucht, um dies zu beweisen.

Ihr System benötigt keine zusätzliche Hardware, nur einen handelsüblichen Router. Es liest Beamforming-Feedback-Informationen aus – eine Reihe unverschlüsselter Signale, die WLAN-Geräte und Router kontinuierlich austauschen, um die Übertragung zu optimieren. Diese Signale erzeugen eine Art Funkwellen-Porträt der Personen, die sich durch einen Raum bewegen. Die Art und Weise, wie ein menschlicher Körper elektromagnetische Strahlung streut, erweist sich als spezifisch und konsistent genug, um als Identifikationsmerkmal zu dienen.

In einer Studie mit 197 Teilnehmern identifizierte das System Personen mit nahezu 100-prozentiger Genauigkeit. Die Erkennung erforderte nach dem initialen Modelltraining nur wenige Sekunden und funktionierte unabhängig vom Winkel, aus dem sich eine Person näherte, oder von ihrem Gangmuster – zwei Variablen, die viele kamerabasierte Systeme überfordern. Das Paper mit dem Titel „BFId: Identity Inference Attacks Utilizing Beamforming Feedback Information“ wurde auf der ACM Conference on Computer and Communications Security in Taipeh angenommen, einer der führenden akademischen Konferenzen für Sicherheitsforschung.

Was diese Arbeit von früheren WLAN-Sensorforschungen unterscheidet, ist das Signal, das sie ausnutzt. Bisherige Ansätze erforderten spezielle LIDAR-Hardware oder detaillierte Kanalzustandsinformationen, die Firmware-Zugriff auf den Router voraussetzen. Beamforming-Feedback-Informationen sind bereits in der Luft, bereits unverschlüsselt und von jedem Gerät in Funkreichweite auslesbar. „Diese Technologie macht jeden Router zu einem potenziellen Überwachungsinstrument“, sagte Julian Todt, einer der Autoren des Papers am KASTEL-Sicherheitsinstitut des KIT.

Das Team entwickelte BFId gezielt als Demonstration dessen, was passive Überwachung bereits heute möglich macht. Das System kann erkennen, dass eine unbekannte Person anwesend ist, und sobald es eine bekannte Person einmal beobachtet hat, erkennt es sie bei jedem weiteren Durchgang. Es gibt keine Lichter, keine Aktivierungsgeräusche und keinen Hinweis für die identifizierte Person, dass irgendetwas geschieht.

Einige Einschränkungen sind erwähnenswert. Die Tests fanden in kontrollierten Umgebungen statt; wie gut die Technik in dicht bebauten Wohnanlagen mit überlappenden WLAN-Netzwerken funktioniert, wurde nicht ermittelt. Das Modell erfordert eine vorherige Beobachtung, um für jede Person eine Signatur zu erstellen – ein Fremder, dem man zum ersten Mal begegnet, wird als anwesend erkannt, nicht namentlich identifiziert. Die Signalreichweite ist durch die Funkabdeckung des Routers begrenzt, nicht unbegrenzt.

Die Forscher fordern Datenschutzvorkehrungen im kommenden WLAN-Standard IEEE 802.11bf – einer Protokollerweiterung, die WLAN bewusst mit Sensorfähigkeiten ausstattet. Ihr Argument ist, dass Beamforming-Feedback bereits unbeabsichtigt Überwachung ermöglicht und dass 802.11bf eine Chance bietet, Schutzmaßnahmen in den Standard zu integrieren, bevor die Fähigkeit weit verbreitet ist. Der WLAN-Router, den Sie besitzen, beobachtet Sie möglicherweise bereits. Die nächste Generation wurde dafür entwickelt.

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