Fernsehen

Small Prophets bei Apple TV: Ein Baumarkt-Verkäufer züchtet im Gartenschuppen Wahrsager aus Pferdemist

Martha O'Hara
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„Small Prophets“, die sechsteilige Komödie, die Mackenzie Crook für die BBC entwickelt, geschrieben und inszeniert hat, kommt zu Apple TV – mit einer Prämisse, die wie eine Mutprobe klingt: Ein Mann, der in einem Baumarkt arbeitet, versucht, in seinem Gartenschuppen winzige Wahrsagegeister zu züchten. Sie sollen ihm sagen, ob die Frau, die er liebt, jemals zurückkommt. Pearce Quigley spielt Michael Sleep, dessen Partnerin Clea vor sieben Jahren verschwand. Michael Palin spielt seinen Vater Brian, der ihm das Rezept verrät. In Großbritannien lief die Serie bereits; Apple hat sie für Zuschauerinnen und Zuschauer im Rest der Welt erworben.

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Das Rezept ist zugleich der Witz und der Kern der Geschichte. In Apples eigener Inhaltsangabe werden als Zutaten Regenwasser, Pferdemist und „mehr als nur ein wenig Alchemie“ genannt. Das Ziel: Homunkuli, magische Geister, die die Zukunft vorhersagen können. Michael hat nur eine Frage an sie: Wird er Clea jemals wiedersehen? Niemand in „Small Prophets“ versucht, die Welt zu retten. Ein Mann mittleren Alters hat keine gewöhnlichen Möglichkeiten mehr, weiter zu warten – und die einzige verbliebene Methode erfordert ein Einmachglas.

Auch den Rest der Ausgangslage beschreibt Apple ganz nüchtern. Seit Cleas Verschwinden führt Michael ein ausgesprochen gewöhnliches Leben: Er arbeitet im Baumarkt, besucht seinen Vater und hofft. An das Experiment geht er mit einer gewissen Skepsis heran. Seine junge Kollegin Kacey, gespielt von Lauren Patel, hilft ihm schließlich, und die beiden kommen sich auch deshalb näher, weil sie den Filialleiter Gordon nicht ausstehen können. Gordon wird von Crook selbst gespielt. Gleich nebenan entwickeln die von Sophie Willan und Jon Pointing gespielten Nachbarn eine regelrechte Besessenheit für das Geschehen im Schuppen.

Ein Rezept aus der Renaissance in einer Sackgasse von Manchester

Die Kreatur im Zentrum der Serie hat Crook nicht erfunden. Der Homunkulus gehört zur Geschichte der europäischen Alchemie. In De natura rerum, einer Abhandlung aus dem 16. Jahrhundert, die Paracelsus zugeschrieben wird, sieht das Rezept für einen künstlich erschaffenen kleinen Menschen vor, ihn in Pferdemist auszubrüten. Der Mist in Brians Rezept führt direkt auf diesen Text zurück – ein Hinweis darauf, dass Crook sich erst eingelesen hat, bevor er daraus einen Witz machte.

Mit diesem Wissen versetzt er die Geschichte an einen Ort, an den sie eigentlich nicht gehört. Die Serie spielt und wurde im Großraum Manchester gedreht, in Wohnstraßen von Urmston und rund um Stockport: zwischen einem Baumarkt und einer Häuserzeile, in der sich die Nachbarn laut Apples Inhaltsangabe für das Geschehen im Gartenschuppen begeistern. Eine der seltsamsten Vorstellungen der Renaissance – dass man einen Menschen heranzüchten könne – landet so in einem denkbar gewöhnlichen britischen Umfeld: in einem Vorstadtgarten, bei einem Hobby, hinter einem Zaun.

Britische Kritikerinnen und Kritiker, die bei der Ausstrahlung die komplette Serie sahen, haben beschrieben, wie der Einfall funktioniert. Helen Hawkins schrieb bei The Arts Desk, Michael ziehe die Kreaturen nach einer uralten Rezeptur in großen Gläsern heran; seien sie richtig gezüchtet, erhielten sie kurzzeitig die Gabe der Weissagung und könnten gar nicht anders, als die Wahrheit zu sagen. Außerdem gebe es in der Serie drei verschiedene Homunkuli, die sie als bizarr aussehend und vollkommen überzeugend bezeichnete. Apple weist darauf hin, dass sich Animationselemente durch die Serie ziehen. Die Animation stammt von Ainslie Henderson und Will Anderson.

Von den Feldern aus „Detectorists“ in den Gartenschuppen

Viele Zuschauerinnen und Zuschauer außerhalb Großbritanniens kennen Crook durch „Detectorists“, seine frühere BBC-Komödie über zwei Männer, die mit Metalldetektoren über Felder laufen und darauf warten, dass der Boden etwas preisgibt. Die Verbindung ist unmittelbar: Quigley spielte in „Detectorists“ Russell. Hier überlässt Crook ihm die Hauptrolle und übernimmt selbst die kleinere Rolle des unbeliebten Filialleiters.

Die beiden Serien verbindet eine ähnliche Grundstimmung. In beiden geht es um Geduld und um Männer, deren Hobbys von außen lächerlich wirken, unter der Oberfläche aber etwas Ernstes verbergen. Doch „Small Prophets“ kehrt die Suche um. Die Metalldetektorgänger wollten die Vergangenheit ans Licht bringen. Michael möchte die Zukunft sprechen hören – und ist bereit, dafür Regenwasser und Mist zu mischen.

Mit Quigley und Palin liest sich die Besetzung wie ein kleiner Streifzug durch die jüngere Geschichte der britischen Comedy. Willan gewann einen BAFTA für „Alma’s Not Normal“. Pointing kennt man aus „Big Boys“. Paul Kaye, international durch „Game of Thrones“ bekannt, spielt Roy, Cleas Bruder. Patel ist aus „Waterloo Road“ bekannt. Shola Adewusi spielt Olive, eine weitere Nachbarin. Palin, bekannt aus Monty Python, verkörpert einen Vater, der offenbar die alten Rezepte der Familie hütet. Die Prämisse deutet auf eine Serie hin, die sich mehr für eine ganze Straße voller Menschen interessiert als für einen einzelnen magischen Effekt.

Warum Apple eine bereits ausgestrahlte Serie gekauft hat

Apple TV stellt den Großteil seines Programms aus Eigenproduktionen zusammen, die von Anfang an für den Dienst gemacht werden. „Small Prophets“ ist der umgekehrte Fall: eine BBC-Auftragsproduktion von Crooks Treasure Trove Productions und Blue House Productions, deren Ausstrahlung auf BBC Two und iPlayer bereits abgeschlossen war, bevor Apple die weltweiten Rechte erwarb. AppleInsider bezeichnete den Deal als seltenen Schritt für den Dienst, der zuvor mit der BBC an „Trying“ gearbeitet hatte – einer Komödie, die von Beginn an für Apple produziert wurde.

Die Kritiken erklären den Kauf. The Guardian und The Times gaben der Serie jeweils fünf Sterne. The Guardian nannte sie eine Serie voller wunderbarer Überraschungen, The Telegraph vergab vier Sterne. In Apples Ankündigung werden eine perfekte Kritikerwertung bei Rotten Tomatoes und der Preis für die beste Serie im Wettbewerb International Panorama bei Series Mania angeführt. Die Wette lautet, dass eine Komödie aus sehr lokalen Zutaten – einem Baumarkt, einer Sackgasse, einem Schuppen und einem Rezept aus einer Abhandlung des 16. Jahrhunderts – auch ein Publikum erreichen kann, das noch nie im Großraum Manchester war.

Diese Wette prägt auch, was dem Publikum versprochen wird. Das Marketing verkauft eine magische Komödie mit perfekter Wertung. Die Prämisse bereitet auf etwas Schwereres vor: eine Geschichte über ein Verschwinden, deren komische Oberfläche es der Serie ermöglicht, sich einer vermissten Person zu nähern, ohne unverwandt auf die Leerstelle zu starren. Der Humor in dieser Art britischer Komödie übernimmt meist genau diese Aufgabe: Er hält eine Frage auf Abstand, damit sie überhaupt gestellt werden kann.

Was man vor dem Anschauen wissen sollte

Basiert „Small Prophets“ auf einer wahren Geschichte? Nein. Die Geschichte stammt von Mackenzie Crook. Der Homunkulus kommt zwar in realen alchemistischen Texten vor, Michael, Clea und der Schuppen sind jedoch erfunden.

Wie viele Folgen gibt es? Die erste Staffel umfasst sechs Folgen.

Wer gehört zur Besetzung? Pearce Quigley, Michael Palin, Lauren Patel, Sophie Willan, Jon Pointing, Paul Kaye, Shola Adewusi und Mackenzie Crook.

Wann und wo kann ich die Serie sehen? „Small Prophets“ startet am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, mit den ersten beiden Folgen bei Apple TV. Anschließend erscheint bis zum 4. November 2026 jeden Mittwoch eine neue Folge. Großbritannien ist die Ausnahme: Dort lief die Serie zwischen Februar und März 2026 auf BBC Two und BBC iPlayer. Bei Apple TV wird sie dort 2027 verfügbar sein.

Wird es eine zweite Staffel geben? Ja. Die BBC verlängerte „Small Prophets“ am 8. September 2026 um eine zweite Staffel, die 2027 erscheinen soll. Crook bezeichnete sie als Gelegenheit, „die zweite Hälfte dieser seltsamen Geschichte“ zu erzählen.

Die Homunkuli können nicht lügen, heißt es in den Kritiken. Genau darin liegt das Risiko, das Michael im Schuppen eingeht. Sieben Jahre des Wartens waren gerade deshalb auszuhalten, weil ihm niemand eine Antwort geben konnte. Eine Kreatur, die gezwungen ist, die Wahrheit zu sagen, könnte ihm ausgerechnet das eine sagen, dem er all die Jahre ausgewichen ist.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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