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Aníkúlápó: Rise of the Spectre – Mythologische Tiefe, aber Probleme mit dem Erzähltempo

Alice Lange
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Die Eröffnungsszene von Aníkúlápó: Rise of the Spectre ist ein eindrucksvolles Tableau: Saro steht mit einem Gesicht, in das Entschlossenheit und Furcht eingeschrieben sind, an der Schwelle zwischen Leben und Tod; hinter ihm schimmert die Welt der Geister. Das Bild verspricht ein reiches Geflecht aus Mythos und Sterblichkeit. Doch schon bald gerät die Serie unter dem Gewicht ihrer eigenen Ambitionen ins Straucheln.

Kunle Afolayans Fortsetzung des Films Anikulapo setzt dort an, wo die Handlung des Originals endete: Saro (Kunle Remi) ist nun ein Bote des Todes und soll die Seelen zurückholen, die er einst wieder zum Leben erweckt hat. Die Prämisse birgt enormes Potenzial und verbindet afrikanische Folklore mit existenziellem Drama. Ihre stärksten Momente hat die Serie, wenn sie sich auf dieses mythologische Fundament stützt – besonders bei der Darstellung des Jenseits, eines Zwischenraums, in dem die Regeln der Welt der Lebenden nicht gelten. Das Szenenbild ist hier eindringlich gestaltet: Dramatische Kulissen und traditionelle afrikanische Kleidung verankern das Übernatürliche in einer greifbaren Wirklichkeit.

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Die Serie setzt sich intensiv mit spiritueller Verpflichtung und dem Zustand des Dazwischen auseinander. Dabei greift sie auf V.W. Turners Theorie der Liminalität zurück, um Saros Weg zwischen Leben und Tod zu erkunden. Diese thematische Tiefe zählt zu ihren herausragenden Qualitäten: Sie eröffnet einen reichhaltigen Blick auf kulturelle und existenzielle Fragen und hebt die Serie damit von konventionelleren Dramen ab.

Allerdings verzettelt sich Aníkúlápó: Rise of the Spectre, sobald die Serie zu viel auf einmal erzählen will. Die erste Folge knüpft nahtlos an den Auftakt an, doch im weiteren Verlauf kommen überladene Handlungsstränge und unausgereifte Nebenplots hinzu, die den erzählerischen Fokus verwässern. Saros Reise ist fesselnd, wird aber immer wieder von neuen Figuren und Nebenhandlungen verdrängt, die eher erzwungen als organisch wirken. Auch das Erzähltempo bereitet der Serie Schwierigkeiten: Spannungsmomente verlieren an Wirkung, wenn Szenen ohne klar erkennbaren Zweck vor sich hin mäandern.

Die schauspielerischen Leistungen fallen unterschiedlich aus. Als Saro trägt Kunle Remi die emotionale Last der Serie; seine nuancierte und mitreißende Darstellung eines Mannes, der von Schuld und Pflicht bedrückt wird, überzeugt. Remis Körpersprache – die gebeugten Schultern, der misstrauische Blick – vermittelt Saros Bürde, ohne dass er dafür viele Worte braucht. Bimbo Ademoye kehrt als Arolake zurück und verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe. Ihre Darstellung verbindet Verletzlichkeit mit Entschlossenheit und macht die Figur zu einer überzeugenden Gegenspielerin Saros.

Andere Figuren, etwa die von Sola Sobowale und Taiwo Hassan gespielten, bleiben dagegen eindimensional. Sobowales Rolle beschränkt sich auf eine Reihe emotionaler Ausbrüche, statt eine vollständig ausgearbeitete Entwicklung zu durchlaufen. Auch Hassan wird zu wenig eingesetzt; sein Potenzial geht in Nebenhandlungen verloren, denen es an der nötigen Tiefe fehlt. Die Nebenfiguren dienen oft eher als Mittel, um die Handlung voranzutreiben, denn als eigenständige Charaktere. Das schwächt die emotionale Wirkung der Serie.

Besonders stark ist Aníkúlápó: Rise of the Spectre beim Einsatz der Musik. Teledalases eindringlicher Gesang prägt einen fesselnden Soundtrack, der die Themen Widerstandskraft und Selbstfindung unterstreicht. Die Musik verleiht Schlüsselszenen zusätzliche emotionale Kraft, die der Erzählung bisweilen fehlt. Sie wirkt wie ein Leitfaden, der das Publikum durch Momente der Anspannung und Besinnung trägt und die unterschiedlichen Elemente der Geschichte zusammenführt.

Auch der visuelle Stil kommt der Serie zugute: Traditionelle afrikanische Ästhetik verbindet sich mit dramatischen Kulissen zu einer eindrucksvollen Welt. Die Liebe zum Detail in der Ausstattung verankert das Übernatürliche in einer greifbaren Wirklichkeit und lässt die mythischen Aspekte der Geschichte unmittelbarer und zugänglicher erscheinen.

Die Regie wirkt allerdings nicht immer ausgewogen. In den stärksten Momenten ist Afolayans Vision klar erkennbar, doch gelegentlich gerät das Erzähltempo ins Stocken und die Handlung verliert ihre Richtung. Der Serie hätte es gutgetan, Saros Reise stärker in den Mittelpunkt zu rücken, damit sich sein Handlungsbogen natürlicher entfalten kann – ohne Ablenkung durch unausgereifte Nebenplots.

Im Vergleich zum Originalfilm baut Aníkúlápó: Rise of the Spectre auf dem mythologischen Fundament des Vorgängers auf, leidet aber unter dem Gewicht seiner eigenen Ambitionen. Die Stärke des Originals lag in seiner konzentrierten Erzählweise und der überzeugenden Hauptrolle. Die Fortsetzung erweitert zwar diese Welt, bezahlt dafür jedoch mit erzählerischer Geschlossenheit.

Letztlich ist Aníkúlápó: Rise of the Spectre eine fehlerhafte, aber faszinierende Fortsetzung des Originalfilms. Die Serie baut auf dem mythologischen Fundament ihres Vorgängers auf, leidet jedoch unter dem Gewicht ihrer eigenen Ambitionen. Ihre besten Momente sind zugleich die mythologischsten: Wenn sie sich auf den Zwischenzustand zwischen Tod und Übernatürlichem einlässt, wirkt sie wirklich lebendig. Wer sich für afrikanische Folklore und existenzielles Drama interessiert, findet hier vieles, das sich lohnt – auch wenn die Umsetzung nicht immer überzeugt.

Die Serie richtet sich an Zuschauerinnen und Zuschauer, die gern tief in kulturelle Mythologien eintauchen und bereit sind, zugunsten thematischer Vielschichtigkeit über einige erzählerische Unstimmigkeiten hinwegzusehen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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