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Rafa auf Netflix: das Porträt eines Körpers, der zwei Jahrzehnte lang nicht aufgeben durfte

Jack T. Taylor

Rafael Nadal hat dreiundzwanzig Jahre damit verbracht, seinem Körper beizubringen, Strafe einzustecken und nach mehr zu verlangen. Die Vorhand, die über dem Netz die Luft zerriss, kam aus einer Schulter, einem Knie und einem linken Fuß, die am Ende nur noch durch Tape, Spritzen und Sturheit zusammenhielten. Nimmt man die Pokale beiseite, bleibt etwas Fremderes als ein Siegeralbum: ein Mann, der sein ganzes Erwachsenenleben um eine Entscheidung herum baute, nämlich nicht aufzuhören.

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Dieser Preis ist das eigentliche Thema, nicht das Edelmetall. Nadal formte ein Temperament für den Verschleiß, Punkt für Punkt, derselbe brutale Topspin zum zehntausendsten Mal, als hinge das Match daran, weil es für ihn immer daran hing. Sein eigener Leitsatz sagt es ohne Umschweife: Einen Champion definiert nicht nur, wie er gewinnt, sondern seine Fähigkeit, einen Ball länger durchzuhalten. Durchhalten war bei ihm nie eine Floskel.

Der linke Fuß ist das Scharnier der ganzen Geschichte. Als Jugendlicher, im Jahr 2005, mit dem Müller-Weiss-Syndrom diagnostiziert, einer degenerativen Erkrankung eines Mittelfußknochens, bekam Nadal die Art Nachricht, die eine Karriere sonst in der Praxis beendet. Zwei Jahrzehnte lang verwaltete er sie wie andere eine Formkrise. 2022 gewann er die French Open mit nahezu betäubtem Gelenk, weil die Alternative hieß, nicht zu spielen. Die Serie zeigt das nicht als Heldentum, sondern als Beleg für eine Schmerztoleranz, die kaum ein Sportler je in sich entdecken muss.

Zach Heinzerling, der seine Laufbahn dem Filmen von Menschen gewidmet hat, deren Disziplin an Besessenheit grenzt, baut die Serie aus Nähe statt aus Höhepunkten. Die Kamera bleibt bei jenen, die die Maschine wirklich am Laufen hielten: den Trainern, den Physiotherapeuten, der Familie, die den Preis aus nächster Nähe sah. Archivbilder zeigen einen Dreijährigen mit einem viel zu großen Schläger, am anderen Ende das Comeback von 2024, an das außerhalb des engsten Kreises kaum jemand glaubte.

Woran die Kamera festhält, ist die Arbeit, die nie im Fernsehen lief: die Reha, das Tapen wundgeriebener Finger, die Wasserflaschen, nach jedem Seitenwechsel mit dem Etikett zum Platz hin abgestellt, immer gleich. Andere Filme machten daraus eine Marotte; hier ist es die sichtbare Oberfläche einer inneren Disziplin. Hinter dem vermeintlich natürlichen Champion steht ein Apparat: Onkel Toni, der das Spiel und die Härte aufbaute, und Carlos Moyá, einst Weltranglistenerster, der in der zweiten Phase ein Tennis neu zeichnete, das den Körper zermürbte.

Die Rivalen treten auf, aber nicht zur Ehrenrunde. Roger Federer, Novak Djokovic und John McEnroe sprechen als Zeugen, nicht als Co-Stars. Federer, dessen eigener Abschiedsfilm zwei Jahre zuvor als kurze, zärtliche Elegie erschien, schärft den Kontrast: Wo jener Film ein Klagegesang war, liest sich dieser wie ein klinischer Bericht.

Sie erscheint zudem auf dem Pariser Sand, den Nadal zu Privatbesitz machte, vierzehn Titel auf einem einzigen Belag, eine Zahl, die weniger nach Rekord klingt als nach Geologie. Es ist das erste Roland Garros seiner Zeit als Ruheständler, der erste Mai seit zwanzig Jahren, in dem sich das Tableau nicht um seinen Namen biegt.

Hier hört die Serie auf, von Tennis zu handeln. Man kann einen Körper auf Ausdauer drillen und einen Geist darauf, jeden Ballwechsel als letzte Bastion vor dem Untergang zu behandeln. Den Morgen, an dem die Routine nichts mehr zu ordnen hat, kann man nicht proben. Der Film umkreist die eine Frage, die er nicht beantworten kann: Wer ist Rafael Nadal, wenn es keinen weiteren Ball mehr zu überstehen gibt.

Rafa, inszeniert von Zach Heinzerling und produziert von Skydance Sports, umfasst vier Folgen und enthält Interviews mit Roger Federer, Novak Djokovic und John McEnroe. Die Serie startet am 29. Mai auf Netflix, mitten im Turnier, das ihn groß machte.

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