Fernsehen

Time Bandits: familienfreundlich, aber verwässert

Veronica Loop
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Die Eröffnungsszene von Time Bandits führt uns ins chaotische Schlafzimmer von Kevin Haddock, einem elfjährigen Geschichtsfan, dessen Wände mit Landkarten und Zeitleisten tapeziert sind. Noch bevor er sein Sandwich aufessen kann, bricht ein klappriges Zeitportal durch die Wand und reißt ihn in ein Abenteuer, das zu gleichen Teilen an Monty Python und Doctor Who erinnert. Die von Taika Waititi, Iain Morris und Jemaine Clement entwickelte Apple TV+-Serie ist eine farbenfrohe, wenn auch nicht ganz überzeugende Neuinterpretation von Terry Gilliams Kultfilm aus dem Jahr 1981.

Die Ausgangsidee – eine bunt zusammengewürfelte Bande von Zeitreise-Dieben wirbt Kevin als neuestes Mitglied an – bietet reichlich Stoff für allerlei Schabernack. Die Serie setzt stark auf ihre komödiantischen Wurzeln: Waititis und Clements absurder Humor kommt etwa bei einem missglückten Raubzug in einer Maya-Pyramide oder bei der Begegnung mit Pure Evil zum Vorschein, einem von Clement selbst gespielten Schurken mit herrlich schriller Bedrohlichkeit. Doch während der Originalfilm seine anarchische Energie voll auskostete, nimmt diese Serie für ein familienfreundliches Publikum die Ecken und Kanten zurück. Das ist nicht unbedingt schlecht – es spricht ein breiteres Publikum an –, nimmt dem Ganzen aber auch einiges von der Bissigkeit des Originals.

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Die größte Stärke der Serie ist ihre visuelle Fantasie. Die praktischen Effekte, eine bewusste Verbeugung vor Gilliams Original, verleihen der Welt eine besondere Textur: Animatronische Wollhaarmammuts und mit Ölfarbe gemalte Matte-Hintergründe verankern die Fantastik in einer greifbar schrägen Wirklichkeit. In einigen Szenen sorgen LED-Bildschirme für die Hintergründe und erzeugen so einen immersiven Eindruck. Im Zusammenspiel mit der schlichteren CGI wirkt dieser Aufwand jedoch gelegentlich übertrieben. Das Szenenbild ist eine Liebeserklärung an Gilliams Exzentrik, wird aber durch eine elegantere, stärker polierte Ästhetik abgemildert, die unverkennbar Waititis Handschrift trägt.

Ins Stolpern gerät Time Bandits vor allem beim Erzähltempo. Die ersten Folgen treten auf der Stelle und hetzen durch zu viele historische Zwischenstopps, ohne einem Moment Raum zum Atmen zu lassen. Kevins Geschichte als Außenseiter, gespielt von Kal-El Tuck mit spürbarem Ernst, bildet den emotionalen Anker. Auf seiner Reise geht er zwischen den Zeitsprüngen und Gags jedoch bisweilen unter. Tuck schlägt sich gut, doch das Drehbuch gibt seiner Figur nicht immer die nötige Tiefe, um über das übliche Muster vom „Kind auf Abenteuerreise“ hinauszuwachsen.

Lisa Kudrow stiehlt als schnörkellose Penelope mit ihrem trockenen Vortrag so manche Szene. Ihre Chemie mit dem Rest der Bande zählt zu den Höhepunkten der Serie – besonders dann, wenn sie Kevin und seiner staunenden Neugier Babysitterin spielen muss. Roger Jean Nsengiyumva verleiht Widgit eine verschmitzte Energie, während Rune Temtes Bittelig eine ordentliche Portion raubeinigen Charme mitbringt. Doch Kudrow ist es, die das Chaos erdet. Ihr Auftritt erinnert daran, warum sie in allem von Romy and Michele’s High School Reunion bis The Comeback heraussticht.

Am stärksten ist die Serie, wenn sie ihr Herz zeigt: Die Verbindung zwischen Kevin und seiner jüngeren Schwester Saffron (Kiera Thompson), die im New York der 1920er-Jahre zu Hause zurückbleibt, verleiht den Zeitsprüngen mehr Gewicht. Ein später Abstecher ins Robin-Hood-Milieu zeigt, wie gut die Serie Humor und Abenteuer verbinden kann, wenn sie sich auf einen Schauplatz konzentriert. Die Folge ist ein echtes Highlight: Sie verbindet Slapstick mit spürbarer Spannung. Doch dieser starke Moment kommt zu spät und bleibt zu kurz.

Dass die Serie nach nur einer Staffel abgesetzt wurde, ist schade: Das Potenzial ist da, doch die Umsetzung wirkt überhastet, als hätten die Autorinnen und Autoren den richtigen Ton selbst noch gesucht. Auch die vielen historischen Gastauftritte – Mark Gatiss als Earl of Sandwich? Entzückend. – wirken bisweilen eher wie Lückenfüller als wie sorgfältig ausgearbeitete Erzählstränge. Für sich genommen machen diese Abstecher Spaß, doch sie bremsen den Erzählfluss und lassen die übergreifende Handlung zerstückelt wirken.

Inhaltlich setzt sich Time Bandits mit Schicksal und freiem Willen auseinander, wagt sich aber nie wirklich tief in diese Fragen hinein. Kevins Reise soll angeblich davon handeln, dass er seinen eigenen Weg wählt. Die Serie tut sich jedoch schwer damit, diesen Gedanken mit ihren Zeitreiseabenteuern in Einklang zu bringen. Sie kostet die Absurdität ihrer Prämisse aus, geht aber nur selten über oberflächlichen Humor und Action hinaus.

Unterm Strich ist Time Bandits ein unterhaltsamer, wenn auch nicht makelloser Ritt: Fans von Gilliams Original dürften ihre Freude daran haben, während andere sich mehr erzählerischen Zusammenhalt wünschen werden. Die Serie ist etwas für alle, die Science-Fiction gern mit einer Prise Slapstick und Fantasy mit einem Schuss Farce mögen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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