Filmkritiken

Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt bleibt der vollkommenste Horrorfilm aller Zeiten

Ridley Scotts Meisterwerk von 1979 – industrielle Angst und körperliches Grauen als untrennbare Einheit.
Martha O'Hara
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Die Kamera schwenkt durch die endlose, industrielle Leere des Raumschiffs Nostromo — ein Bild von karger Schönheit, das sofort klarmacht: Hier gibt es keine Zuflucht. Ridley Scotts „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) ist kein Film über Monster unter dem Bett, sondern über das Unbekannte, das sich in den Eingeweiden eines Raumschiffs versteckt.

Das Werk beginnt mit einer präzisen Studie menschlicher Isolation. Die Crew — darunter Sigourney Weaver als Ripley und Ian Holm als Ash — wirkt schon vor dem Auftauchen des Aliens wie eine Gruppe von Geistern, die durch die eisigen Gänge ihres Schiffes wandeln. Scotts Regiearbeit glänzt in der Art, wie sie die visuelle Gestaltung mit psychologischer Spannung verbindet. Die Szene, in der John Hurt als Kane vom Alien befallen wird — eine Geburt im wahrsten Sinne des Wortes, nur mit scharfen Zähnen statt sanften Händen — entfaltet ihre Wirkung nicht durch bloße Brutalität, sondern durch die klinische Ruhe, mit der Scott sie in Szene setzt: Das Schreckliche geschieht am hellen Tisch, unter Zeugen, in vollkommener Stille. Der Kontrast zwischen der sterilen Ordnung des Raumschiffs und der blutigen, organischen Gewalt des Aliens ist atemberaubend.

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Doch was „Alien“ wirklich von anderen Sci-Fi-Horror-Filmen abhebt, ist seine Fähigkeit, Themen wie Kapitalismus (die Weyland-Yutani-Corporation als gnadenlose Macht) und Geschlecht (der Alien als eine pervertierte Form der Fortpflanzung) zu integrieren. Die Crew wird von einem Monster gejagt und von den Entscheidungen ihrer Arbeitgeber verraten: Das Unternehmen hat die Mission von Anfang an in den Tod geschickt, und der eigentliche Feind sitzt nicht in den Gängen der Nostromo, sondern in den Konferenzräumen der Erde. Sigourney Weaver verkörpert Ripley als pragmatische Heldin; was sie antreibt, ist weniger bloßer Überlebensinstinkt als der Wille, die Kontrolle über ihre eigene Zukunft zu behalten.

Ridley Scott arbeitete eng mit dem Schweizer Künstler H.R. Giger zusammen, dessen biomechanische Designs dem Alien jene verstörende Fremdartigkeit verliehen, die bis heute kaum zu übertreffen ist: kein Tier, keine Maschine, sondern etwas, das beide Kategorien gleichzeitig besetzt und auflöst. Die Sets, entworfen von Ron Cobb und Chris Foss, schufen eine Atmosphäre des Unbehagens. Das Innere der Nostromo wirkt nicht wie ein Raumschiff aus Zukunftsvisionen, sondern wie eine schlecht beleuchtete Fabrikanlage — eng, verbraucht, feindselig. Der Soundtrack von Jerry Goldsmith verstärkt die Spannung mit einer Mischung aus elektronischen Klängen und traditionellen Instrumenten.

Dass „Alien“ bei seiner Uraufführung zunächst gemischte Kritiken erntete und erst in den Folgejahren zum unbestrittenen Klassiker erklärt wurde, sagt viel über das Unbehagen aus, das der Film erzeugt: Er lässt sich nicht leicht einordnen, nicht leicht loben, nicht leicht vergessen. Die Auszeichnung mit dem Academy Award für die besten visuellen Effekte war verdient — doch was den Film wirklich trägt, die Arbeit mit Stille und Leerstelle, entzieht sich jeder Kategorie.

Die Darstellungen sind ein weiterer Höhepunkt. Sigourney Weaver liefert eine starke Leistung als Ripley, deren Entwicklung vom skeptischen Offizier zur entschlossenen Überlebenden überzeugt. Ian Holm als Ash zeigt eine subtile Ambivalenz, die den Zuschauer bis zum Ende im Unklaren lässt — er ist der ruhigste Mensch an Bord, und genau darin liegt das Unbehagen. John Hurt als Kane liefert einen unvergesslichen Auftritt, dessen Tod zu den ikonischsten Momenten des Horrorfilms gehört.

Nicht alles funktioniert perfekt. Einige der Effekte — insbesondere gegen Ende des Films — wirken heute etwas angestaubt, und die Charakterentwicklung bleibt gelegentlich oberflächlich. Veronica Cartwrights Lambert wirkt oft wie ein Klischee der schreienden Frau, obwohl sie Momente der Stärke zeigt. Die Balance zwischen Sci-Fi und Horror ist nicht immer ausgeglichen; manche Szenen wirken mehr wie ein Actionfilm als wie eine Studie über Angst.

Trotz dieser Schwächen ist „Alien“ ein Film, dessen Bilder man nicht wieder los wird — nicht weil sie spektakulär sind, sondern weil sie etwas Grundlegendes über Körper, Angst und Kontrolle berühren. Die Szene, in der das Alien aus Kanes Brust bricht, verdankt ihre Wirkung nicht dem Schock allein, sondern der symbolischen Konsequenz, mit der Scott sie auflädt: als sei das, was sich da befreit, nie wirklich von außen gekommen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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