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Poldi auf Netflix: Wie ein Kölner Einwandererkind zum Weltmeister wurde

Jack T. Taylor

Die Kamera sucht zuerst Köln. Das grau-goldene Licht über dem Rhein, der Dom, der den Himmel mit seinen zwei geschwärzten Türmen hält, die niedrigen Backsteinstraßen von Mülheim, wo ein Junge in geerbten Schuhen einen Ball gegen eine Wand schoss, bis die Wand, so scheint es, seinen Namen lernte. Poldi, die Dokumentation, die Netflix in diesem Sommer zeigt, porträtiert die Stadt, wie ein Maler die Hände seines Modells malt. Der Ort sagt, wer der Mann ist, bevor er ein Wort spricht.

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Der Mann ist Lukas Podolski, und der Film führt ihn von jener Straßenecke ins Grün eines WM-Finales. Unter der Regie von Nicolas Berse-Gilles, Simone Schillinger und Kai Sehr beginnt er mit einer geplanten Abschiedssaison und beobachtet, wie dieser Plan auseinanderfällt, wie es späte Karrieren so an sich haben.

Was der Dokumentation ihre Körnung gibt, sind nicht die Tore, obwohl die Tore da sind, geschossen mit jener flachen linken Wucht, die ihn zum verlässlichsten Vollstrecker Deutschlands machte. Es ist der Abstand zwischen zwei Namen. Poldi ist das grinsende Maskottchen, der Mann, der eine Dönerbude und eine Eismarke eröffnete. Lukas Podolski ist der Sohn polnischer Einwanderer, geboren in Gliwice, aufgewachsen in einem Arbeiterwinkel einer deutschen Stadt, der eine Frage nach Zugehörigkeit durch 130 Länderspiele und 49 Tore trug.

Die Regie filmt den heutigen Podolski in warmen, ruhigen Einstellungen: Küchen, Trainingsplätze, die Hinterzimmer seiner Geschäfte, die Tribüne des polnischen Klubs in Zabrze, den er nun finanziert. Dagegen schneidet sie ein kühleres, blaueres Archiv, die Farbe alten Sendebands, in dem ein junger Zehner vor einer Wand deutscher Trikots jubelt und nicht immer mitsingt. Der Kontrast wird nie kommentiert. Er wird komponiert, und man vertraut dem Auge, die Temperatur zu spüren, bevor der Verstand sie erklärt.

Hier lebt die Einwanderergeschichte wirklich, nicht im Off-Kommentar, sondern im Bildausschnitt. Ein Kind der langen Arbeitswanderung zwischen Polen und dem deutschen Industriewesten wird zum Gesicht einer Nationalmannschaft, und der Film behandelt seine Loyalität als etwas, das er zusammensetzen musste, nicht erbte. Mitspieler und Figuren jener Zeit füllen das Bild, darunter Thomas Müller, der zum Funktionär gewordene Torwart Oliver Kahn und Joachim Löw, der Trainer, der die Mannschaft baute, die schließlich alles gewann.

Dieser Sieg ist die hohe Farbe des Films. Das Finale in Brasilien, das Gold und Grün des Maracanã, ein Kölner Junge unter den Männern, die den Pokal hoben, auf den seine Stadt Generationen gewartet hatte. Ein schwächerer Film würde sich hier in eine Montage mit Streichern auflösen. Diese Regie widersteht: Sie hält auf den Gesichtern über den bequemen Schnitt hinaus und lässt den Triumph zugleich als Ende und als Problem lesen.

Köln verhält sich durchweg weniger wie eine Kulisse als wie eine zweite Hauptfigur, und der polnische Faden läuft unter allem hindurch. Die Beteiligung an Górnik Zabrze ist als Heimreise gefilmt, die der Spieler zu seinen eigenen Bedingungen antritt und damit einen Kreis schließt, den seine Eltern öffneten, als sie für Arbeit eine Grenze überquerten. Daher die Weigerung des Films, den sauberen Abschied zu liefern: Der Abgang, der ihn rahmt, verschiebt ständig die eigenen Tore, und der Film folgt den Umwegen, statt sie zu glätten. Er lässt bewusst die eine Frage offen, die zählt: ob das Maskottchen Poldi und das Einwandererkind Lukas Podolski je dieselbe Person waren und welcher von beiden bleibt, wenn der Fußball aufhört.

Poldi startet am 4. Juni auf Netflix, an Podolskis 41. Geburtstag, nach einer Premiere im Kölner RheinEnergieStadion, zu der die Fans im weißen Trikot der Stadt und mit seiner alten Nummer zehn kamen. Der Film erscheint wenige Tage vor dem Beginn der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Die Originaltonspur ist Deutsch.

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