Fernsehen

Crooks: Ein pensionierter Tresorknacker kehrt in die Unterwelt zurück

Alice Lange
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Die erste Einstellung von Crooks verweilt auf Charly, gespielt von Frederick Lau: Seine Finger zittern, während er eine unschätzbar wertvolle Münze in der Hand hält – Vergangenheit und Gegenwart prallen in einem einzigen Bild aufeinander. Dieser Moment gibt den Ton für die deutsche Thriller-Dramaserie vor, eine Geschichte über Erlösung, Familie und kriminelle Rivalitäten.

Die von Georg Lippert und Benjamin Hessler entwickelte und von Marvin Kren inszenierte Serie Crooks erzählt von Charly, einem pensionierten Tresorknacker, der in die Unterwelt zurückgezogen wird, als sein ruhiges Leben in Berlin aus den Fugen gerät. Gemeinsam mit einem Kleinganoven (Christoph Krutzler) begibt er sich auf waghalsige Raubzüge quer durch Europa. Im Mittelpunkt steht dabei eine einzige, unschätzbar wertvolle Münze, die rivalisierende Banden gegeneinander aufbringt.

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Für Kren ist es nach 4 Blocks (2017) die zweite Zusammenarbeit mit Frederick Lau und Kida Khodr Ramadan – eine Partnerschaft, die der rauen Berliner Unterwelt eine vertraute Note verleiht. Die Dreharbeiten waren im August 2022 abgeschlossen. Entstanden ist eine sechsteilige Staffel, die intensive Charakterstudien mit Kriminalgeschichten verbindet, bei denen viel auf dem Spiel steht. Die Serie feierte im April 2024 bei Netflix Premiere.

Am besten funktioniert Crooks dank seiner Besetzung. Frederick Lau spielt Charly mit zurückhaltender Intensität: einen Mann, den seine Vergangenheit verfolgt, der aber entschlossen ist, seine Familie zu schützen. Seine nuancierte Darstellung macht den inneren Konflikt eines ehemaligen Kriminellen greifbar, der in ein Leben zurückgedrängt wird, das er längst hinter sich lassen wollte. Christoph Krutzler verleiht seiner Rolle einen rauen Charme und sorgt so für eine mitreißende Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren. Ihre Chemie ist die größte Stärke der Serie; sie treibt die Handlung mit echter Spannung und spürbarer Verbundenheit voran.

Svenja Jung verleiht der Rolle von Charlys Partnerin emotionale Tiefe; ihr Spiel wirkt dabei ausgesprochen authentisch. Erdal Yıldız und Nima Yaghobi überzeugen in den Nebenrollen und geben der kriminellen Unterwelt zusätzliche Facetten. Karl Welunschek sticht mit seiner eindrucksvollen Präsenz hervor: Seine Darstellung eines skrupellosen Bandenchefs verleiht der Serie zusätzliches Gewicht.

Auch der geerdete Umgang der Serie mit dem Heist-Genre kommt ihr zugute. Anders als viele actionlastige Thriller nimmt sich Crooks Zeit, Spannung aufzubauen, und richtet den Blick auf die Beziehungen zwischen den Figuren und ihre moralischen Dilemmata. Der Soundtrack von Stefan Will und Schallbauer passt dazu: Düstere Synthesizerklänge und treibende Beats schaffen eine Atmosphäre, die das Drama zusätzlich verstärkt.

Ganz ohne Schwächen ist Crooks allerdings nicht. Der starke Fokus auf die Figuren ist zwar erfrischend, geht aber mitunter zulasten des Erzähltempos. Die ersten Folgen wirken zäh, und die Handlung braucht zu lange, um Fahrt aufzunehmen. Auch die Actionsequenzen sind zwar handwerklich ordentlich inszeniert, ihnen fehlt jedoch die unmittelbare Wucht, die für echten Nervenkitzel nötig wäre. Hinzu kommen vorhersehbare Wendungen und ein schwaches Ende, das die versprochene emotionale oder erzählerische Auflösung schuldig bleibt.

Darüber hinaus geht der Versuch, Familiendrama und Krimithriller miteinander zu verbinden, nicht immer auf. Die Themen Erlösung und Elternschaft werden zwar aufgegriffen, wirken aber häufig eher angefügt, als wären sie organisch in die Geschichte eingewoben. Besonders in den späteren Folgen fällt dieser Bruch auf, wenn der Schwerpunkt abrupt von der Figurenentwicklung auf die Mechanik der Handlung wechselt.

Marvin Kren führt solide Regie, ohne dabei besonders hervorzustechen. Seine Erfahrung mit urbanen Kriminaldramen zeigt sich darin, dass er eine raue, authentische Atmosphäre schafft. Allerdings fehlt seinem Ansatz der visuelle Einfallsreichtum, der Crooks aus der Masse des Genres herausheben könnte. Die Kameraarbeit erfüllt ihren Zweck: Handkamera und spärlich beleuchtete Innenräume sind zwar wirkungsvoll, bleiben aber wenig markant.

Der Blick auf die kriminelle Unterwelt Berlins bildet eine raue Kulisse, die authentisch wirkt. Ausstattung und Drehorte vermitteln ein starkes Gefühl für den Schauplatz und lassen das Publikum in die zwielichtige Seite der Stadt eintauchen. Dennoch gelingt es der Serie nur bedingt, sich von anderen Krimis in einem ähnlichen Umfeld abzuheben. Weil ihr eine unverwechselbare visuelle oder erzählerische Handschrift fehlt, fällt es Crooks schwer, sich in einem überfüllten Genre einen eigenen Platz zu sichern.

Trotz dieser Fehltritte bietet Crooks genügend mitreißende Momente, um das Publikum bei der Stange zu halten. Die Chemie zwischen Lau und Krutzler ist unbestreitbar, und die Darstellung der kriminellen Unterwelt Berlins liefert eine raue, authentische Kulisse. Die Themen Erlösung und Familie behandelt die Serie aufrichtig und verleiht der Geschichte damit emotionales Gewicht.

Auch ihre internationale Ausrichtung kommt der Serie zugute. Als deutsche Netflix-Produktion hat Crooks das Potenzial, ein weltweites Publikum zu erreichen. Die Mischung aus Action, Drama und Krimi spricht Fans verschiedener Genres an. Das gemächliche Erzähltempo und der Mangel an herausragenden Momenten könnten ihre breite Wirkung jedoch einschränken.

Im Vergleich zu anderen jüngeren Krimiserien bleibt Crooks hinter dem Niveau von Titeln wie Gangs of London oder Snowfall zurück. Zwar teilt die Serie mit ihnen den rauen Realismus und die komplexen Figuren, doch es fehlt ihr an derselben Intensität und Innovationskraft. Die Actionsequenzen in Crooks sind ordentlich umgesetzt, aber ihnen mangelt es an dem filmischen Glanz, der andere Genrevertreter auszeichnet.

Der Soundtrack von Stefan Will und Schallbauer ist ein Höhepunkt: Düstere Synthesizerklänge und treibende Beats erzeugen eine Atmosphäre, die das Drama verstärkt. Die Musik passt zum Ton der Serie und steigert die Spannung sowie das emotionale Gewicht wichtiger Szenen. Für ein insgesamt überzeugenderes Seherlebnis reicht das jedoch nicht aus.

Letztlich ist Crooks ein solider, aber wenig herausragender Beitrag zum Krimithriller-Genre. Zu den Stärken zählen die Darstellungen und der geerdete Umgang mit dem Heist-Genre, zu den Schwächen das langsame Erzähltempo und die vorhersehbaren Wendungen. Die Serie bietet genügend fesselnde Momente, um das Publikum bei der Stange zu halten, doch es fehlt ihr an Innovation und Intensität, um wirklich hervorzustechen.

Crooks richtet sich an Fans figurengetriebener Krimiserien, die sich gern mit den moralischen Dilemmata der Hauptfiguren auseinandersetzen. Wer hingegen auf temporeiche Action oder erzählerisches Neuland hofft, könnte enttäuscht werden.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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